Wirtschaft

EVN beschleunigt den Erneuerbaren-Ausbau

Der niederösterreichische Energieversorger EVN beschleunigt seinen Erneuerbaren-Ausbau. Bei Windkraft soll die installierte Leistung von derzeit 400 Megawatt bis zum Jahr 2030 auf 750 MW anwachsen und bei der Photovoltaik auf bis zu 300 MW, erklärte der Vorstand am Donnerstag im Bilanzpressegespräch. Das jährliche Investitionsvolumen - zuletzt knapp über 400 Mio. Euro - soll 500 Mio. Euro erreichen, in Summe 5 Mrd. Euro binnen zehn Jahren, zur Hälfte für den Netzausbau.

EVN erzielte 2020/21 mehr Gewinn SN/APA/HELMUT FOHRINGER
EVN erzielte 2020/21 mehr Gewinn

Windparks plant die EVN außer in Niederösterreich auch in Bulgarien, PV-Anlagen neben NÖ auch im sonnenreichen Nordmazedonien, dem dritten Kernmarkt. Aktuell hat die EVN erst 12 MW an PV installiert. Vor einem Jahr hatte man aus Wind und PV erst 750 MW Gesamtpotenzial gesehen, nun sind es 1.050 MW.

Neben der Raumordnung sei dafür auch die Novellierung des erst im Sommer beschlossenen Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG) samt rund 30 darauf basierenden Verordnungen nötig, nachdem die EU-Kommission beim EAG noch Änderungsbedarf bei einigen Punkten in Sachen Förderung gesehen hatte, so EVN-Chef Stefan Szyszkowitz: "Für uns heißt es leider 'bitte warten'. Der Nationalrat muss neuerlich befasst werden."

Für ein künftiges Engagement im Wasserstoff-Bereich benötigt man für länderübergreifende Projekte einen Infrastrukturrahmen und Finanzierungsmodelle. Vehikel dafür sei die EVN-Tochter RAG, der größte Speicherbetreiber in Österreich. Dort bereite man sich darauf vor, nicht nur Erdgas, sondern auch Wasserstoff zu speichern - bei der EVN sei grüner Strom für Wasserstoff das Thema, so Vorstandsdirektor Franz Mittermayer.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 (per 30.9.) hat die EVN infolge eines guten Geschäftsverlaufs und wegen Wertzuschreibungen bei Wasserkraftwerken in Bayern und Albanien den Nettogewinn um 63 Prozent auf 325 Mio. Euro gesteigert und will die Dividende für 2020/21 von 0,49 auf 0,52 Euro je Aktie erhöhen. Für 2021/22 rechnet man mit 200 bis 240 Mio. Euro Nettogewinn, orientiert an einem üblichen Geschäftsjahr.

Der Umsatz stieg 2020/21 um fast 14 Prozent auf 2,395 Mrd. Euro - wegen des internationalen Projektgeschäfts, dank des Energievertriebs in Südosteuropa und höheren Netznutzungsentgelten. Auch eine höhere Erzeugung sowie höhere Strompreise wirkten sich beim Umsatz positiv aus. Beim operativen EBITDA erzielte man 42 Prozent Zuwachs auf 837 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) legte um 42 Prozent auf 386 Mio. Euro zu.

In allen drei Kernmärkten war das Geschäftsjahr von deutlich niedrigeren Temperaturen geprägt. Ihre Stromerzeugung erhöhte die EVN um 5,6 Prozent auf 3.997 Gigawattstunden (GWh), davon bei der erneuerbaren Energie um 1,5 Prozent auf 2.283 GWh und bei Wärmekraftwerken um 11,7 Prozent auf 1.715 GWh. Durch den endgültigen Ausstieg aus der Kohleverstromung (durch den Rückzug aus dem Kraftwerk Walsum in Deutschland) werde der Erneuerbaren-Anteil des EVN-Stroms von 57 auf 75 Prozent steigen, so Szyszkowitz.

Nächstes Jahr sollte in Österreich die Ausschreibung von Netzreserve früher beginnen als heuer. Szyszkowitz bedauerte auch, dass auf Wunsch Brüssels die Kontrahierung nur für ein Jahr erfolgte, das sei zu kurz für mittelfristige Investitionen. Die EVN stellt Leistung aus dem kalorischen Kraftwerk Theiß in NÖ für die Netzstabilisierung bereit, konkret 470 MW im Zeitraum Oktober 2021 bis September 2022 gemäß einem Vertrag mit der Austrian Power Grid (APG). Mit großem Interesse habe man die Ausführungen zum Thema abgesicherte Erzeugung im Koalitionsvertrag der neuen deutschen Regierung gelesen, sagte Szyszikowitz. Die EVN halte dafür schnellstartende Gasturbinen für am geeignetsten, es fehle hier aber noch der regulatorische Rahmen.

Der EVN-Energieverkauf an Endkunden lag 2020/21 bei Strom mit 20.207 GWh um 2,0 Prozent höher - dabei stieg er in Mittel- und Westeuropa um 3,0 Prozent auf 8.717 GWh, in Südosteuropa um 1,2 Prozent auf 11.490 GWh. Der Erdgasverkauf an Endkunden wuchs um 9,2 Prozent auf 5.412 GWh, bei Wärme um 10,5 Prozent auf 2.545 GWh. Der Netzabsatz stieg bei Strom um 5,0 Prozent auf 23.257 GWh, bei Erdgas um 6,3 Prozent auf 16.184 GWh.

Nach den starken Verteuerungen im Energiebereich - beinahe eine Verdreifachung bei den Gasbörsepreisen, fast eine Verdopplung der Strom-Spotmarktnotierungen und ein 70-Prozent-Anstieg der CO2-Marktpreise - sieht Szyszkowitz mit Verweis auf die Indikationen der Futures für 2022 "eine Anspannung" und erst für 2023 "eine Erleichterung". Abhängig sei dies aber noch von vielen geostrategischen und innereuropäischen Fragen. Mit Verweis auf die Gegebenheiten an den Energiemärkten haben die EnergieAllianz-Partner Wien Energie, EVN und Energie Burgenland wie berichtet für Anfang 2022 eine kräftige Strompreiserhöhung angekündigt.

Mit hohem Tempo rollt die EVN jetzt die neuen intelligenten Stromzähler aus. Zum Geschäftsjahresende am 30.9. waren 400.000 Smart Meter bei den Kunden installiert, rund die Hälfte. Heuer zu Jahresende sollen es 500.000 sein, und 2022 will man praktisch fertig sein. Szyszkowitz erinnerte jedoch daran, dass sich 5 Prozent der Kunden für ein Opt-Out entschieden haben: Bei ihnen gibt es nur einmal jährlich eine Ablesung für die Rechnung.

Der Mitarbeiterstand der EVN stieg im Jahresschnitt von 7.007 auf 7.126, davon 4.155 (4.153) in Südosteuropa.

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