Wirtschaft

Eine Milliarde Euro im Jahr für Ökostrom-Ausbau soll reichen

Im Vergleich zu Deutschland zahlen Österreichs Haushalte wenig Ökostrom-Förderung. Was es kostet, das Land bis 2030 gänzlich auf sauberen Strom umzustellen, wirft Fragen auf.

2018 war ein schlechtes Wind- und Wasserjahr, daher ging der Anteil an gefördertem Ökostrom am Verbrauch zurück.  SN/heinz bayer
2018 war ein schlechtes Wind- und Wasserjahr, daher ging der Anteil an gefördertem Ökostrom am Verbrauch zurück.

90 Euro hat ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt voriges Jahr für Strom aus Windrädern, Photovoltaik-Anlagen und Biomasse-Kraftwerken gezahlt. Heuer sinkt die Ökostromzulage durch Sondereffekten, 2020 wird sie aber wieder bei 89 Euro liegen, schätzt E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer am Mittwoch bei der Präsentation des aktuellen Ökostromberichts der Energiebehörde.

Im Vergleich zu Deutschland ist das ein kleiner Beitrag zur Energiewende. Dort fallen nächstes Jahr pro Haushalt 236 Euro Förderbeitrag an. Die Systeme sind nicht vergleichbar. Kaum ein Land hat in kurzer Zeit Wind und Sonnenenergie so stark ausgebaut wie Deutschland, außerdem müssen die Privatverbraucher mehr für die Entlastung der Industrie zahlen. Doch wenn Österreich das erklärte Ziel von 100 Prozent Strom (bilanziell) aus erneuerbaren Quellen bis 2030 erreichen will, werde das "mit dem jetzigen Volumen nicht gehen, betont Eigenbauer.

Das widerspricht dem Plan der abgesetzten türkis-blauen Regierung. Im Ministerratsvortrag zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz EAG hatte es im Dezember 2018 geheißen, die Fördermittel für den Grünstrom-Ausbau sollten "gegenüber dem Ist-Stand nicht erheblich erhöht werden". Eine Zahl wurde damals nicht genannt, als magische Grenze gilt aber eine Milliarde Euro. In den vergangenen drei Jahren schwankte das Fördervolumen zwischen 700 und 860 Mill. Euro. Gelingen soll die Wende durch ein neues System aus Marktprämien und Ausschreibungen, damit die Wind und PV-Anlagen effizienter und Marktnäher betrieben werden.

Um bis 2030 tatsächlich CO2-frei Strom zu erzeugen, müssen in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr drei Terawattstunden (TWh) an Wind, Wasser, Sonne und Biomasse dazukommen, drei Mal so viel wie bisher. Die Erreichung des Ziels, setze ein neues Gesetz voraus, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Wann das neue EAG kommt, hängt allerdings von der nächsten Regierung ab. Laut Umweltministerium wird bis Jahresende weitergearbeitet, damit es eine Entscheidungsgrundlage gibt. Ein früherer Beschluss, auf den Klimaschützer und Energiebranche drängen - sei "nicht vorstellbar".

2018 war Ökostrommäßig kein gutes Jahr. Die Wasserführung war unter dem Durchschnitt, ebenso das Windaufkommen, daher ist der Grünstrom-Anteil am Stromverbrauch auf 73 Prozent gesunken. In guten Jahren waren es schon 76 Prozent. Der - geförderte - Ökostrom-Anteil aus Wind, Sonne, Biomasse/Biogas sowie Kleinwasserkraft ist im Vorjahr wegen der Flaute von knapp 18 auf 16,5 Prozent gesunken.

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