Wirtschaft

Das Leben ist teurer geworden

Obst und Fleisch sind im Juli deutlich teurer geworden, interessanterweise auch Bekleidung, wo es zuletzt hieß, die Nachfrage sei im Keller.

Obst und Fleisch wurden teurer. SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Obst und Fleisch wurden teurer.

Das Leben in Österreich ist wieder etwas teurer geworden. Die Inflation stieg von 1,1 Prozent im Juni auf 1,7 Prozent im Juli.

Allein die Mieten verteuerten sich im Jahresvergleich um 4,1 Prozent. Gemeinsam mit Wasser und Energie kam es hier zu einem Anstieg von 2,3 Prozent. Preistreiber waren auch Restaurants und Hotels (+3,3 Prozent). Die Branche dürfte damit der Empfehlung des Tourismusministeriums gefolgt sein, die Mehrwertsteuersenkung, die Anfang Juli in Kraft trat, als Coronahilfe anzusehen und nicht an die Konsumenten weiterzugeben.

Die Wirte stünden massiv unter Druck, die Umsätze seien mit Ausnahme von Gunstlagen mit Gastgarten deutlich niedriger als im Vorjahr, sagt Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. Satte Preiserhöhungen erwartet er so bald aber nicht. "Zu hohe Preise kurbeln die Nachfrage derzeit auch nicht gerade an."

Kaum Preissteigerungen gab es mit durchschnittlich plus 0,4 Prozent in den Beherbergungsbetrieben. Baumgartner sieht hier die Preise auch wegen coronabedingter Reisestornos eher weiter im Fallen. Massiv leide die Hotellerie in den Städten, in Wien liege die Auslastung wegen des fehlenden internationalen Tourismus bei nur 20 Prozent. "Wenn ich da mehrere Hotels anrufe und verhandle, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich am Ende des Tages 180 Euro bezahle."

Die Krise im Tourismus zeigt sich deutlich auch bei den Preisen für Flugtickets, für die im Juli fast zehn Prozent weniger bezahlt werden musste. Baumgartner: "Flugtickets mit Städtetrips werden einem derzeit quasi nachgeschmissen."

Interessant sind die Preissteigerungen im Textil- und Schuhhandel, wo es zuletzt hieß, die Nachfrage sei im Keller. Für Bekleidung und Schuhe bezahlte man im Juli laut Erhebung der Statistik Austria allerdings durchschnittlich um 3,5 Prozent mehr. Im Juni hatten sie sich noch um 1,7 Prozent verbilligt. Bekleidungsartikel verteuerten sich merklich um 4,1 Prozent, Schuhe kosteten im Schnitt um 2,4 Prozent mehr. Beim österreichischen Handelsverband kann man die Preissteigerung von vier Prozent nicht klar nachvollziehen. "Das kommt uns schon sehr hoch vor", sagt Sprecher Gerald Kühberger. Ein Grund dafür könnte aber sein, dass manche Händler den Schlussverkauf später gestartet hätten als sonst. Im August sollten die Preise deshalb niedriger ausfallen als im Vorjahreszeitraum.

Deutlich mehr Geld kostet der tägliche Einkauf, der sich durchschnittlich um 3,9 Prozent verteuerte und damit höher als die Gesamtinflation lag. Der wöchentliche Einkauf, der auch Sprit miteinberechnet, verbilligte sich um 1,0 Prozent.

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden durchschnittlich um 2,6 Prozent teurer. Fleisch kostete um 4,9 Prozent mehr und Obst um 6,4 Prozent. Die Preise für Milch, Käse und Eier insgesamt stiegen um 2,5 Prozent, jene für Brot und Getreideerzeugnisse um 1,6 Prozent. Gemüse war um 1,5 Prozent teurer. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 2,5 Prozent.

Für Wifo-Ökonomen Baumgartner ist das keine Überraschung. Denn Hersteller müssten derzeit unter erhöhten Sicherheitsauflagen produzieren, dazu kämen zum Teil Personalausfälle wie etwa in der Fleischindustrie. Dazu gab es auch Ernteausfälle, etwa bei der Wachauer Marille. Die Nachfrage nach Lebensmitteln sei gleichzeitig gestiegen. "Und wenn ein geringeres Angebot, das zu höheren Kosten produziert wird, auf eine stärkere Nachfrage trifft, erhöhen sich die Preise."

Doch nicht alles wurde teurer, Am spürbarsten wurde das an den Zapfsäulen: Diesel verbilligte sich im Vergleich zu Juli 2019 um 14,6 Prozent, Superbenzin um 16,7 Prozent. Mobiltelefone kosteten um 9,1 Prozent weniger, die Ausgaben für Telefondienste gingen um 0,7 Prozent zurück.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 26.10.2020 um 08:20 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/das-leben-ist-teurer-geworden-91692118

Schlagzeilen