Wirtschaft

EVN startet Smart-Meter-Einführung Ende 2019

Der börsennotierte niederösterreichische Versorger EVN startet Ende 2019 mit der Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter), so der Vorstand am Mittwoch bei der Halbjahrespressekonferenz. Die Stromerzeugung aus Kohle in Dürnrohr wird wie angekündigt heuer im Herbst beendet, diese sei wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, hieß es.

Das Kraftwerk Dürnrohr hat ausgedient SN/APA (EVN)/UNBEKANNT
Das Kraftwerk Dürnrohr hat ausgedient

Die Smart-Meter-Einführung hat sich bei der EVN wegen Software-Problemen verzögert. Die Software laufe nun, so Vorstand Franz Mittermayer. Ziel sei eine Abdeckung von 85 Prozent in den kommenden zwei bis drei Jahren.

Zum Aus für das Kohlkraftwerk Dürnrohr sagte EVN-Vorstandschef Stefan Szyszkowitz, der Ausstieg aus der Kohlverstromung sei eine sinnvolle und gute Entscheidung - nicht nur für das Klima, sondern auch für die EVN, weil unter diesen Voraussetzungen ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich wäre. Aus technischer Sicht hätte es bis längstens 2025 laufen können. Gestiegene Preise für CO2-Zertifikate und die Änderungen beim Einsatz von Kraftwerken zur Stabilisierung der Stromnetze durch die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone machen die Kohleverstromung aus Sicht des EVN-Vorstandes nicht mehr rentabel.

Die Preise für CO2-Zertifikate seien auf 20 bis 25 Euro je Tonne gestiegen, von 7 bis 9 Euro in den vergangenen Jahren. Es gebe für die Stilllegung des Steinkohlekraftwerks Dürnrohr keine Sonderabschreibungen in der heurigen Bilanz, im kommenden Jahr wird mit operativen Kosten im 1-stelligen Millionen-Euro-Bereich gerechnet. Beschäftigt sind in diesem Teil des Kraftwerkstandorts 35 Mitarbeiter, die künftig in anderen Bereichen eingesetzt werden. Die Investitionen in die Neuausrichtung des Kraftwerkstandortes betragen 20 Mio. Euro. Die EVN setzt dort auf Stromerzeugung aus Müll. Geplant ist auch eine Photovoltaik-Anlage. Zudem werden zwei Klärschlammanlagen errichtet.

In der Nutzung von Klärschlamm für die Energieerzeugung sieht die EVN auch für das internationale Projektgeschäft Potenzial. Insgesamt sind fünf Referenzanlagen in Errichtung, neben den beiden in Dürnrohr auch in Litauen, Deutschland und Bahrain. Die Entsorgung von Klärschlamm stelle zunehmen eine Herausforderung dar.

Für die Stabilisierung der Stromnetze stellt die EVN in Österreich nun 430 MW aus dem Gaskraftwerk Theiß zur Verfügung, im vorangegangen Halbjahr waren es inklusive der Bereitstellung für den deutschen Stromnetzbetreiber Tennet noch 1.090 MW. Verträge mit deutschen Stromnetzbetreibern sind seit der Stromzonentrennung Anfang Oktober 2018 nicht mehr möglich.

Zum Thema Versorgungssicherheit und Dürnrohr zog Szyszkowitz einen Vergleich mit den Bremer Stadtmusikanten, ganz unten ist der Esel, dann sei der nächste der Hund, dann die Katze, dann der Hahn. "Alle zusammen ergeben die Versorgungssicherheit in Österreich". Es seien die Behörden gefordert, das zu beurteilen. Szyskowitz betonte, dass künftige Regelungen für die Versorgungssicherheit notwendig seien. Zum Thema Neuwahl und Auswirkungen auf die Rahmenbedingungen für die E-Wirtschaft meinte er, man habe ambitionierte Ziele, es gebe einen intensiven Dialog mit den verschiedenen verantwortlichen Stellen, "und wir hoffen, dass die Übergangsphase möglichst eine kurze ist", damit man die Entscheidungen auch treffen und die gesetzten Ziele 2030/2050 realistisch erfüllen könne. Man sei gut beraten mit Abwarten.

Investieren will die EVN bis zu 400 Mio. Euro im Jahr. Davon sind rund 300 Mio. Euro für Netze, Windkraft und Trinkwasser in Niederösterreich vorgesehen. Aktuell habe die EVN im Konzern eine installierte Windkraftleistung von 336 MW. Drei neue Projekte sind in Bau, damit sollen im Herbst 31 MW dazukommen. Längerfristiges Ziel sind 500 MW Windkraftleistung.

In den Ausbau der überregionalen Trinkwassernetze in Niederösterreich werden bis 2030 rund 165 Mio. Euro investiert. Geplant sind rund 300 Kilometer zusätzliche Transportleitungen. Die EVN verweist dabei auf ein erwartetes Bevölkerungswachstum von rund 20 Prozent im ihrem Versorgungsgebiet in diesem Zeitraum, von rund 570.000 Personen 2017/18. Zudem stiegen auch die Qualitätsanforderungen.

Quelle: APA

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