Wirtschaft

Energiestandort Europa im Spannungsfeld

Beim Industrie- und Zukunftsforum Salzburg im Hangar-7 verteidigte OMV-Chef Rainer Seele seine Russlandstrategie.

„Der Energiestandort Europa im Spannungsfeld der Geopolitik“ lautete das Thema beim Industrie- und Zukunftsforum 2018. Im Bild (v. l.): Peter Unterkofler (IV-Salzburg), Maximilian Dasch („Salzburger Nachrichten“), Rainer Seele (OMV) und Franz Gasselsberger (Oberbank). SN/kolarik
„Der Energiestandort Europa im Spannungsfeld der Geopolitik“ lautete das Thema beim Industrie- und Zukunftsforum 2018. Im Bild (v. l.): Peter Unterkofler (IV-Salzburg), Maximilian Dasch („Salzburger Nachrichten“), Rainer Seele (OMV) und Franz Gasselsberger (Oberbank).

Das energiepolitische Umfeld in Europa wird mehr und mehr von geopolitischen Spannungen bestimmt. Geopolitische Konflikte im Mittleren Osten wie der Bürgerkrieg im Jemen oder die US-Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump gegenüber Europa wirken sich in weiterer Folge auf Wirtschaftswachstum und Klimaschutz aus. Doch wie schafft es Europa, eine neue, zeitgemäße und vor allem erfolgreiche Klima- und Energiestrategie zu entwickeln? "Wir brauchen einen ausgewogenen Gleichklang zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz", sagte OMV-Vorstandsvorsitzender Rainer Seele beim Industrie- und Zukunftsforum 2018, zu dem die Oberbank, die Industriellenvereinigung Salzburg und die "Salzburger Nachrichten" in den Hangar-7 eingeladen hatten.

Rund 300 Gäste besuchten diese hochkarätige Veranstaltung - die Moderation bestritt heuer wieder SN-Chefredakteur Manfred Perterer. Die zahlreiche Prominenz aus Politik und Wirtschaft ließ sich diesen Event natürlich ebenfalls nicht entgehen; darunter waren zum Beispiel Gerhard Drexel (SPAR) mit seiner Gattin Andrea, Christian Leeb (Salzburg Milch), Josef Wöhrer, Cornelius und Matthias Geislinger (Geislinger GmbH), Manfred Santner (Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH), Thomas Puschnig und Helmut Lenz (Zaltech GmbH), Franz Gramiller (FRANZ GRAMILLER & SOHN GmbH) und Halmut Gratschmaier (Honigmayr Handelsgesellschaft m. b. H.).

Seele schilderte in seinem Vortrag die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa und wagte dabei einen Blick in die Zukunft. Obwohl die Ölreserven in spätestens 200 bis 300 Jahren aufgebraucht sein werden, ist eine mittelfristige Abkehr von diesem Energieträger nicht ratsam. Laut einer Studie steigt die Öl- und Gasnachfrage bis 2030 um 16 Prozent, gleichzeitig werden aber auch die erneuerbaren Energien auf allen Kontinenten stärker zum Tragen kommen. Europa muss vor allem mehr Erdgas importieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und den Standortnachteil gegenüber den USA, die zu 100 Prozent Eigenproduzenten sind, zu gewährleisten. "In China ist der Gaspreis derzeit sogar fünf Mal so hoch wie bei einem Produzenten in den USA. Die Chinesen haben daher eine eigene Strategie: Sie kaufen sukzessive alle Öl- und Gasfelder auf unserem Planeten auf - vor allem in Afrika sind sie sehr aktiv", erklärte Seele.

Im anschließenden Talk mit Manfred Perterer verteidigte Seele die umstrittene starke OMV-Allianz mit Russland und dem dortigen Gas-Giganten Gazprom. Er plädierte dafür, keinen Konflikt-, sondern einen Annäherungskurs mit Russland zu starten. "Zwei oder mehrere Freunde sind immer besser als einer." Wenig Sorgen bereite ihm der Brexit, da die OMV ihr Gas auch in Zukunft im gleichen Umfang nach Großbritannien liefern werde.

Auch Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger macht sich seine Gedanken über Österreich als Wirtschaftsstandort: "Ich erwarte keinen Einbruch der Konjunktur, aber ich glaube, dass die zuletzt veröffentlichten Prognosen zu optimistisch sind. Es zeigen sich einige Risiken, die die Börsen zum Teil schon eingepreist haben. Vor allem in Europa gibt es Enttäuschungen bei den Gewinnerwartungen. Industrierohstoffe, Energie und Rohöl sind deutlich teurer als vor einem Jahr, das können die Unternehmen kaum noch an ihre Kunden weitergeben."

Ebenfalls vorsichtig mit Prognosen bleibt Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung Salzburg. "Die Industrie steht aktuell vor der Herausforderung, die derzeitige Auftrags- und Konjunkturlage zu halten. Das Expansionstempo hat sich verlangsamt, die ungewisse Ausgestaltung des Brexit und aktuelle Tendenzen in der internationalen Handelspolitik werfen ihre Schatten auf die Konjunkturprognose. Umso wichtiger ist es, die angekündigten Reformen jetzt umzusetzen. Im Hinblick auf die KV-Verhandlungen besteht aktuell kein Spielraum für weitere Belastungen."

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