Wirtschaft

Europas Großbanken arbeiten an gemeinsamer Zahlungsplattform

Eine neue europäische Plattform für Zahlungsdienste will aus einer Hand alle Services rund um elektronische Zahlungen anbieten. Im 2. Halbjahr 2022 sollen die ersten Händler damit starten, eine eigene Karte für Zahlungen soll rasch folgen, sagte die Chefin der Projektgesellschaft, Martina Weimert am Montag in einem Pressegespräch. Davor noch sollen Zahlungen zwischen Privatpersonen möglich werden. Der endgültige Namen des Projekts mit den Arbeitstitel "EPI" ist noch offen.

Neue Plattform für digitale Zahlungen SN/APA/AFP/DENIS CHARLET
Neue Plattform für digitale Zahlungen

Ob und wann das System in Österreich genutzt werden kann, ist ebenfalls noch offen, hat sich Österreich doch noch nicht zur Teilnahme entschlossen. Das könnte auch daran liegen, dass es in Österreich kein eigenes nationales Zahlungssystem und keine Großbanken mit gesamteuropäischer Dimension gibt, glaubt Weimert. Die Oesterreichische Nationalbank unterstützt das Projekt grundsätzlich, gibt den Geschäftsbanken aber nichts vor. Petia Niederländer von der OeNB wies in dem Pressegespräch darauf hin, dass heimische Banken langfristige Verträge mit den aktuellen Anbietern haben und viele gerade erst ihre Bankomatkarten auf Mastercard-Debit-Karten umgestellt haben - diese Investition müsse sich erst rechnen. Außerdem sei Österreich traditionell ein Bargeldland - die Wirtschaft müsse sich erst auf die von der Coronapandemie beschleunigte Digitalisierung der Zahlungen einstellen.

Aber 36 Prozent der Umsätze heimischer Banken kommen aus dem Zahlungsverkehr - diesen zu verlieren wäre also ein großes Problem für die Institute, so Niederländer. Auch in anderen Ländern in Europa sei es ein vergleichbarer Anteil.

Das Projekt ist jedenfalls langfristig angelegt. Im Oktober soll die Entscheidung fallen, die aktuelle Projektgesellschaft in die endgültige Holding überzuführen. Mit schwarzen Zahlen ist eher erst in zehn Jahren zu rechnen, das Startbudget beträgt "mehrere Milliarden", sagte Weimert. Es sei zwar ein privatwirtschaftlich getragenes Projekt und müsse sich rechnen, Profitmaximierung sei aber nicht das Ziel. Konkurrenten seien sowohl Kreditkartenfirmen als auch Zahlungsanbieter wie Paypal oder die großen Tech-Plattformen wie Apple und Android. Die bisher teilnehmenden Institute sind für zwei Drittel der europäischen Kartenzahlungen verantwortlich.

Der Mehrwert liegt laut Weimert darin, dass "EPI" eine gesamteuropäische Plattform werden soll, über die Menschen untereinander und im Geschäft unmittelbar, also ohne Zeitverzögerung, Geld überweisen können (instant payment). Anstelle verschiedener Apps für Zahlungen soll es am Handy nur mehr eine einzige geben. EPI will auch keine Konto-Daten selber speichern, alle sensiblen Informationen sollen wie bisher bei der Bank der Kunden bleiben. Für Nutzer wird es wohl nicht mehr kosten als bisherige Systeme.

Zwar orientiere man sich an bestehenden Zahlungssystemen, wolle aber einen Mehrwert bieten. Dazu gehören die Zahlung in Echtzeit, die also "so schnell wie ein Email" ankommt, die einfache Überweisung zwischen Privatpersonen oder die Möglichkeit, kurz entschlossen im letzten Moment doch per Ratenzahlung zu zahlen. Dank der geplanten Verknüpfung mit einer digitalen Signatur könnte man auf der Plattform einen Vertrag abschließen - und sofort bezahlen, so Weimert. Das sei derzeit ihres Wissens sonst nirgendwo möglich. Auch der von der EZB geplante digitale Euro soll auf der neuen Plattform genutzt werden können.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 17.09.2021 um 05:17 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/europas-grossbanken-arbeiten-an-gemeinsamer-zahlungsplattform-105526213

Kommentare

Schlagzeilen