Die Migrantinnen gehören in die erste Reihe

Frauen und Mütter unter den Migranten haben in der Integration eine vielfache, aber oft noch unterschätzte Wirkung. Stärken wir sie.

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Standpunkt Birgitta Schörghofer

Das Bild des Flüchtlings, das viele vor Augen haben, ist männlich und jung. Dabei sind laut der UNO-Flüchtlingshilfe mindestens 50 Prozent aller Flüchtlinge Frauen und Mädchen. Auch in Österreich ist ein Viertel der Personen in einem Asylverfahren weiblich. Ihnen Arbeit zu verschaffen, ihre Potenziale zu erkennen und sie zu fördern, um ein aktiver Teil der österreichischen Gesellschaft zu werden, darf nicht vergessen werden. Es sollte vielmehr zu den Prioritäten zählen.

Frauen und Müttern aus anderen Kulturkreisen in der heimischen Arbeitswelt einen Platz zu geben ist vielleicht die effektivste und günstigste Maßnahme gegen eine Ghettobildung. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass sich eine türkische Parallelwelt in Österreich gerade auch deshalb so stark etablieren konnte, weil die Mütter zum großen Teil zu Hause blieben. Das sorgte nicht nur für ein sprachliches Defizit bei den Frauen wie Kindern, an dem noch heute viele knabbern - vor allem in den Schulen weiß man davon ein Klagelied zu singen. Es wurde lange Zeit auch als praktisch angesehen, dass sich die Gastarbeiterfamilien in einer Parallelwelt organisierten, so lange, wie man frei von Vorurteilen nebeneinanderher lebte. Man muss leider sagen: Das ist vorbei.

Ohne Frauen und Mütter können Integration und das Leben in einer diversen Gesellschaft nicht funktionieren. Frauen zu stärken muss deshalb - und gerade auch - für andere Kulturkreise gelten, in denen Frauenrechte zum Teil noch weit entfernt sind von dem, was in westlichen Ländern gelebte Praxis ist.

Wie das funktionieren kann, zeigt ein Projekt der Caritas, das in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark umgesetzt wird. Es hilft Frauen, in der österreichischen Arbeitswelt Fuß zu fassen. Sie werden bei ihrem Einstieg in den Job begleitet und aufgeklärt über ihre Möglichkeiten, aber auch Rechte und Pflichten. Gleichzeitig werden die heimischen Unternehmen, in denen die Frauen arbeiten, bis zu ein halbes Jahr lang begleitet. Es wird an einer Konfliktkultur in den Betrieben gearbeitet, es werden Missverständnisse unter Kollegen aus dem Weg geräumt und Vorurteile abgebaut. Mit dem Ziel, dass beide Seiten, Migrantinnen wie Arbeitgeber, profitieren. Am Ende tun es noch viele andere. Denn Frauen und Mütter haben eine vielfache, oft noch unterschätzte Wirkung in der Integration. Sie sind ein wichtiger Teil des Familiensystems, haben eine Vorbildfunktion gegenüber ihren Kindern und steuern durch Arbeit zum Wohlstand in den Familien bei.

Aufgerufen am 20.10.2019 um 05:14 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/die-migrantinnen-gehoeren-in-die-erste-reihe-26421295

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