Wirtschaft

Diesel spaltet die Autobranche

Auslaufmodell oder Zukunftshoffnung? Auf dem Genfer Salon finden sich Befürworter für beide mögliche Szenarien. Richtig investiert wird trotzdem in eine andere Antriebsform.

Die Antriebsform der Zukunft ist eines der beherrschenden Themen beim diesjährigen Genfer Autosalon.  SN/afp
Die Antriebsform der Zukunft ist eines der beherrschenden Themen beim diesjährigen Genfer Autosalon.

"Nein!" lautet die knappe Antwort von Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche auf die SN-Frage, ob die Zulassung regionaler Fahrverbote von Dieselautos durch das deutsche Verwaltungsgericht eine Strategieänderung bewirkte. Was auch am Genfer Autosalon deutlich zu sehen war: Zu zahlreichen Neuheiten mit dem Stern, vom viertürigen Supersportler AMG GT bis zur extrastarken AMG-Version der Geländeikone G-Klasse, gehörten auch eine C- und eine E-Klasse mit Diesel-Hybrid-Antrieb. Das überraschte, denn der PSA-Konzern und Audi hatten diese Technologie ziemlich schnell aufgegeben. Allerdings: Ein (kostspieliger) Dieselhybride senkt die CO2-Emissionen nochmals drastisch, genau das müssen Autohersteller in Europa für 2021 schaffen (EU-Limit von 95 Gramm im Flottenmix).

Zetsches Kollegen haben geteilte Meinungen zur Dieseltechnologie. "Wir beginnen schon heuer, Diesel auslaufen zu lassen", erklärte Johan van Zyl, Europachef von Toyota und Lexus, "allerdings wird es unsere leichten Nutzfahrzeuge weiter mit Diesel geben." Bei Pkw macht der Dieselanteil des Hybridspezialisten in Europa ohnedies nur noch zehn Prozent aus. Opel-Chef Michael Lohscheller bestätigte, dass die Rüsselsheimer unter dem französischen Eigentümer PSA bis 2024 nur noch elektrifizierte Modelle anbieten werden - womit auch hier das Diesel-Ende absehbar ist.

Anders sehen es Topmanager des VW-Konzerns: "Diesel ist noch lang nicht tot", ist da die einhellige Meinung. "Auch wenn wir den Diesel in den USA aufgeben, bleibt er sonst im Portfolio und wird ständig weiterentwickelt", sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. "Die neue Generation von Dieselantrieben ist die sauberste und erfüllte in Tests alle künftigen Vorgaben." Diesel werde es künftig mehr in größeren Modellen und bei Vielfahrern geben, in kleineren Modellen rechnet auch er mit sinkenden Anteilen. Auch VW treibt den Elektroantrieb voran, zeigt die "Familie" von schon vier I.D.-Modellen in Genf, die ab 2020 in Serie gehen.

Für Audi-Chef Rupert Stadler ist das Leipziger Gerichtsurteil "nur Ultima Ratio, wenn andere Maßnahmen nicht mehr greifen". Der Diskussion fehle Sachlichkeit. Stadler sieht Diesel als unerlässlich für das Erreichen der CO2-Ziele. Auch würden Kunden noch immer Diesel bevorzugen. Zur Prognose des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer, in vier bis fünf Jahren werde es keine Dieselautos mehr geben, sagte Stadler süffisant: "Dann treffen wir uns in vier bis fünf Jahren wieder!" Nicht alle würden gleichzeitig in ein E-Auto springen, es gebe eine zehnjährige Übergangsphase.

Stackmann wie auch Stadler geben zu: "Die Kosten für die optimierte Abgasreinigung können die Hersteller nicht allein tragen. Da wird etwas an die Kunden weitergegeben." Bei teureren Modellen würden Preise dann vierstellig steigen. Stadler: "Die Mobilität wird insgesamt teurer."

Zu den von US-Präsident Donald Trump "angezwitscherten" Einfuhrzöllen auf Autos gibt sich die Branche in Genf gelassen. Stackmann meint: "Solange nichts Gesetz ist, kann man nichts beurteilen."

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