Wirtschaft

Der harte Kampf um Europas Luftraum

Laudamotion-Geschäftsführer Gruber: "Brauchen keinen Plan B". Ab Winter 30 Ziele ab Wien, jeden Mittwoch Tickets ab 9,99 Euro.

Andreas Gruber leitet als Geschäftsführer zusammen mit Niki Lauda den jungen Ferienflieger Laudamotion. Lauda hatte zu Jahresbeginn den Zuschlag für die Flugrechte der insolventen Niki erhalten, die Lufthansa muss ihm die bereits angekauften Niki-Flugzeuge verleasen.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Andreas Gruber leitet als Geschäftsführer zusammen mit Niki Lauda den jungen Ferienflieger Laudamotion. Lauda hatte zu Jahresbeginn den Zuschlag für die Flugrechte der insolventen Niki erhalten, die Lufthansa muss ihm die bereits angekauften Niki-Flugzeuge verleasen.

Niki Laudas Airline Laudamotion sieht sich als Spielball im Kampf zwischen der deutschen Lufthansa und dem Partner Ryanair um die Lufthoheit über Europa. Der gerade aufgebrochene Konflikt um neun Flugzeuge, die Lufthansa auf Druck der EU-Wettbewerbshüter an Laudamotion vermietet, ist da nur die Spitze des Eisbergs, wenn auch besonders symbolträchtig.

Denn der schlagartige Wegfall der neun Boeing 737, die Lufthansa an Laudamotion verleast, würde eine Halbierung der Flotte von aktuell 19 Flugzeugen bedeuten. Das könnte die Airline bedrohen, die dann nicht mehr die Start- und Landerechte auf bestimmte Strecken wahrnehmen könnte, hatte Ryanair am Freitag erklärt. Die irische Airline mit der Harfe im Logo ist der größte Billigflieger Europas und erbitterter Rivale von Lufthansa, deren Symbol der Kranich ist.

Am Montag schwächt Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber diese Darstellung etwas ab. Die Lage sei nicht existenzbedrohlich, aber "natürlich lästig". Mitbewerber - gemeint die Lufthansa - "versuchen mit allen Mitteln uns aus dem Markt zu drängen". Weil das nicht gelingen werde, will er will gar nicht laut über einen "Plan B" für den Notfall nachdenken. Denn "es geht im Endeffekt nicht um die kleine Laudamotion".

Seit Jahren liefern sich die AUA-Mutter Lufthansa mit Ryanair einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft am Himmel über Europa. Just am Tag, nachdem die EU-Kommission die Aufstockung des Ryanair-Anteils an Laudamotion von 24,9 auf 75 Prozent genehmigt hatte, attackierte Ryanair die Lufthansa, indem sie die bereits vor einiger Zeit erfolgte Kündigung des Leasingvertrags mit Lufthansa öffentlich machte. Die als Begründung angeführte wiederholte Nichtbezahlung der Leasing-Gebühren bestreitet Gruber vehement: "Wir haben alle Rechnungen bezahlt, fristgemäß und im Vorfeld". Säumig sei vielmehr die Lufthansa, sie schulde Laudamotion Leasinggebühren über 1,5 Mill. Euro, die zuvor Flugzeuge an die Lufthsansa-Tochter Eurowings verleast hatte. Zudem seien zwei vereinbarte Flugzeuge ausständig. Lufthtansa umgehe damit de facto die Entscheidung der Wettbewerbsbehörden. Diese hatten sich im Herbst 2017 gegen die komplette Übernahme der insolventen Air Berlin quergelegt, um eine Marktdominanz zu verhindern.

Über dem Streit droht unterzugehen, was Laudamotion eigentlich mitteilen wollte: Dass die junge Airline im nächsten Winter ihre Spanien-Verbindungen verstärkt. In Summe soll es dann 30 Destinationen ab Wien geben, darunter neu 4 Mal wöchentlich Valencia und verstärkt Barcelona (12 Mal die Woche). Seit März habe Laudamotion bereits 2 Millionen Tickets verkauft, die Auslastung liege bei 88 Prozent. Allein im Sommer will man 2,6 Millionen Passagiere an Ferienziele befördern, den Großteil davon ans Drehkreuz Palma de Mallorca. Und um den Preiswettkampf ab Wien weiter anzufeuern, wirft man jeden Mittwoch Tickets zum Kampfpreis ab 9,99 Euro auf den Markt.

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