Wirtschaft

Deutlicher Anstieg bei Privatinsolvenzen

Die Anzahl von Firmeninsolvenzen hat im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zur Vorjahresperiode hochgerechnet stagniert. Erwartet wurden 2.595 (+0,8 Prozent), eröffnet wurden mit 1.535 praktisch gleich viel wie voriges Jahr mit 1.531. Privatinsolvenzen gab es hingegen wegen neuer Insolvenzregeln wie erwartet viel mehr. So wurden mit 5.519 um 86 Prozent mehr Schuldenregulierungsverfahren eröffnet.

Kaum Anstieg bei Firmenpleiten SN/apa (dpa)
Kaum Anstieg bei Firmenpleiten

"Da werden Sie sich denken 'na bumm', schließlich haben sich auch die Verbindlichkeiten mit einem Plus von 213 Prozent sogar mehr als mehr als verdreifacht", sagte KSV-1870-Experte Hans-Georg Kantner zu den Privatinsolvenzzahlen am Dienstag vor Journalisten in Wien. "Dieser 'Rums' ist aber zu relativieren", sagte der Fachmann, denn 2017 gab es aufgrund des Bekanntwerdens neu geplanter Regelungen respektive Vereinfachungen beim Privatkonkurs eine starke Zurückhaltung bei den Anträgen, erinnerte Kantner. Vor allem auch ehemalige Unternehmer mit besonders hohen Schulden dürften sich zurückgehalten haben und nun für die immensen Zuwächse sorgen.

"Im Vergleich zum Normaljahr 2016 stiegen die Privatinsolvenzanträge um lediglich 20 Prozent", erklärte der KSV-Fachmann. Er hat auch das arithmetische Mittel der Anträge aus 2017 und 2018 und mit 2016 verglichen: "So gerechnet gab es nur um 15 Anträge mehr", sagte Kantner. "Das heißt im Klartext, dass es im ersten Halbjahr heuer einen reinen Nachholeffekt aufs erste Halbjahr 20117 gab." Insgesamt sinke die Zahl der Privatkonkurse seit 2012.

Mit der höheren Zahl an Verfahren explodierten die Verbindlichkeiten der Privatschuldner. Sie nahmen um 213 Prozent auf 1,07 Mrd. Euro zu. "Schuld" daran sind mehr Ex-Unternehmer, die den Schritt in die Privatinsolvenz antraten, für rund 30 Prozent der Privatpleiten verantwortlich sind, und durchschnittlich deutlich höhere Schulden haben als Konsumschuldner, die keine Unternehmer waren. Die Reform des Privatinsolvenzrechts bezeichnete Kantner einmal mehr als "Rohrkrepierer", der zu einem Mehraufwand und schwierigeren Verfahren für alle - Gerichte, Schuldner, Gläubigerschützer - führe.

Mit den 1,07 Mrd. Euro an Verbindlichkeiten übersteigen die Privatpassiva die Passiva aus den Firmenpleiten, die laut der KSV-Hochrechnung für das erste Halbjahr um 38 Prozent auf 921 Mio. Euro gestiegen sind. Die Firmenpleiten sorgten heuer im ersten Halbjahr auch für viel mehr betroffene Dienstnehmer. Deren Zahl stieg fast um die Hälfte auf 10.700 Mitarbeiter. Größte Firmenpleite war heuer bisher die von Niki (153 Mio. Euro), gefolgt von der Wienwert-Gruppe (71,1 Mio. Euro) und Fill Metallbau (42,4 Mio. Euro). Der Privatschuldner mit den größten Außenständen ist ein ehemaliger Geigenhändler mit 42,4 Mio. Euro Schulden.

Bei den Firmeninsolvenzen geht Kantner davon aus, dass diese heuer auf dem Vorjahresniveau bei knapp mehr als 5.000 bleiben. Bei den Privatpleiten rechnet Kantner mit 9.500 bis 10.000 - aber alles ist relativ: "Wir hatten auch schon einmal 12.000 in einem Jahr."

Quelle: APA

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