Wirtschaft

"Europa braucht mehr Gas"

Die OMV hält an der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 fest. Darüber hinaus will sie in Asien und im Pazifikraum stärker aktiv werden und bis 2025 zehn Mrd. Euro in Zukäufe investieren.

Trotz politischen Gegenwinds verfolgt der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 unbeirrt weiter. "Wir stehen dazu", sagte Vorstandschef Rainer Seele am Dienstag vor Journalisten in London. Er betonte, dass die Strategie der OMV nicht von Nord Stream 2 abhänge, aber wenn man den Gastransport nach Europa verbessern wolle, sollte man alles tun, um Nord Stream 2 umzusetzen, "sie wird kommen".

Das von der russischen Gazprom geführte Projekt ist in Europa politisch umstritten, die jüngsten Spannungen nach dem Giftanschlag auf einen russischen Ex-Spion in Großbritannien und mögliche Sanktionen gegen Russland verbessern die Stimmung für das Projekt nicht. Ungeachtet dessen brauche Europa mehr Gas, denn die Nachfrage steige, sagte OMV-Vorstand Manfred Leitner. Nord Stream 2 sei daher "kein Wunschprojekt, sondern eine Notwendigkeit". Da die Gasproduktion in Europa zurückgehen werde, seien Importe unumgänglich, um die Versorgung abzusichern.

Auch die OMV selbst will weniger abhängig von Europa werden. Nachdem Russland im Vorjahr neben Zentral- und Osteuropa (Österreich und Rumänien), der Nordsee sowie dem Mittleren Osten zur vierten Kernregion des Konzerns wurde, will die OMV den geografischen Fokus in den nächsten Jahren ausweiten. "Die Musik wird in Asien und im Pazifik spielen", sagte Seele, das gelte vor allem für den Downstream-Bereich, "wir müssen näher an die wachsenden Märkte".

Wie Vorstand Johann Pleininger sagte, wolle man die Förderaktivitäten auf der Südhalbkugel ausweiten. Ausgehend von Neuseeland, wo die OMV schon seit geraumer Zeit aktiv ist, wolle man "den Fokus in den nächsten zwei bis fünf Jahren Richtung Südostasien erweitern". Was mögliche Zukäufe in der Region angehe, beobachte man den Markt, es sei aber noch zu früh, um mehr zu sagen. Generell investiere man verstärkt in Ländern, wo bereits Infrastruktur existiere.

Der Öl- und Gaskonzern will in den nächsten Jahren über Zukäufe wachsen. Wie Seele sagte, sehe die Strategie 2025 Akquisitionen im Ausmaß von zehn Mrd. Euro vor, die man sowohl in der Suche und Exploration von Öl und Gas (Upstream) als auch im Raffinerie- und Tankstellengeschäft (Downstream) tätigen werde. "Wir schlagen damit das nächste Kapitel in unserem Strategie-Buch auf", sagte Seele. Ziel sei, die OMV als integrierten Konzern noch widerstandsfähiger und profitabler zu machen. Der operative Gewinn ohne Sondereffekte soll von drei Milliarden Euro (2017) bis 2025 auf fünf Milliarden Euro steigen.

Die Rahmenbedingungen für die Wachstumsstrategie seien günstig, sagte Seele, der weltweite Bedarf an Energie werde laut Prognosen der Internationalen Energieagentur bis 2030 um 16 Prozent auf 16 Mrd. Tonnen Öläquivalent steigen. Öl und Gas würden auch dann noch mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs abdecken. Der Ölverbrauch werde vor allem von Asien und dem Mittleren Osten getrieben, der Bedarf an Gas steige weltweit in allen Regionen an. Unabhängig davon, wie sich die Klimadebatte entwickle, gebe es eine große Chance für Gas, sagte Seele, während der Druck auf Kohle und Öl steigen werde.

Neben zehn Mrd. Euro für Zukäufe (je zur Hälfte im Up- und Downstream-Bereich) wird die OMV bis 2025 zwischen 2,0 und 2,5 Mrd. Euro pro Jahr in Wachstum sowie in die Erhaltung bestehender Anlagen investieren. Die Kosten will man bis 2020 um weitere 100 Mill. Euro senken.

Aufgerufen am 09.12.2018 um 11:45 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/europa-braucht-mehr-gas-25351441

Kommentare

Schlagzeilen