Wirtschaft

Die Anlagechancen für 2019 sind dünn gesät

Was prägt die Finanzmärkte im nächsten Jahr? Sind die Jubeljahre an den Börsen vorbei? Wann wird Sparen wieder Zinsen bringen? Die wichtigsten Faktoren im Überblick.

Symbolbild. SN/stock.adobe.com
Symbolbild.

Nerven wie Drahtseile sind eine wesentliche Voraussetzung für all jene, die Geld oder Vermögenswerte möglichst sinnvoll, also ertragreich, veranlagen wollen. Im ausklingenden Jahr 2018 war Krisenfestigkeit noch mehr gefragt als normalerweise. Und einiges deutet darauf hin, dass sich das auch 2019 so fortsetzen wird. Die SN werfen einen Blick auf die wichtigsten Faktoren, die das kommende Jahr an den Märkten bestimmen werden.

Rolle der Politik

"Politische Börsen haben kurze Beine" lautet eine alte Börsenweisheit. So oft sie in der Vergangenheit auch ihre Berechtigung gehabt haben mag: Das abgelaufene Jahr hat sie kräftig widerlegt. Denn ein politisches Ereignis jagte das nächste - und die Börsen torkelten mit. Ob der von den USA ausgelöste Handelskonflikt mit China und der Türkei, der wechselvolle Verlauf der Brexit-Verhandlungen, die Sanktionen gegen den Iran und gegen Russland, der Budgetkonflikt der italienischen Regierung mit der EU, die französische Protestbewegung der Gelbjacken oder zuletzt der teilweise Stillstand der US-Regierungsgeschäfte ("Shutdown"). Doch die ungewöhnliche Häufung "politischer Sperrfeuer wird sich auch 2019 nicht auflösen", erwartet Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek.

Starke Wirtschaft

Dabei ginge es der Wirtschaft für sich genommen gar nicht schlecht. Die großen Unternehmen rund um den Erdball schreiben großteils weiter deutliche Gewinne, wenn auch zum Teil nicht mehr in ganz so schwindelerregenden Größenordnungen von 20 Prozent und mehr. Ein gutes Beispiel liefert Europas Konjunkturlokomotive Deutschland. Dort zeigt der monatlich erhobene Ifo-Index eine auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren abgeschwächte Zukunftseinschätzung bei 9000 befragten Unternehmen. Allerdings erfolgt diese Eintrübung von einem exzellenten Niveau: Noch im Sommer hatten die Unternehmen ihre Lage so gut wie nie eingeschätzt. Und auch der Gewinn der 30 im DAX-Index gelisteten Unternehmen fiel im ersten Halbjahr 2018 mit zusammen 90 Mrd. Euro so hoch aus wie nie zuvor.

EU, USA, China

Die recht unterschiedliche Entwicklung der großen Wirtschaftsräume wird sich auch 2019 weiter fortsetzen - und wohl noch vergrößern. Thomas Steinberger, Geschäftsführer von Spängler Iqam Invest, bringt es so auf den Punkt: "Einem starken Wachstum in den USA steht eine erwartete Abschwächung in China und eine schwache Nachfrage in Europa gegenüber." Anders gesagt: Während die US-Wirtschaft läuft wie geschmiert, könnten gleich mehrere Faktoren Europas ohnehin holpernder Wirtschaft Sand ins Getriebe streuen. Das Risiko ist hoch, dass Themen wie der italienische Budgetstreit wieder aufpoppen. Dazu könnten neue Problemfelder kommen. So würde eine weitere Bonitätsabschwächung Italien wohl an den Rand der Insolvenz bringen, zudem könnten Neuwahlen die Unsicherheit vertiefen. Und das Thema Brexit ist wohl auch nicht mit dem fixierten Datum Ende März ein für alle Mal von der Tagesordnung.

Und die Zinsen?

Während in den USA die Notenbank Federal Reserve aufgrund der starken Konjunkturentwicklung vor Weihnachten zum vierten Mal in diesem Jahr die Zinsen erhöht hat, lässt sich die Europäische Zentralbank mit einem solchen Schritt noch Zeit - nach übereinstimmender Einschätzung mindestens bis in die zweite Jahreshälfte 2019. Damit dürften die Einlagezinsen in Europa bis auf Weiteres nicht über null gehen. Das heißt, allein mit Einlagezinsen wird in Europa auch weiterhin nichts zu verdienen sein. Im Gegenteil könnte der reale Wertverlust bei einer gewöhnlichen Spareinlage sogar noch größer werden, wenn die Inflation in Österreich - wie von Wirtschaftsforschern erwartet - tendenziell eher noch leicht zulegt.

Alternativlos

Die erwartete Zinsentwicklung bietet für Anleger ebenso wenig Anreiz zum größeren Einstieg wie die klassische Krisen- und Fluchtwährung Gold, die im abgelaufenen Jahr 2018 die Erwartungen nicht erfüllt hat. Die reale Rendite ausfallsrisikoloser Staatsanleihen im Euro werde weiter klar negativ bleiben, ist man bei Spängler Iqam Invest überzeugt.
Unter dem Strich blieben somit für Anleger, die einen längerfristigen Vermögensanstieg anpeilen, am ehesten die Aktienmärkte eine Option. Freilich braucht man auch hier starke Nerven. Das könnte vor allem für die zweite Jahreshälfte gelten, wo eine konjunkturelle Abkühlung und tendenziell fallende Kurse erwartet werden. In den USA könnte die "längste Aktienhausse aller Zeiten" zu Ende gehen, erwartet das Beratungsunternehmen Sentix. Und "mit Blick auf das Jahr 2019 sind wir eher vorsichtig", sagt auch Vermögensverwalter Comgest. Man habe mehrere Positionen zurückgefahren. Bei sorgfältiger Selektion könnten sich aber durchaus neue Chancen auftun - wie etwa bei zuletzt unter Druck geratenen Basiskonsumgüteranbietern wie Unilever oder Church & Dwight.

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