Österreich

Die private Kaufkraft der Österreicher ist gesunken

Im Vorjahr konnten sich die Österreicher im Schnitt weniger leisten als fünf Jahre zuvor. Die Einkommen stiegen trotz verhaltener Inflation weniger stark als die Preise. Das zeigen die wichtigsten Ergebnisse der neueste n Konsumerhebung der Statistik Austria vom Dienstag.

Die Ausgaben der privaten Haushalte betragen bedarfsgewichtet pro Kopf und in Österreich 1970 Euro pro Monat. Das zeigt die Konsumerhebung der Statistik Austria 2014/15. Fünf Jahre früher lagen die Ausgaben nur um 90 Euro niedriger bei 1880 Euro. "Wir beobachten in den letzten Jahren eine sehr schwache Entwicklung des privaten Konsums", erklärte Generaldirektor Konrad Pesendorfer am Dienstag in Wien.

Die Steigerung der Ausgaben in den vergangen Jahren hätte auf Basis der Inflation von 11,4 Prozent zwischen 2009/10 und 2014/15 - wenn man diese einfach fortschreiben würde - 214 Euro ausgemacht. Die verfügbaren Einkommen sind weniger stark angestiegen als die Preise, also hat sich die Kaufkraft im Vergleich zur letzten Konsumerhebung verringert, sagte Pesendorfer bei der Präsentation der Studie vor Journalisten. Ein Grund dafür ist auch die schwache Konjunktur.

Bei den bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Ausgaben (in der Statistik heißen sie "Äquivalenzausgaben") zählt die erste erwachsene Person in einem Haushalt voll, jede weitere ab 14 Jahren zur Hälfte und jüngere Kinder werden mit dem Faktor 0,3 gewichtet. Diese statistische Maßzahl dient dazu, die Ausgaben verschieden großer und unterschiedlich zusammengesetzter Haushalte zu vergleichen. Dadurch gibt ein Single-Haushalt im Schnitt 1980 Euro im Monat aus, bei zwei Personen-Haushalten sind es im Schnitt 2130 Euro pro Kopf, bei drei Personen sinkt der Wert auf 1930, bei vier 1780 und bei fünf oder mehr Personen auf 1550 Euro im Monat.

Jeder Haushalt gibt im Schnitt im Monat 2990 Euro aus

Umgelegt auf die Haushalte, betragen die monatlichen Ausgaben im Schnitt 2990 Euro, fünf Jahre vorher waren es auch schon 2910 Euro gewesen. Hier zeigt sich also die gleiche Entwicklung. Die größten Ausgabengruppen sind traditionell Wohnen und Energie (26,1 Prozent), gefolgt von Verkehr (14,2 Prozent) sowie Ernährung und alkoholfreie Getränke mit 11,8 Prozent der Haushaltsausgaben. Für Freizeit, Sport und Hobbys geben Österreichs Haushalte 11,5 Prozent aus (weniger als die Hälfte davon entfällt auf Urlaub).

Große Unterschiede zeigen sich bei der Ausgabenverteilung nach der Einkommenshöhe. So verschieben sich die Anteile der Ausgaben bei Haushalten mit geringem Einkommen verstärkt zu den Grundbedürfnissen Ernährung und Wohnen, während einkommensstarke Haushalte mehr für Verkehr und Freizeit ausgeben.

Das einkommensstärkste Viertel der Haushalte weist mit 2690 Euro rund ein Drittel höhere Äquivalenzausgaben auf als der Durchschnitt aller Haushalte (1970 Euro). Dagegen liegen die Äquivalenzausgaben des einkommensschwächsten Viertels der Haushalte mit 1450 Euro rund 25% unter dem Österreichschnitt.

Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Bei den Single-Haushalten zeigen sich "sehr klischeehafte Unterschiede", wie Statistik-Expertin Christa Kronsteiner-Mann sagte, allerdings "mit einer Verringerung bei jüngeren Haushalten". Im Durchschnitt geben alleinlebende Männer jedenfalls weit mehr Geld für Werkzeug Elektronik und Tabakwaren sowie Alkohol aus als Frauen. Das weibliche Geschlecht liegt hingegen bei Ausgaben für Körper- und Schönheitspflege, Haustiere und Gesundheit sowie Kleiudung deutlich voran. "Bei Schuhen hat sich der Wert übrigens angenähert", so Kronsteiner-Mann.

Die Konsumerhebung findet nur alle fünf Jahre statt, weil sie einen immensen Aufwand bedeutet. Erfasst wurden die Daten, welche Ausgaben in 7000 Haushalten zwischen Ende Oktober 2014 und Anfang November 2015 je zwei Wochen lang augezeichnet wurde - vom lebenden Ferkel bis zu Munition oder DVDs mit nicht jugendfreiem Inhalt. Die Veränderungen gegenüber der vorhergehenden Konsumerhebung 2009/10 fallen je nach Ausgabekategorien äußerst unterschiedlich aus. Nominell stiegen die Ausgaben um 4,7 Prozent, inflationsbereinigt sanken die bedarfsgewichteten Ausgaben um 7,2 Prozent. Inflationsbereinigt stiegen nur die Ausgaben für Gastronomie (1,9 Prozent) und für Gesundheit (1,5 Prozent). "Weniger ausgegeben wurde für Kommunikation, Verkehr, alkoholische Getränke und Tabak, Freizeit, Sport Hobby sowie Bekleidung und Schuhe", so Pesendorfer.


Stadt-Land-Gefälle

Große Unterschiede gibt es bei Haushalten am Land und in der Stadt, wenn auch die Pro-Kopf-Ausgaben annähernd gleich sind. Die Unterschiede beginnen aber schon bei der Haushaltsgröße selbst. In Gemeinden mit weniger als 10.001 Einwohnern hat ein Haushalt im Durchschnitt 2,41 Mitglieder. Dieser Wert sinkt weiter bis zur größten Stadt Wien, wo ein Haushalt nur 1,95 Mitglieder zählt. In den kleinen Gemeinden liegen die bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Ausgaben bei 1.990 Euro. In Klein- und Mittelstädten mit bis zu 100.000 Einwohnern wie etwa Klagenfurt sind es 1.970 Euro, in den heimischen Großstädten Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz und Wien 1.920 Euro.

"Die Ausgaben für Verkehr sind am Land deutlich höher als in der Stadt", sagte der Chef-Statistiker. In den Landgemeinden mit weniger als 10.001 Einwohnern gehen summa summarum 560 Euro in den Verkehr und davon nur 15 Euro in den öffentlichen Verkehr. In den mittelgroßen Orten sind es 443 Euro, davon 20 Euro für Öffis. In den Großstädten außer Wien verbrauchen die Haushalte im Schnitt für Verkehr 368 Euro und davon 28 Euro für Öffentliche Verkehrsmittel. In Wien sind es insgesamt nur 311 Euro und davon immerhin 41 Euro für Öffis.

In den kleinen Orten haben nur 11 von 100 Haushalten keinen Pkw, aber gleich 38 mehrere Autos. In Wien haben 58 Prozent ein Auto und nur 9 Prozent mehr als einen Wagen.

Bei der Erhebung nicht enthalten sind etwa Verbrauchsausgaben fürs Sparen, Kredite oder Immobilienkäufe. Wichtig ist auch, dass die Ausgaben nicht zwangsläufig aus dem laufenden Einkommen bestritten werden, sondern auch Sonderzahlungen wie etwa das 13. und 14. Gehalt, Erspartes oder Einmalerträge wie beispielsweise eine Abfertigung eine Rolle spielen.

Quelle: SN-Gs, Apa

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:19 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/die-private-kaufkraft-der-oesterreicher-ist-gesunken-963901

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