Wirtschaft

Erste Group sorgt für hohe Kreditausfälle vor

Die Dividenden für 2019 und 2020 dürften gemeinsam im Jahr 2021 ausgeschüttet werden.

„Vorausschauende Risikorückstellungen“ belasten das Halbjahresergebnis der Erste Group deutlich.  SN/apa
„Vorausschauende Risikorückstellungen“ belasten das Halbjahresergebnis der Erste Group deutlich.

Deutlich höhere Risikokosten belasten das Halbjahresergebnis der börsenotierten Erste Group. Zur Absicherung möglicher Kreditausfälle und für Wertberichtigungen bildete die Bank in den ersten sechs Monaten Vorsorgen über 675 Millionen Euro, mehr als die Hälfte im zweiten Quartal. Dies ist der wichtigste Grund dafür, dass das Nettoergebnis der Erste Group zum Vergleichszeitraum 2019 um 60 Prozent auf 293,8 Mill. Euro einbrach.

Der durch die Covid-19-Pandemie ausgelöste Einbruch der Wirtschaft spiegle sich in der Bilanz der Bank wider, sagte Erste-Group-Chef Bernhard Spalt am Freitag. Man sei in einer "Situation, in der die Wirtschaft massiv eingebremst worden ist". Und eine Bank sei "ein Spiegel der Wirtschaft". Spalt sieht eine Chance auf eine Erholung im Jahr 2021, wenngleich noch nicht auf das Niveau von 2019.

Die Erste sieht sich solide aufgestellt. Die harte Kernkapitalquote erreichte nach jahrelangen Anstiegen einen Rekordwert von 14,2 Prozent - nach 9,2 Prozent im Jahr 2010. Zugleich liege die Kreditausfallquote leicht verbessert bei 2,4 Prozent, während die Deckungsquote von 77,1 auf 91,1 Prozent anstieg. Bei den erhöhten Risikoaufwändungen gehe es darum, "so viel wie möglich vorzuziehen, um eine Vorsorge für zukünftige Ausfälle zu haben", sagte Erste-Risikochefin Alexandra Habeler-Drabek. Staatliche Hilfsmaßnahmen seien ein Grund dafür, "dass wir de facto keine konkreten Ausfälle sehen". Den Höhepunkt der Vorsorgen habe man im zweiten Quartal erreicht.

Das Kreditvolumen stieg bis 30. Juni um 2,2 Prozent. Das sei weniger auf höhere Nachfrage zurückzuführen als auf staatliche Hilfsmaßnahmen und gewährte Moratorien, die bisher rund 5 Mrd. Euro betrafen.

Auf die Auszahlung einer Dividende für 2019 verzichtet die Erste Group vorerst in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Wahrscheinlich werde man 2021 die Dividenden für die beiden vorangegangen Jahre zusammen ausbezahlen. Angaben zu einer möglichen Dividendenhöhe gab es nicht.

Aufgerufen am 03.08.2020 um 07:13 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/erste-group-sorgt-fuer-hohe-kreditausfaelle-vor-90900277

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