Wirtschaft

EU senkt Wachstumsprognose: Österreich 2019 bei 1,5 Prozent

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für Österreich, die Eurozone und die gesamte Europäische Union leicht gesenkt. Die Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und des Welthandels drücke die Aussichten für 2019 und 2020, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel in ihrer Frühjahrsprognose mit.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici gegen Rückfall in Protektionismus SN/APA (AFP)/EMMANUEL DUNAND
EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici gegen Rückfall in Protektionismus

Die EU-Behörde erwartet für 2019 nur mehr ein Plus von 1,5 Prozent in Österreich, im Februar hatte die Kommission noch mit 1,6 Prozent gerechnet. Für 2020 hält die EU-Kommission unverändert ein Plus von 1,6 Prozent für Österreich aufrecht. Wachstumstreiber Nummer eins in Österreich bleibt der Privatkonsum, der schon gegen Ende 2019 zunehme. Gründe dafür seien Lohnzuwächse, mehr Beschäftigung und der von der Bundesregierung eingeführte "Familienbonus". Während die Ausrüstungsinvestitionen zurückgehen werden, erwartet Brüssel gut gefüllte Auftragsbücher am heimischen Bausektor.

Das leicht abgeschwächte Wirtschaftswachstum in Österreich lässt sich auf schwierige Rahmenbedingungen bei wichtigen Handelspartnern zurückführen, geht aus der EU-Frühjahrsprognose hervor. Steigende Löhne stärken allerdings den Privatkonsum, weshalb die Kurve ab der zweiten Jahreshälfte wieder leicht nach oben gehen sollte. Gedämpft wird das Wachstum vorerst aber durch die international generell abgebremste Wirtschaftsdynamik, was sich u.a. auf die heimische Industrieproduktion niederschlägt sowie sinkende Exporte nach sich zieht. Auch der schwächelnde Automobilsektor in Deutschland spielt hier eine Rolle.

Die Wirtschaft der Eurozone wird heuer nur 1,2 Prozent wachsen, erwartet die EU-Kommission. Im Februar hatte sie noch 1,3 Prozent vorausgesagt. Für 2020 rechnet die Kommission mit 1,5 Prozent Wachstum im Euroraum - anstatt 1,6 Prozent in der Winterprognose. Für die gesamte EU sagt die EU-Kommission für 2019 ein Plus von 1,4 Prozent voraus und für 2020 von 1,6 Prozent - anstatt 1,5 und 1,7 Prozent im Februar.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission heuer nur mehr ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent - in der Winterprognose waren es noch 1,1 Prozent. Alle EU-Staaten können heuer und im nächsten Jahr weiterhin mit einem Plus rechnen. Am geringsten fällt es 2019 in Italien mit 0,1 Prozent aus (bisher 0,2 Prozent), für Frankreich sagt die EU-Behörde unverändert heuer 1,3 Prozent voraus.

Eine Rolle spiele auch die anhaltende Schwäche der verarbeitenden Industrie, insbesondere in Ländern mit Problemen in der Automobilbranche, erklärte die EU-Kommission. Abwärtsrisiken sieht die EU-Kommission auch durch eine mögliche Zuspitzung der Handelskonflikte und durch Schwächen in China. "In Europa sollten wir die Möglichkeit eines No-Deal-Brexit, politische Unsicherheit und die Gefahr, dass die Verquickung zwischen Banken und Staaten erneut zum Problem wird, aufmerksam im Auge behalten", sagte der für den Euro zuständige EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici warnte, es gelte, einen Rückfall in den Protektionismus zu verhindern, der soziale und wirtschaftliche Spannungen in Europa nur verschärfen würde. Das Wirtschaftswachstum in Europa wird derzeit ausschließlich von der Binnenwirtschaft getragen, erklärte die Kommission. Zusammen mit steigenden Löhnen, niedriger Inflation und günstigen Finanzierungsbedingungen dürfte dies die Binnennachfrage beleben.

Trotz des verlangsamten Wachstums erwartet die EU-Kommission weiter sinkende Arbeitslosenzahlen. Die Rate wird laut der Prognose in der Eurozone 2019 auf 7,7 Prozent zurückgehen, 2020 auf 7,3 Prozent. Für die EU rechnet die EU-Kommission dagegen in den zwei Jahren mit 6,5 bzw. 6,2 Prozent. Für Österreich gibt es in Sachen Arbeitsmarkt positive Aussichten. Laut Frühjahrsprognose wird die Arbeitslosenquote heuer auf 4,7 Prozent (2018: 4,9 Prozent) sinken und sich auf diesem Niveau 2020 stabilisieren. Diese Entwicklung drückt zudem auf die Staatsausgaben, die von 48,5 Prozent des BIP 2018 auf 48,0 Prozent 2019 zurückgehen. Betreffend Staatsverschuldung sagt die Kommission der Alpenrepublik einen Rückgang von 73,8 Prozent des BIP im Vorjahr auf 69,7 Prozent heuer und 66,8 Prozent im kommenden Jahr.

Auch die Teuerung dürfe unter der Schwelle von 2,0 Prozent bleiben. In Österreich wird die Inflation 2019 1,8 Prozent und 2020 1,9 Prozent betragen. In der Eurozone erwartet die EU-Kommission für beide Jahre jeweils 1,4 Prozent, und für die gesamte EU 1,5 bzw. 1,6 Prozent.

In Sachen Budgetkennzahlen weist Brüssel Österreich sowohl für 2019 als auch 2020 einen leichten Überschuss von 0,3 bzw. 0,2 Prozent aus. Als Gründe werden u.a. Kürzungen bei Sozialausgaben und die erst im April auf den Weg gebrachte nationale Digitalsteuer genannt.

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