Wirtschaft

Das neue Jahr bringt eine Konjunkturdelle

Nationalbank nimmt ihre Prognose für 2020 zurück. Langfristig drückt die Überalterung laut Wifo auf die Produktivität und das Wachstum.

Die OeNB rechnet mit weniger Wachstum SN/APA/HANS PUNZ
Die OeNB rechnet mit weniger Wachstum

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat die Prognose für das Wirtschaftswachstum in Österreich im nächsten Jahr stark reduziert. Statt des noch im Juni erwarteten Anstiegs von 1,6 Prozent soll die Wirtschaftsleistung 2020 nur mehr um 1,1 Prozent wachsen. Die OeNB-Experten erklären die Revision mit der internationalen Abkühlung der Konjunktur, der sich Österreich nicht entziehen könne. Besonders von der Abschwächung betroffen sei die exportorientierte heimische Industrie. Unterstützend wirke dagegen die gute Binnennachfrage - vor allem im Konsum und in der Bauwirtschaft.

Der exponierte Sektor der österreichischen Wirtschaft bekomme die Folgen des rückläufigen Welthandels sowie der schwachen Industrieproduktion in Deutschland besonders stark zu spüren. Mit nur plus 1,7 Prozent werde das Wachstum der realen Exporte 2020 seinen bisherigen Tiefpunkt erreichen.

Das heurige Jahr geht hingegen noch mit einem kräftigen Plus zu Ende. Die OeNB-Ökonomen erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt 2019 um 1,6 Prozent steigen wird. Die Prognose liegt damit geringfügig über der vom Juni, da waren plus 1,5 Prozent erwartet worden.

Nach der zwischenzeitlichen Delle im kommenden Jahr rechnet die Notenbank für die darauffolgenden Jahre 2021 und 2022 aber wieder mit einem höheren Wirtschaftswachstum. 2021 soll das BIP um 1,5 Prozent steigen, im Jahr darauf dann um 1,6 Prozent.

Robert Holzmann. SN/APA/HANS PUNZ
Robert Holzmann.

Langfristig bietet sich laut einer Studie, die das Institut für Wirtschaftsforschung für die Bertelsmann-Stiftung erstellt hat, ein wenig erfreuliches Bild. Demnach wird sich die anhaltende Überalterung der Bevölkerung negativ auf Produktivität und Wirtschaftswachstum auswirken. In Österreich werde der demografische Wandel dazu führen, dass das BIP 2040 um 4200 Euro pro Kopf oder 2,7 Mrd. Euro geringer ausfallen werde als unter der Annahme einer konstanten, nicht alternden Bevölkerung, heißt es in der am Freitag publizierten Studie. Aktuell liegt das BIP pro Kopf in Österreich bei knapp 40.000 Euro.

Die Ökonomen gehen davon aus, dass es in den nächsten Dekaden verhältnismäßig weniger Personen im erwerbsfähigen Alter geben wird als Personen im Pensionsalter. Laut Wifo-Ökonom Thomas Url wird der Anteil älterer Menschen (von 55 bis 64 Jahren) an der Erwerbsbevölkerung zunehmen. Da die Produktivität des Menschen mit etwa 50 Jahren ihren Höhepunkt erreiche und danach langsam zurückgehe, drücke das die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität.

Investitionen in den technischen Fortschritt könnten diesen negativen Effekt ausgleichen. Allerdings müsste Österreich dafür seine Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnologie und Software bis 2040 deutlich erhöhen. Laut Url müssten sich öffentliche und private Investitionen von derzeit 12,3 Mrd. Euro bis 2040 verdoppeln. Es gehe aber nicht nur um mehr, sondern auch andere Investitionen. Sei es bisher um das Optimieren von Produktionsabläufen und das Entwickeln neuer Produkte gegangen, seien künftig vor allem Ausgaben für eine flächendeckende und moderne digitale Infrastruktur nötig.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 27.01.2021 um 02:10 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/das-neue-jahr-bringt-eine-konjunkturdelle-80612584

Kommentare

Schlagzeilen