Wirtschaft

Die fetten Jahre sind vorbei - Wirtschaft wächst schwächer

Wirtschaftsforscher beruhigen: Das deutlich schwächere Wirtschaftswachstum sei durch eine starke Inlandsnachrage gut abgesichert. Aber die Risken steigen - und die Arbeitslosigkeit auch.

Die wirtschaftliche Dynamik in Österreich lässt nach, aber eine Rezession ist nicht in Sicht, sagen Wirtschaftsforscher.  SN/dpa
Die wirtschaftliche Dynamik in Österreich lässt nach, aber eine Rezession ist nicht in Sicht, sagen Wirtschaftsforscher.


Die fetten Jahre sind vorbei, aber es gibt eine sanfte Landung - so ähnlich könnte man den wirtschaftlichen Ausblick in Österreich für dieses und nächstes Jahr zusammenfassen. Als Ursachen für die deutlich abkühlende Konjunktur nennen Ökonomen des Instituts für Höhere Studien (IHS) und des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) an erster Stelle negative Impulse aus dem Ausland. Eine allgemeine Schwäche der Weltwirtschaft gehört ebenso dazu wie handelspolitische Verwerfungen, etwa der Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Das eingetrübte Umfeld ist dafür verantwortlich, dass der Export als wichtige Stütze für die heimische Wirtschaft schwächelt. Zugleich erweist sich aber der anhaltend hohe private Konsum als Stabilitätsanker für die heimischen Unternehmen.

Unter dem Strich heißt das, dass die heimische Wirtschaftsleistung, ausgedrückt im Bruttoinlandsprodukt (BIP), nach plus 2,7 Prozent im Vorjahr heuer lediglich um 1,7 (Wifo) bis 1,5 (IHS) Prozent wachsen wird. Für 2020 wird keine wesentliche Veränderung erwartet, beim Wifo zeigt der Pfeil leicht nach unten (1,5 Prozent), beim IHS leicht nach oben (1,6 Prozent).

Auch diese Konjunkturprognose versuchen die Wirtschaftsforscher in griffige Bilder zu verpacken. IHS-Chef Martin Kocher spricht bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose von einem stockenden Stop-and-go-Verlauf wie im Autoverkehr. Das erste Quartal 2019 sei unerwartet stark (+0,4 Prozent auf Jahresbasis) verlaufen, bevor das zweite auf 0,1 bis 0,2 Prozent zusammenschrumpfte. Wifo-Chef Christoph Badelt sagt, "die Wirtschaft macht das, was man sich beim Wetter wünscht: eine Abkühlung". Es gebe aber "keinerlei Hinweise auf eine Rezession" und auch "keinen Grund für Panik oder Alarmismus".

Ein Blick auf die wichtigsten Einflussfaktoren zeigt, woher der Wind für die Abkühlung bläst: Während der private Konsum heuer und nächstes Jahr stabil in einer Bandbreite von plus/minus 0,1 Prozent um den Vorjahreswert von +1,6 Prozent oszilliert, sind die Warenexporte von 5,0 Prozent (2018) je nach Institut auf 2,5 (Wifo) oder 2,1 Prozent (IHS) eingebrochen. Für 2020 sehen beide wieder ein Plus um drei Prozent in Reichweite.

Aber die Risken seien gestiegen, sie reichen von der anhaltenden Unsicherheit über den für Oktober angesetzten Brexit über neue Handelskonflikte bis zur Auseinandersetzung Italiens mit der EU über die Schulden des Landes.

Als Folge der schwächeren Konjunktur zeichnet sich bei der seit Jahren sinkenden Arbeitslosigkeit eine Trendwende ab. Die für heuer übereinstimmend bei 7,4 Prozent gesehene Arbeitslosenquote (nach 7,7 und 8,5 Prozent für 2018 und 2017) dürfte einen Tiefpunkt erreicht haben und künftig wieder steigen. Hier gebe es Handlungsbedarf für eine künftige Bundesregierung, diese werde in Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit investieren müssen.

Die Wirtschaftsforscher warnen vor Begehrlichkeiten angesichts des Budgetüberschusses, ein "negatives Paradebeispiel dafür" ist für Kocher die Anhebung des Pflegegeldes, die 58 Millionen Euro kosten soll. Badelt macht Sorge, dass hier schon Geld ausgegeben werde, bevor das Gesamtpaket zur Pflege beschlossen sei. "Das erinnert an die Abschaffung des Pflegeregresses."

Dass Ratingagenturen die Bonität Österreichs herunterstufen könnten, sehen die Experten nicht. Die Eckdaten böten dazu keinen Anlass. Regierungskrisen kämen überall vor, sagt Badelt. Man müsse die Kirche im Dorf lassen, eine solche Maßnahme "wäre nicht rational".

Aufgerufen am 22.11.2019 um 11:31 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/die-fetten-jahre-sind-vorbei-wirtschaft-waechst-schwaecher-72593452

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