Wirtschaft

Firmen sollten mehr Menschen mit Behinderung einstellen

AMS-Vorstand Johannes Kopf appelliert an heimische Unternehmen, mehr mit Menschen mit Behinderung einzustellen. Kopf will die Firmen aber nicht mit höheren Pönalezahlungen (Ausgleichstaxe) dazu bringen, sondern will mehr Bewusstsein für das Thema schaffen, sagte er bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.

AMS-Chef Kopf appelliert an Österreichs Unternehmen SN/APA/HANS KLAUS TECHT
AMS-Chef Kopf appelliert an Österreichs Unternehmen

Derzeit müssen alle Dienstgeber, die in Österreich 25 oder mehr Dienstnehmer beschäftigen, auf je 25 Beschäftigte einen begünstigten Behinderten (Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent) einstellen. Wenn die Beschäftigungspflicht nicht oder nicht zur Gänze erfüllt wird, muss pro offener Pflichtstelle und Monat eine Ausgleichstaxe in Höhe von 262 Euro bezahlt werden. Bei größeren Betrieben mit 100 oder mehr Beschäftigten steigt die Ausgleichstaxe auf 368 Euro, bei Firmen mit 400 Mitarbeitern oder mehr auf 391 Euro. Die Einnahmen werden zweckgebunden für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung verwendet.

Derzeit zahlen rund 11.000 Unternehmen in Österreich eine Ausgleichstaxe, so Kopf. Er hofft, dass auch der Fachkräftemangel bei den Unternehmen zu einem stärkeren Umdenken führt. Aktuell hat das Arbeitsmarktservice (AMS) knapp 3.300 offene Stellen registriert, die sich besonders an Jobsuchende mit Behinderung richten.

Der Wiener Berater myAbility (ehemals Career Moves), der auch eine Jobplattform betreibt, feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen. Für myAbility-Gründer Gregor Demblin hat sich in den vergangenen Jahren die Lage für Jobsuchende mit Behinderung "stark verbessert", es gibt aber trotzdem noch sehr viel zu tun. Viele Unternehmen hätten sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt und man müsste mehr Bewusstsein schaffen. Keine räumliche Barrierefreiheit und Barrieren "im Kopf" gebe es noch in vielen Unternehmen und auch in einigen Schulen sowie auf Unis und Fachhochschulen. Reformbedarf sieht Demblin unter anderem beim "zersplitterten Fördersystem", beim Rekrutierungsprozess und bei der Ausgleichstaxe.

Als weltweites Positivbeispiel verwies der myAbility-Gründer auf die britische Organisation Remploy, die das Recruiting von Arbeitskräften mit Behinderung für Unternehmen zentralisiert organisiert. Unternehmen könnten dann aus wenigen qualifizierten Bewerbern auswählen. Bei der Ausgleichstaxe plädiert Demblin für den Umbau zu einem Bonus-Malus-System. Kleine Unternehmen oder Firmen, die mehr Menschen mit Behinderung beschäftigen, sollten einen finanziellen Bonus bekommen und Firmen, die zu wenige tun, eine Pönale zahlen müssen. Das Thema sei aber bei der myAbility-Beratung von Firmen nicht besonders im Vordergrund. "Die Ausgleichstaxe ist nicht das entscheidende Argument."

2018 waren laut Arbeitsmarktservice nur 56,3 Prozent der begünstigt Behinderten erwerbstätig, was deutlich unter der Erwerbstätigkeitsquote in der Gesamtbevölkerung von rund 69 Prozent liegt. Insgesamt leben in Österreich rund 1,7 Millionen Menschen mit Behinderung. Nur 110.741 haben den Begünstigtenstatus. Laut Demblin würden viele Menschen mit Behinderung gar nicht um den Begünstigtenstatus ansuchen.

Der Handelskonzern Rewe (u.a. Billa, Bipa, Merkur, Penny) hat im Jahr 2015 mit myAbility eine Disability-Strategie entwickelt hat. Seitdem ist die Zahl der Mitarbeiter mit Behinderung um 50 Prozent auf 600 gestiegen. Seit es die Strategie gebe, würden Führungskräfte mit dem Thema mutiger umgehen, sagte Caroline Wallner-Mikl, Disability-Managerin bei Rewe. Auch bei der Energie Steiermark setzt man sich verstärkt mit dem Thema Inklusion auseinander. "In unserem Unternehmen ist es uns besonders wichtig, die passenden Rahmenbedingungen für Mitarbeiter mit Behinderung zu schaffen", so Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark. Das reiche von der Ausbildung bis zu barrierefreien E-Autos.

Quelle: APA

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