Wirtschaft

Deutlicher Rückgang bei Kurzarbeit in Österreich

Zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Coronakrise liegt die Zahl der Kurzarbeiter in Österreich wieder unter einer Million. Aktuell befinden sich noch 812.745 Menschen in Kurzarbeit, berichtete Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Dienstag. Damit sind rund 326.000 Personen weniger in Kurzarbeit als in der Vorwoche. Mehr als 470.000 Menschen sind derzeit auf Jobsuche.

Zahl der Kurzarbeiter fällt unter 1 Million SN/APA/BARBARA GINDL
Zahl der Kurzarbeiter fällt unter 1 Million

Aschbacher begründete den Rückgang bei der Kurzarbeit mit vergleichsweise wenigen Verlängerungsanträgen. Erst 17.000 der insgesamt 110.000 Firmen haben die Kurzarbeit für weitere drei Monate beantragt. Für Verlängerungsanträge sei noch eine Woche Zeit, so Aschbacher.

Auch die Arbeitslosenzahlen gehen weiter zurück. Derzeit sind 422.765 Personen beim AMS arbeitslos gemeldet und 47.611 Personen befinden sich in Schulung. In Summe sind das 470.376 und 10.520 weniger als in der Vorwoche.

WKÖ-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) will sich unterdessen in den Verhandlungen zu einem neuen Corona-Kurzarbeitsmodell nicht auf eine Debatte über eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden einlassen. "Ich spreche mich dezidiert und klar gegen jegliche Form der Arbeitszeitverkürzung aus." Die Gewerkschaft GPA forderte indes in gewissen Fällen eine geförderte Arbeitszeitverkürzung.

"Wir verhandeln sozialpartnerschaftlich ein Kurzarbeitsmodell, nicht aber ein Arbeitszeit-Verkürzungsmodell", sagte Mahrer. Das neue Modell müsse in den Herbst und Winter hinein weiterreichen und müsse "unbürokratischer, fairer und einfacher als jetzt" werden, so der Präsident der Wirtschaftskammer (WKÖ) am Dienstag in Wien. Es solle nur bezahlt werden müssen, was auch tatsächlich gearbeitet werde.

"Es ist nicht die Zeit, um über eine Arbeitszeitverkürzung nachzudenken. Es braucht ein rundes Paket mit Qualifikationsmaßnahmen, mehr Mobilität am Arbeitsmarkt und grundsätzlich müssen möglichst Viele aus der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit in die Vollbeschäftigung kommen", so Mahrer. Die Prognosen zeigten, dass die Produktion im dritten und im vierten Quartal aber auch darüber hinaus im Winter zum Teil schwach werden könnte, etwa im Anlagenbau, wo große Projekte abgearbeitet werden und es danach womöglich an neuen fehle. "Es wird wohl einen Rückgang geben."

Die GPA-djp stellte zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hingegen das "Modell 90 für 80" vor. Dabei soll die Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert werden. Das Gehalt reduziert sich allerdings nur auf 90 Prozent. Die Differenz soll vier Jahre lang das AMS tragen, um den Einstieg in die Arbeitszeitverkürzung zu attraktivieren. Voraussetzung sei, dass für die freiwerdende Zeit eine neue Arbeitskraft aufgenommen wird. Das Modell soll freiwillig sein, die betreffenden Arbeitnehmer sollen zustimmen müssen, so die Gewerkschaft am Dienstag in einer Aussendung.

"Das Modell '90 für 80' macht es möglich, dass vier Beschäftigte auf eine Vier-Tage-Woche umstellen und für die freiwerdende Zeit eine zuvor arbeitslose Person angestellt wird. Das kommt dem Wunsch vieler Beschäftigter nach kürzeren Arbeitszeiten nach und bekämpft die Arbeitslosigkeit", so GPA-djp-Chefin Barbara Teiber. Auch Arbeitgeber profitierten von diesem Modell. "Zahlreiche Studien zeigen, dass kürzere Arbeitszeiten die Produktivität steigern", so Teiber.

Das Modell "90 für 80" ist eine Weiterentwicklung des bereits bestehenden Solidaritätsprämienmodells. Es dient zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Parallel setzt sich die GPA-djp weiterhin für ein weiteres Kurzarbeitsmodell ein, das in Unternehmen, die von der Krise hart getroffen wurden, Beschäftigung sichert. Dieses dürfe zu keinen Verschlechterungen für Arbeitnehmer im Vergleich zum jetzigen Modell führen.

Quelle: APA

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