Wirtschaft

Coronavirus: Reisebüros sehen keinen Bedarf für Kurzarbeit

Die Lust am Reisen ist vielen Österreichern vergangen. Das Geschäft sei "nahezu zum Erliegen gekommen", sagt WKÖ-Generalsekretär Kopf. Doch die Reisebüro-Branche widerspricht.

Symbolbild. SN/auremar - stock.adobe.com
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Die Wirtschaftskammer bereitet wegen des Ausbruchs des Coronavirus Kurzarbeit in Reisebüros vor. Der zuständige Fachverband sei dazu in Gesprächen mit der Gewerkschaft GPA-djp, sagte WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Das Geschäft der Reisebüros mit österreichweit rund 10.000 Mitarbeitern sei "nahezu zum Erliegen gekommen", Buchungen "dramatisch eingebrochen".

In der Branche haben diese Aussagen Verwunderung und Widerspruch ausgelöst. Die Buchungen für den Winter 2019/20 sowie die Buchungen für die laufende Sommersaison lägen über dem Vorjahr, bestätigen Reiseveranstalter und Reisebüros. Für den Präsidenten des Reiseverbandes (ÖRV), Josef Peterleithner, ist "nicht nachvollziehbar, wie es zu so einer Aussage über die gesamte Branche kommen kann".

Später präzisierte der Fachverbandsgeschäftsführer für die Reisebüros, Thomas Wolf, die Aussagen. Insbesondere das Geschäft mit chinesischen Touristen sei fast zum Erliegen gekommen, es kämen keine Reisegruppen aus China mehr nach Österreich. Auch Busreisen nach Venedig seien betroffen. Und die Gespräche mit der Gewerkschaft über Kurzarbeit seien "eine reine Vorsichtsmaßnahme".


Kurzarbeit als Instrument einer Krise brauche gegenseitiges Einvernehmen, auch mit dem AMS. Man kläre derzeit, ob es sich auch für kleinere Betriebe eigne, erklärte der WKÖ-Arbeitsrechtsexperte Rolf Gleißner. Wenn das geregelt sei, könne die Kurzarbeit in ein oder zwei Wochen umgesetzt werden, sagte Kopf. Ob Kurzarbeit wegen des Coronavirus auch in anderen Branchen Thema sei? "Derzeit nicht", so Kopf. Durch den Ausbruch in Italien sei das wesentlich komplexer geworden, vor allem im Tourismus.

Zudem würden Überbrückungskredite für Unternehmen vorbereitet, die durch das Coronavirus Einbußen erlangten, hieß es bei der Wirtschaftskammer. Abgewickelt werden sollen diese über das Austria-Wirtschaftsservice aws.

TUI von Kurzarbeitsvorstoß überrascht

TUI, der größte Reiseveranstalter des Landes, ist ob des Wirtschaftskammervorstoßes zur Kurzarbeit in Reisebüros ziemlich verdutzt. "Wir haben mit Überraschung festgestellt, dass die WKÖ das gerade verhandelt", sagte TUI-Österreich-Sprecherin Kathrin Limpel am Mittwoch zur APA. Es sei jetzt erst der zweite Tag in den Reisebüros, an dem es so viele Coronavirusfälle gebe.

"Wir hatten in den letzten Jahren schon mehrere Krisen. Wir haben nie am Tag zwei gesagt, jetzt treffen wir so drastische Maßnahmen", so Limpel. Natürlich beobachte man die Entwicklung genau.

Dem Vernehmen nach hat der Reiseriese TUI, der seinen Konzernsitz in Deutschland hat, über die Medien von den Ansagen der WKÖ erfahren. Kammergeneralsekretär Karlheinz Kopf hatte bei einer Pressekonferenz am Vormittag gesagt, der zuständige Fachverband sei in Gesprächen mit der Gewerkschaft über Kurzarbeit, das Geschäft der Reisebüros mit österreichweit rund 10.000 Mitarbeitern sei "nahezu zum Erliegen gekommen", Buchungen "dramatisch eingebrochen".

TUI bestätigt das so nicht. "Es läuft alles ganz normal in den Reisebüros", so die Sprecherin. "Bis zur letzten Woche sind die Buchungen ganz normal gelaufen." Jetzt gebe es natürlich eine Zurückhaltung und der Kundenverkehr sei geringer.

TUI hat in Österreich rund 630 Mitarbeiter und 66 eigene Reisebüros. TUI-Reisen werden aber auch in anderen Reisebüros verkauft.

Auch beim Verkehrsbüro, Österreichs größtem Tourismuskonzern, reagiert man mit Verwunderung auf die Ankündigung. "Wir verstehen diesen Vorstoß nicht, bei uns ist das definitiv kein Thema", sagte Verkehrsbüro-Sprecherin Andrea Hansal zur APA. Man rechne mit einer "gewissen Zurückhaltung" bei Buchungen wegen des Coronavirus, es gebe aber "keinerlei massive Veränderungen" und "keine Grundlage" für etwaige Diskussionen über Kurzarbeit.

Quelle: SN-Hwk, Apa

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