Die unglaubliche Aufholjagd des Niki Lauda

Die Übernahme der Airline Niki durch Niki Lauda ist eine gute Nachricht - für Mitarbeiter und Fluggäste.

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Standpunkt Helmut Kretzl

Ein Gläubigerausschuss im Rahmen eines Insolvenzverfahrens ist für Normalsterbliche eher eine trockene Angelegenheit. Nicht so, wenn es um eine Fluggesellschaft geht, mit der man wiederholt in den Urlaub geflogen ist und damit angenehme Erinnerungen verbindet. Und noch viel weniger, wenn eine Person daran beteiligt ist, die unverändert den Status eines Helden der Nation genießt. Niki Nazionale hat wieder zugeschlagen. Aus einer hinteren Startreihe hat Niki Lauda im Bieterrennen um die insolvente Niki schrittweise aufgeholt, namhafte Favoriten ausgebremst und ging letztlich als Erster durchs Ziel.

Das ist der Stoff, aus dem Heldenepen werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass Gläubiger und Insolvenzverwalter aus Deutschland und Österreich alle vorliegenden Angebote für eine Übernahme von Niki nach bestem Wissen und Gewissen geprüft und sich dann aus guten Gründen für das Offert von Niki Lauda als Bestbieter entschieden haben. Auch wenn vorerst noch vieles unklar bleibt - über den Kaufpreis und andere Details hat man Stillschweigen vereinbart -, ist das eine gute Nachricht. Es heißt nämlich, dass der Sitz des Unternehmens in Österreich bleiben soll, wichtigste Kundengruppe sind reiselustige Österreicherinnen und Österreicher, für die es wohl manch neue attraktive Angebote geben wird - da wird Niki Lauda mit seinem altbewährten Partner Attila Dogudan schon etwas einfallen. Vor allem ist es auch eine gute Nachricht für die rund 1000 Niki-Mitarbeiter, vor allem die 800 in Österreich, denen Niki Lauda Beschäftigungsangebote in Aussicht gestellt hat.

Aber bei aller Freude über den Erfolg eines Nationalhelden, der es wieder einmal allen gezeigt hat, und der Zurückholung eines österreichischen Unternehmens in heimische Hand sei ein zusätzlicher Gedanke gestattet. Im Grunde ist der Erwerb durch Laudas Firma Laudamotion eine Einzellösung. Ohne starken Partner wird die Airline mit 15 bis 20 Flugzeugen auf Dauer im zunehmend schärfer umkämpften europäischen Markt wohl nur schwer bestehen können - gegen stark expandierende Billigflieger wie Eurowings, Ryanair, Easyjet oder Vueling, die im Zuge des letztlich geplatzten Niki-Deals auf den Geschmack gekommen sein dürften. So gesehen könnte sich der Zuschlag für Laudamotion nur als Zwischenlösung herausstellen, der eines Tages ein weiterer Verkauf folgt. Das starke Wachstum der Luftfahrt verstärkt den Trend zu Fusionen, ohne starke Partner wird es nicht gehen. Eine neuerliche Partnersuche ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Aufgerufen am 19.02.2018 um 02:08 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/die-unglaubliche-aufholjagd-des-niki-lauda-23311693

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