Wirtschaft

Fidelity erwartet größere Wirtschaftskrise als 2008/09

Der Vermögensverwalter Fidelity International rechnet aufgrund der Coronavirus-Epidemie mit einer der größten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten. "Weder die Krisen 2001 oder 2008/09 sind mit der aktuellen Situation vergleichbar", sagte Fidelity-Manager Christian Machts im APA-Gespräch. "Wir werden sehr viel massivere Auswirkungen sehen als bei der Finanzkrise."

Massivere Auswirkungen als nach der Finanzkrise befürchtet SN/APA (AFP)/APU GOMES
Massivere Auswirkungen als nach der Finanzkrise befürchtet

Einen Shutdown - also einen Stillstand wie jetzt wegen dem Coronavirus - habe die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt. Der Schaden für die Weltwirtschaft und die Dauer des Wirtschaftseinbruchs sei derzeit noch "schwer abschätzbar", sagte Machts. Er ist für den Fidelity-Drittvertrieb in Deutschland, Österreich und Osteuropa verantwortlich. Vor allem die Corona-Auswirkungen in den USA und Indien seien noch nicht prognostizierbar.

Am Donnerstag wurden die aktuellen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA bekanntgegeben. Ihre Zahl hat sich in der Woche bis 28. März von 3,3 Millionen auf nunmehr 6,65 Millionen etwa verdoppelt. "Das zeigt die Dramatik der Krise", so Machts.

Fidelity ist einer der größten Fondsanbieter weltweit und verwaltete Ende März rund 474 Mrd. Dollar (433 Mrd. Euro). Die Coronavirus-Ausbreitung hat im März die Börsen weltweit abstürzen und Vermögenswerte schmelzen lassen. Der US-amerikanische Aktienindex Dow Jones und der deutsche DAX verloren rund ein Fünftel ihres Werts, der Wiener ATX sogar minus 30 Prozent. Bei Fidelity habe es im März von Kunden "keine großen Umschichtungen und Panikverkäufe" geben, sagte Machts. Die Nettoabflüsse seien international "extrem überschaubar" gewesen, in Österreich "plus minus null".

Die Gründe für das Abwarten der Anleger sieht der Fidelity-Manager einerseits in der Geschwindigkeit des Börsenabsturzes inklusive deutlichen Aufwärtsbewegungen und persönlicher Betroffenheit durch den Corona-Stillstand. In dieser Ausnahmesituation gebe es im Moment für viele wohl wichtigeres als ihre Finanzen zu sortieren. In den nächsten Wochen oder Monaten könnte es aber schon zu Umschichtungen oder Abflüssen kommen. "Diese Krise ist ein erneuter massiver Rückschlag für die Aktienkultur in der Breite", erwartet der Fidelity-Manager.

Auf eine Prognose wie es mit dem Aktienmarkt in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen wird, will sich der Vermögensverwalter nicht einlassen. "Die Unsicherheit wird uns noch länger begleiten", so Machts. Wenn es mehr Klarheit gebe, werde es eine "brachiale Erholung" am Aktienmarkt geben. Anlegern rate man zu einem schrittweisen Einstieg, etwa im Bereich Technologie, Pharma, nachhaltige Investments oder länderspezifisch in Asien. Man empfehle Schritt für Schritt jeweils fünf bis zehn Prozent der Gesamtsumme zu veranlagen.

Quelle: APA

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