Wirtschaft

Coronatests ab September auch für Gastro, Camping und Herbergen

Nach der Hotellerie können ab 1. September auch Gastrobetriebe ihre Mitarbeiter auf Covid-19 testen lassen. Das kündigte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Donnerstag in einer Pressekonferenz an. Das Corona-Testprogramm wird außerdem auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Campingplätzen und Jugendherbergen ausgeweitet.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

150 Mill. Euro seien für das Testprogramm bis zum Jahresende budgetiert, so Köstinger. Konnten sich bisher nur Mitarbeiter der Hotellerie testen lassen, so sollen die staatlich finanzierten Tests künftig auch auf Gastrobeschäftigte und jene von Campingplätzen und Jugendherbergen ausgeweitet werden. Köstinger: "Wir hoffen, dass sehr viele Betriebe das Angebot annehmen."

Der Gastro-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKO), Mario Pulker, sagte, er freue sich sehr, dass die Testungsreihe damit auf 45.000 zusätzliche Betriebe ausgeweitet werde. "Wir haben pro Bundesland 50 bis 60 Anfragen pro Woche, ob man sich testen lassen könne."

Unklarheiten bei Gästelisten

Beim weiteren Plan der Führung von Gästelisten in der Gastro herrschen aber noch Unklarheiten.

So wehren sich die Gastronomiebetriebe vehement gegen zu viel Bürokratie beim Führen von Listen im Sinne des sogenannten Contact-Tracings (Kontaktverfolgung). Zwar habe man "kein Problem Gäste zu erheben", sagte Pulker. "Aber wie soll das im Alltag praktiziert werden?" "Wir wollen keine Zettelwirtschaft und keinen Konflikt mit dem Gast." Schon gar nicht wolle man Gäste wegschicken müssen, wenn sich einer nicht eintragen will oder einen Scherznamen einträgt.

"Die Branche hat hierbei meine vollste Unterstützung", sagte dazu Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Pulker schlägt eine App vor. Das Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober (Grüne) solle rasch eine solche "zertifizieren, in der die Gäste erhoben werden, wenn sie ein Lokal betreten".

"Schmale Gratwanderung beim Datenschutz"

Köstinger wollte auf Nachfrage nicht konkret auf den Vorschlag einer Tracing-App eingehen. Nur so viel: "Wir haben jetzt den Vorschlag des Gesundheitsministeriums vorliegen, der ist in Begutachtung. Wichtig ist, dass nicht den Unternehmen allein die Verantwortung übertragen wird, das auch zu administrieren", so die Politikerin, die auch an eine "schmale Gratwanderung beim Datenschutz" erinnerte. Bürokratisch handle es sich auch um einen enormen Aufwand, vor dem die Betriebe "bestmöglich zu schützen" seien. Man werde sich am Ende des Begutachtungsprozesses - das ist übrigens morgen, Freitag - "anschauen, was die praktikabelste Lösung ist", sagte Köstinger.

45.000 neue Betrieben kommen dazu

Mehr Klarheit herrscht beim Testprogramm, auch wenn die ursprünglich erhofften 65.000 Tests pro Woche bisher noch in weiter Ferne sind. "Mit der Ausweitung auf Gastronomie, Jugendherbergen und Campingplätzen bieten wir das größte präventive Testangebot in Österreich an", sagte Köstinger. "Damit gehören wir zu den internationalen Vorreitern. Österreich soll auch in Zukunft eines der gastfreundlichsten und sichersten Urlaubsländer sein." Große Freude über die Erweiterung herrschte naturgemäß bei Gastro-Obmann Pulker. 45.000 mögliche Betriebe mit 200.000 Mitarbeiter kämen nun potenziell dazu. Registrieren können sich Betriebe auf der Seite www.oesterreich.gv.at, Informationen gibt es unter www.sichere-gastfreundschaft.at.

Ausweitung auch auf Skilehrer

Derzeit finden 2.000 bis 4.000 Testungen pro Tag in der Hotellerie statt. 115.000 von Mitarbeitern aus 2.800 Betrieben waren es bisher. Mit der Erweiterung auf Gastronomie und Co. sollten es schrittweise mehr werden, so Köstinger. Sowohl Betriebe als auch dann deren Mitarbeiter können freiwillig teilnehmen. Die Erweiterung zielt auch bereits auf die nahende Wintersaison ab.

Geplant ist auch eine weitere Ausweitung auf Fremdenführer, Reiseleiter und Skilehrer. "Das ist sinnvoll für den Winter", sagte Köstinger. Dafür seien aber "einige technische Anpassungen" nötig, es werde noch etwas dauern, fehle doch die Schnittstelle Wirtschaftskammer, wie man sie bei den Gewerbebetrieben habe.

"Wir werden den Weg in den Winter finden"

"Wir haben viel gelernt, wir werden den Weg in den Winter finden", sagte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie. Die Tests hätten eine große Bedeutung für den Nächtigungsbereich in Österreich. Ohne solche Tests hätte man größere Schwierigkeiten gegenüber den Gästen darzustellen, dass sich die Betriebe ihrer Verantwortung bewusst seien. "Die Bereitschaft der Betriebe, an den Tests teilzunehmen ist stark gestiegen."

Für die Sicherheitsstrategie in der Freizeitwirtschaft stehen bis Jahresende 150 Mio. Euro zur Verfügung. Jeder Coronatest eines Mitarbeiters wird staatlich mit 85 Euro gestützt.

Quelle: SN/Apa

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