Wirtschaft

Frauen fühlen sich im Beruf nach wie vor stark benachteiligt

In der Pandemie hat sich die Chancengleichheit von Mann und Frau in der Arbeitswelt weiter verschlechtert, so das Ergebnis einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte. Die Geschlechtergleichstellung habe in vielen österreichischen Unternehmen sogar an Bedeutung verloren, die entsprechenden Maßnahmen gingen insgesamt zurück, wird wenige Tage vor dem Weltfrauentag am 8. März "großer Nachholbedarf" geortet.

Chancengleichheit im Job führt nach wie vor ein Schattendasein SN/APA/dpa (Themenbild)/Annette Rie
Chancengleichheit im Job führt nach wie vor ein Schattendasein

Österreichs Unternehmen seien "mehrheitlich noch weit von echter Chancengleichheit entfernt", so das Fazit. Die Bedeutung der Gleichstellung in den Betrieben sei "weiterhin gering". Im Vergleich zum Vorjahr sei sie sogar um 4 Prozent gesunken - nur 43 Prozent der Befragten vergaben bei der aktuellen Erhebung einen "hohen Reifegrad". Kleinere Betriebe erweisen sich dabei aber noch als fortschrittlicher als größere: Insgesamt hätten sie im Vergleich zum vergangenen Jahr in Sachen Gleichstellung etwas aufgeholt, so die Unternehmensberatung.

Gleichstellungsorientierte Firmen setzen laut Deloitte verstärkt Maßnahmen zur flexiblen Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort. Als besonders hilfreich wurden von den Befragten in diesem Zusammenhang Maßnahmen wie die virtuelle Teilnahme an Meetings und ein höheres Maß an Selbstorganisation bei der Erfüllung von Aufgaben eingestuft. Flexibilität wirke sich auf die Karriere und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben aus, fehlende Flexibilität wirke sich besonders negativ auf Karrierechancen aus.

29 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer gaben an, dass die eigene inhaltliche und fachliche Verantwortung mit den flexiblen Möglichkeiten gestiegen sei. Auf die Work-Life-Balance wirke sich die Flexibilität für 49 Prozent der Frauen positiv aus, für 24 Prozent allerdings auch negativ. 55 Prozent der Befragten, die betreffend Arbeitszeit gar nicht flexibel sind, orten im Zuge der Pandemie gesunkene Karrierechancen.

Frauen wünschen sich von den Arbeitgebern den Angaben zufolge vor allem mehr finanzielle Unterstützung von Betreuungs- und Pflegeangeboten, regelmäßige Gespräche zur Arbeitsauslastung und klar vereinbarte Kernarbeitszeiten.

Generell tragen flexible Arbeitszeitmodelle - sowohl räumlich (Stichwort Homeoffice) als auch zeitlich - der Erhebung zufolge zu einer besseren Stimmung im Unternehmen bei. Von der größeren Flexibilität, auf die zahlreiche Unternehmen in den vergangenen Monaten pandemiebedingt umgestellt haben, profitierten derzeit aber öfter Männer als Frauen. Bei den weiblichen Erwerbstätigen führten flexible Arbeitszeiten häufiger zu einem höheren Arbeitspensum als bei Männern, der Arbeitsdruck steige.

An der Online-Umfrage im Februar nahmen 534 Frauen und Männer teil.

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