Österreich

Der Verbund-Nettogewinn hat sich 2016 verdoppelt

Der führende heimische Stromkonzern Verbund hat voriges Jahr dank einiger Sondereffekte den Nettogewinn wie geplant mehr als verdoppelt und auch operativ deutlich besser verdient.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber kann zufrieden sein.  SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber kann zufrieden sein.

Unterm Strich verdiente der Verbund mit 424 Millionen Euro um 104 Prozent mehr, bereinigt betrug das Plus noch immer 21 Prozent auf 326 Millionen Euro. Als Dividende sind 29 Cent je Aktie geplant, nach 35 Cent/Aktie für 2015.

Mit dem Nettogewinn und einem EBITDA von 1,044 Milliarden Euro (+17,5 Prozent) hat der Verbund seine zuletzt kurz vor Weihnachten erneut angehobene Ergebnisprognose leicht übertroffen und auch die Analystenerwartungen erfüllt.

Bereinigt um Einmaleffekte stieg das EBITDA trotz marktbedingt weiter gesunkener Absatzpreise um 6,6 Prozent auf 895 Millionen Euro, wie der Verbund Mittwochfrüh vor dem Bilanzpressegespräch mitteilte.

Die geplante Ausschüttung von 0,29 Euro je Aktie - befinden soll darüber die HV am 5. April - entspricht 30,9 Prozent Ausschüttungsquote bezogen aufs bereinigte Konzernergebnis.



Video: Die Verbund-Bilanz

Für 2017 gibt sich der Verbund im Ausblick mit einem EBITDA-Ziel von rund 800 Millionen Euro und einem angepeilten Konzernergebnis von rund 280 Millionen Euro - auf Basis einer durchschnittlichen Wasser- und Windkraft-Eigenerzeugung - bescheiden.

Ergebnisverbessernd ausgewirkt haben sich 2016 neben einer besseren Wasserführung die Bereinigung zweier offener Mellach-Punkte als Einmaleffekte sowie die Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen, bessere Ergebnisse im thermischen Bereich, ein höheres Netz-Ergebnis sowie eine Reduktion im Zinsaufwand.

Zuletzt einigte sich der Verbund mit der Energie Steiermark über offene Themen zur Fernwärme-Lieferung aus dem Steinkohlekraftwerk Mellach, davor war man sich bereits mit der OMV-Tochter EconGas zu Mellach-Gaslieferungen für das Kombikraftwerk handelseins geworden.

Der wesentlichste negative Einmaleffekt b etraf die Wertminderung der Windparks in Rumänien.

Der Wasserkraft-Erzeugungskoeffizient des Stromkonzerns lag 2016 mit 1,00 genau am langjährigen Mittel, 2015 hatte er lediglich 0,93 Prozent betragen. Der Stromabsatz des Konzerns kletterte voriges Jahr auf 55.189 (51.375) Gigawattstunden, ein Plus von 7,4 Prozent, geht aus dem Geschäftsbericht von Mittwoch hervor.

Die Umsatzerlöse des Konzerns gingen um 5,9 Prozent auf 2,796 Milliarden Euro zurück, die von der APA befragten Analysten hatten im Mittel 2,94 Milliarden Euro erwartet.

Die Verbund-Aktien eröffneten am Mittwoch an der Wiener Börse spürbar schwächer. Nach einer Viertelstunde standen sie mit 16,1 Euro um 1,89 Prozent tiefer, der ATX war zu dem Zeitpunkt unverändert.

Der Absatz an Endkunden wuchs um 25,8 Prozent auf 11.255 Gigawattstunden , jener an Weiterverteiler um 6,5 Prozent auf 25.906 Gigawattstunden . Die Zahl seiner Endkunden gibt der Verbund für 2016 mit 392.000 an, nach 364.000 im Jahr 2015 und 325.000 im Jahr 2014.

An Händler wurde 2016 mit 18.028 Gigawattstunden um 0,5 Prozent weniger Strom abgegeben. Mehr als die Hälfte des Stroms (53 Prozent) setzte der Verbund mit 29.107 Gigawattstunden (+6,4 Prozent) in Österreich ab, gefolgt von 21.394 Gigawattstunden (+9,0 Prozent) in Deutschland und 3.847 Gigawattstunden (+5,6 Prozent) in Frankreich.

