Wirtschaft

Energiemarkt: Anbieterwechsel könnte sich wieder lohnen

Der Energiemarkt erwacht aus der Schockstarre. Die Großhandelspreise für Strom und Gas sinken, da und dort bringt ein Anbieterwechsel schon wieder Vorteile.

Die Großhandelspreise für Strom und Gas sinken. SN/Stockfotos-MG - stock.adobe.com
Die Großhandelspreise für Strom und Gas sinken.

Wissen Sie, wie hoch Ihr Energieverbrauch ist? Trotz seit einem Jahr andauernder Energiekrise beantworten diese Frage noch immer 28 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher mit Nein. Das geht aus einer aktuellen Studie von Deloitte mit 1000 Befragten hervor. Besonders groß ist die Ahnungslosigkeit mit fast 50 Prozent bei den unter 30-Jährigen, die eigentlich besonders sensibel in Sachen Klimaschutz sind. Bei Älteren ist dieses Wissen signifikant höher. Was Michael Strebl, Vorstand der Wien Energie, auch damit erklärt, dass diese noch Zeiten erlebt hätten, in denen Energie noch wertvoll und teuer war. Mit der langen Phase billiger Energie habe die Sorgsamkeit offenbar abgenommen.

Fünf Landesversorger haben Tarife deutlich erhöht

Da und dort lohnt sich ein genauerer Blick auf den Strom- und vor allem Gasverbrauch aber wieder. Fünf Landesversorger, darunter die Salzburg AG, haben mit Jahresbeginn die Tarife deutlich erhöht. Allein die Stromkosten steigen auf das Zwei- bis Dreifache. Spitzenreiter ist das Burgenland, gefolgt von Salzburg. In Ostösterreich ging es schon im Herbst rauf. Der teilstaatliche Verbund hat für März eine Preiserhöhung bei seinen rund 500.000 Bestandskunden angekündigt. Vorarlberg und Tirol, die nach wir vor extrem günstig sind, könnten im Frühling nachziehen.

Wer weniger als 2900 Kilowattstunden verbraucht, spürt ohnehin nichts

Wer weniger als 2900 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht - wie 2,7 Millionen der fünf Millionen Haushalte und Gewerbebetriebe -, spürt davon ohnehin nichts. Denn durch die Strompreisbremse wird der Arbeitspreis mit zehn Cent gedeckelt. Die Optik für Versorger, die jetzt die hohen Beschaffungspreise vom Vorjahr an die Kunden weitergeben, ist dennoch schlecht. Denn auf den Großhandelsmärkten sinken seit einigen Wochen die Preise. Erste Anbieter wie der Verbund haben darauf reagiert und die Preise für Neukunden gesenkt. Damit wird die Kluft zu den Bestandskunden mittlerweile wieder kleiner.

Wechselrabatte ein Hinweis, dass wieder Kunden gesucht werden

"Das bedeutet, dass es sich wieder auszahlt, zumindest in den Tarifkalkulator zu schauen", sagt Johannes Mayer, der Preisexperte der Energieregulierungsbehörde E-Control. Wechselrabatte seien ein Hinweis, dass wieder Kunden gesucht sind. Generell seien die Versorger aber mit Preissenkungen zurückhaltend. "Das ist typisch, wenn die Preise nach unten gehen", sagt Mayer, "es ist eine kritische Zeit." Wer jetzt den Versorger wechsle, sollte keine Bindung eingehen, weil die weitere Entwicklung unklar sei.

Taskforce, um Situation am Strom- und Gasmarkt zu untersuchen

Der nicht sehr ausgeprägte Wettbewerb zwischen den teilweise gesellschaftsrechtlich miteinanderverwobenen Landesenergieunternehmen ruft nun auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und die E-Control auf den Plan. Gemeinsam wollen sie eine Taskforce einrichten, um die Situation am Strom- und Gasmarkt zu untersuchen, teilten beide Behörden mit.

Die Arbeitsgruppe soll, solange es die Strompreisbremse gibt (bis Mitte 2024), prüfen, ob die Darstellung der Versorger plausibel ist und die Preisunterschiede zwischen den Kundengruppen gerechtfertigt sind. Außerdem wird untersucht, welche Wirkungen die Strompreisbremse entfaltet. Ein weiterer Punkt: allfällige Hinweise auf Kartellierung oder Marktmachtmissbrauch. Erste Erkenntnisse sollen im zweiten Quartal 2023 vorliegen.

Zwei Drittel schränken sich ein, um Energie zu sparen

Auch wenn ein Viertel der Bevölkerung nicht weiß, wie hoch ihr Energieverbrauch ist: Das Bewusstsein für das Energiesparen hat in der Bevölkerung deutlich zugenommen. Zwei Drittel würden persönliche Einschränkungen in Kauf nehmen, um Energie einzusparen. Das ergibt eine Befragung von 1000 Österreicherinnen und Österreichern, die von der WU Wien, Deloitte und Wien Energie seit 2015 jedes Jahr gemacht wird. Jeder Zweite reduziert seinen eigenen Stromverbrauch und 45 Prozent sparen bei der Raumtemperatur.


Interessant: Mehr als die Hälfte kann sich die Teilnahme in einer Energiegemeinschaft vorstellen. Bei einer solchen schließen sich Private, Schulen, Gemeinden oder Betriebe zusammen, um selbst Energie zu erzeugen und aufzuteilen.

Photovoltaik boomt, das Interesse am E-Auto stagniert

Die Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte ist so hoch wie noch nie, beliebt ist vor allem Photovoltaik (PV). Neun von zehn Befragten sprachen sich für den PV-Ausbau in der eigenen Gemeinde aus, ein Vollausbau von PV-Anlagen auf Dachflächen oder Fassaden wird von rund zwei Drittel befürwortet. Auch die Akzeptanz für Kleinwasserkraft- und Windkraftwerke ist mit 78 bzw. 69 Prozent hoch.

Eine Schwachstelle ist der Wärmemarkt: Fernwärme und Luftwärmepumpen nehmen zwar zu, doch Öl- und Gasheizungen kommen noch immer auf über 25 Prozent Anteil - Tendenz nur leicht sinkend.

Auch bei der Mobilität fehlt Schwung. Die Bereitschaft, sich ein E-Auto anzuschaffen, stagniert. Viele erachten dieses als generell zu teuer und bemängeln die zu geringe Reichweite sowie die zuletzt deutlich gestiegenen Stromkosten.

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