Frauen und Technik, Wunsch und Wirklichkeit

Es herrscht Einigkeit, dass die Wirtschaft mehr Frauen in der Technik braucht.
Die wollen auch. Nur beide passen oft nicht zusammen.

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Standpunkt Karin Zauner

Hier sind die Unternehmen, die händeringend nach technischem Personal suchen und liebend gern, wie sie betonen, auch Frauen nehmen würden. Dort sind die technisch begabten Frauen mit tollen Schulabschlüssen, die dann Psychologie oder Rechtswissenschaften studieren oder Kindergärtnerinnen werden.

Auf der einen Seite fürchten die Unternehmen derzeit nichts mehr, als dass ihnen der wirtschaftliche Erfolg wegen des Mangels an technisch ausgebildeten Kräften verleidet wird. Auf der anderen Seite klagen die Frauen über die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen und wählen dennoch schlechter bezahlte Frauenberufe für sich.

Diese Liste ließe sich fortsetzen. Sie wirft die Frage auf: Warum können Technik und Frauen nicht im genügenden Ausmaß zueinanderkommen? Das ist schwer verständlich, zumal das Interesse aufseiten der Frauen und bei Technik-Unternehmen groß ist, wie die erste österreichische Frauenmesse für technische Berufe in Wien vor wenigen Wochen eindrucksvoll gezeigt hat.

Eine Idee für die Gründe dieses Dilemmas bekommt man, wenn man mit Frauen spricht, die in technischen Berufen arbeiten. Sie sagen Dinge wie: "Ich darf mir nicht den kleinsten Fehler erlauben, weil es dann heißt, eh klar, die Frauen können das nicht." Der unbewussten Vorurteile muss man sich bewusst werden und gegen sie ankämpfen. Als Minderheit werden Technikerinnen gern überhört, übersehen und mangels Frauenschaftsstärke finden sie weder interne Netzwerke noch ausreichend Mentorinnen oder Rollenvorbilder.

Das klassische Ei-Henne-Problem besteht darin, dass die wenigen Frauen in der Technik nicht gerade ihresgleichen ermutigen, dorthin zu streben. Und gleichzeitig sind jene hervorragenden Frauen, die es in der Technik sehr wohl gibt, oft nicht sichtbar.

Da es sich die österreichische Wirtschaft und die Frauen nicht leisten können beziehungsweise nicht leisten sollten, das schlechte Verhältnis zwischen Frau und Technik weiter zu pflegen, heißt es handeln. Förderprogramme an Schulen, Universitäten und in Kammern allein genügen nicht. Genauso wenig wie der Einsatz vereinzelter Frauen. Betriebe müssen mehr Frauen für die Technik rekrutieren und dann auch daran arbeiten, dass diese in den Betrieben ein Umfeld haben, in dem sie ihre Leistungen zeigen können. Damit die Super-Ingenieurin nach fünf Jahren nicht davonrennt und einen Cupcake-Shop aufmacht.

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