Wirtschaft

Coronavirus - Regierung stimmt auf Skivergnügen ohne Après-Ski ein

Die Bundesregierung hat heute einen Ausblick auf den Wintertourismus gegeben und dabei Gäste und Gastgeber auf einen schaumgebremsten Skiurlaub eingestimmt. Advent- und Weihnachtsmärkte sollen stattfinden. Außerdem mahnte der Bundeskanzler zu mehr Vorsicht.

Symbolbild. SN/robert ratzer
Symbolbild.

"Après-Ski wird in diesem Winter nicht wie gewohnt möglich sein", erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die Ansteckungsgefahr sei dabei zu hoch. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger stellte ein Konzept für den Wintertourismus vor:

  • Der Mindestabstand von einem Meter soll beim Anstellen bei Seilbahnen und in der Gastronomie eingehalten werden.
  • Darüber hinaus ist auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Gondeln und Lokalen verpflichtend.
  • Höchstzahlen für Personen pro Gondel wird es keine geben.
  • Der Konsum von Speisen und Getränken darf - auch in Außenbereichen - nur im Sitzen erfolgen.
  • Gruppen sind bis zu einer Anzahl von zehn Personen erlaubt. Eine Durchmischung von Personengruppen - beispielsweise in Skischulen - soll vermieden werden.

Die Tourismusministerin betonte am Donnerstag außerdem, dass es im Wintertourismus um weit mehr als um Wintersport gehe. Dem schloss sich auch Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer an. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) betonte, dass man den Tourismus als Gesamtheit sehen müsse, und nicht ein kleiner Teil des Nachttourismus die ganze Branche gefährden dürfe. Außerdem bedauerte Platter, dass sich zu Beginn der Coronakrise so viele Menschen beim Apres-Ski in Ischgl angesteckt haben. "Es tut mir leid, sehr leid."

Bild: SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Après-Ski wird in diesem Winter nicht wie gewohnt möglich sein.
Sebastian Kurz, Bundeskanzler

Advent- und Weihnachtsmärkte sollen stattfinden

Positive Nachrichten gibt es für die Betreiber von Advent- und Weihnachtsmärkten. Diese sollen trotz steigender Infektionszahlen stattfinden können. Voraussetzung sei laut Köstinger die Vorlage eines Sicherheits- und Präventionskonzepts. So muss der Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden können.

Maximale Sicherheit für Touristen durch Präventionstests

Um Touristen in den Wintermonaten einen sicheren Aufenthalt in Österreich zu gewährleisten, sollen regelmäßig Präventionstests bei Personen, die in der Tourismusbranche tätig sind, durchgeführt werden. Auch Fremdenführer, Reiseleiter und Skilehrer könnten sich Coronatests unterziehen. Der Tourismus sei ein Teil der österreichischen Identität. "Ohne Gäste gibt es keinen Tourismus", erklärte Kurz.

Bundeskanzler Kurz mahnt Bevölkerung zu mehr Vorsicht

Zu Beginn der Pressekonferenz über den Wintertourismus in Österreich richtete Kurz einen Appell an die Bevölkerung. Am Donnerstag wurden über 800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden in Österreich vermeldet, mehr als die Hälfte davon ist in Wien zu verzeichnen. "Es kann sehr schnell gehen, wenn man sich andere Länder ansieht. Hohe Infektionszahlen können zu einem Lockdown führen", sagte Kurz. "Es ist nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern es geht auch um viele Arbeitsplätze. Wir müssen den Anstieg der Infektionszahlen stoppen." Steigende Infektionszahlen könnten laut Kurz auch dazu führen, dass weitere Teile Österreichs von anderen Ländern als Risikogebiete eingestuft werden. Ziel sei es, einen sicheren Wintertourismus zu ermöglichen. Dafür sei die Verringerung der Infektionszahlen die Basis.

Bild: SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Der Wintertourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Österreich.
Elisabeth Köstinger, Tourismusministerin

Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Der Tourismus macht in Österreich laut Bundeskanzler Kurz etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. "Der Wintertourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Österreich", bekräftige Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). In der Wintersaison 2019/20, die frühzeitig durch Corona gestoppt wurde, waren es bis Ende Februar 14,5 Millionen Gäste, die Skiferien in Österreich machten und für 53 Millionen Nächtigungen sorgten. Die Dauer der Wintersaison wird üblicherweise mit November bis April definiert.

Fast 20 Millionen Übernachtungen entfielen auf deutsche Gäste, rund fünf Millionen auf den zweitwichtigsten ausländischen Herkunftsmarkt, die Niederlande.

Für den Vollzeit-Coronawinter erwartet die Branche einen Nächtigungsrückgang in einer Größenordnung von bis zu 30 Prozent. Der Reisekonzern Tui meldete am Dienstag, der Buchungsstand für Winterurlaube liege derzeit um 59 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die Rekordsaison schlechthin war der Winter 2018/2019 - damals verzeichnete Österreich im Winter 72,88 Millionen Nächtigungen (20,39 Millionen Ankünfte).

Regierung erntet Kritik der Opposition

NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn warnte unterdessen angesichts sich häufender Reisewarnungen für die westlichen Bundesländer und die Ankündigungen der Bundesregierung für den Wintertourismus vor den Folgen für die Tourismusbetriebe: "Das sind dramatische Zahlen, die nun auf uns zukommen." Eine Gegenstrategie von der Regierung fehle hingegen, beklagte Schellhorn am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz zur Lage der Kultur: "Das hat man verschlafen wie alles andere."

Auch SPÖ-Kollege Thomas Drozda kritisierte in diesem Zusammenhang die Bundesregierung, hätte diese doch über den gesamten Sommer über Zeit gehabt, sich auf die Lage vorzubereiten: "Aber da wurde herumgewurschtelt und herumgebastelt." Dabei gehe es nicht um politisches Kleingeld für die Opposition: "Ich bin der glücklichste Mensch, wenn diese Problemlage gelöst wird."

Die FPÖ hält das Konzept der Regierung zum Wintertourismus für nebulos. "Diese Ankündigungen sind weder Fisch noch Fleisch und sind 'No na net-Maßnahmen'", kritisierte der freiheitliche Tourismussprecher Gerald Hauser in einer Aussendung.

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Aufgerufen am 24.10.2020 um 11:26 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/coronavirus-regierung-stimmt-auf-skivergnuegen-ohne-apres-ski-ein-93258994

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