Die Stromerlöse des Verbund sanken 2016 um 122,6 Millionen Euro auf 2,214 Milliarden Euro. Dafür werden die im weiter gesunkenen Strom-Großhandelspreise verantwortlich gemacht. Die durchschnittlichen Absatzpreise fielen laut Geschäftsbericht von 35,0 auf 31,0 Euro je Megawattstunde (MWh).

Bei der Stromaufbringung verzeichnete der Verbund einen Zuwachs um 6,5 Prozent auf 58.855 Gigawattstunden , davon entfielen 31.995 Gigawattstunden (+2,4 Prozent) auf die Eigenerzeugung, der Rest auf Fremdbezug Handel & Vertrieb sowie Fremdbezug Verlust- und Regelenergie. Bei der Eigenerzeugung gab es bei Elektrizität aus Wasserkraft ein Plus von 6,1 Prozent auf 29.809 Gigawattstunden (inkl. Bezugsrechte), bei Wärmekraft stand mit 1.351 Gigawattstunden ein Minus von 40,2 Prozent, bei Windkraft ein Rückgang um 5,4 Prozent auf 836 Gigawattstunden .

Die Netzerlöse sanken 2016 um 44,6 Millionen auf 395,0 Millionen Euro - vor allem durch den Wegfall einmaliger positiver Ergebnisbeiträge aus Rückstellungsauflösungen. Die sonstigen Erlöse sanken um 6,6 Millionen auf 187,0 Millionen Euro; höheren Erlösen aus Fernwärmelieferungen standen weniger Erlöse aus Consulting- und Projektierungsleistungen bzw. sonstigen Leistungsverrechnungen sowie geringere Erlöse aus Gaslieferungen gegenüber. Die sonstigen betrieblichen Erträge stiegen um 108,5 Millionen auf 179,0 Millionen Euro. Der Ertrag aus der Bereinigung offener Themen zwischen Verbund und EconGas zu Gaslieferungen für das Gas-Kombikraftwerk Mellach betrug 118,0 Millionen Euro.

Die Aufwendungen für Strom-, Netz-, Gas- und Zertifikatebezug sanken um 87,7 Millionen auf 1,328 Milliarden Euro. Der Fremdstrombezug für das Handels- und Vertriebsgeschäft sowie für die Verlust- und Regelenergie wuchs um 2.862 Gigawattstunden . Dieser mengenmäßige Anstieg wurde jedoch durch gesunkene Beschaffungspreise kompensiert. Die Aufwendungen für den Strombezug sanken daher um 146,2 Millionen Euro. Die Aufwendungen für Netzbezug stiegen um 70,7 Millionen Euro, die Aufwendungen für den Gasbezug sanken um 14,8 Millionen Euro.

Der betriebswirtschaftliche Personalstand verringerte sich weiter von 3.089 auf 2.923. Der Personalaufwand sank um 19,3 Millionen auf 313,6 Millionen Euro. Die Reduktion im aktiven Personalaufwand um 13,3 Millionen Euro ergab sich "im Wesentlichen aus der konsequenten Umsetzung personalwirtschaftlicher Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm (+10,7 Millionen Euro)", wie es heißt.

Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen sanken um 20,7 Millionen auf 339,3 Millionen Euro. Die Wertminderungen von 90,8 (2015: 118,0) Millionen Euro stammten primär aus der Wertminderung der Windparks in Rumänien von 57,2 (5,3) Millionen Euro, der Laufwasserkraftwerke Gössendorf und Kalsdorf von 16,5 Millionen Euro und des Gas-Kombikraftwerks Mellach 15,5 (112,6) Millionen Euro.

Der Nettoverschuldungsgrad (Gearing) verbesserte sich 2016 von 67,8 auf 58,3 Prozent, das Eigenkapital stieg um 1,8 Prozent auf 5,530 Milliarden Euro.

Quelle: APA

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