Wirtschaft

Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer

Die Einkommenssituation von Frauen hat sich in Österreich kaum verbessert. Frauen verdienten im Jahr 2020 in der Privatwirtschaft insgesamt um fast ein Fünftel (18,9 Prozent) brutto pro Stunde weniger als Männer, zeigen Daten der Statistik Austria. Ein bisschen was hat sich aber schon getan: 2010 lag der sogenannte Gender Pay Gap noch bei 24,0 Prozent. In der EU zählt Österreich aber weiterhin zu den negativen Spitzenreitern.

73 % der 25- bis 49-Jährigen mit Kindern unter 15 arbeiten Teilzeit SN/APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL
73 % der 25- bis 49-Jährigen mit Kindern unter 15 arbeiten Teilzeit

Nur in Lettland und Estland war der Gender Pay Gap 2020 noch größer. Der EU-Durchschnitt lag in diesem Jahr bei 13,0 Prozent. Am niedrigsten waren die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in Luxemburg (0,7 Prozent), Rumänien (2,4 Prozent) und Slowenien (3,1 Prozent).

Ausbildungsgrad oder Krisen auf dem Arbeitsmarkt können den Gender Pay Gap beeinflussen. "Ginge es rein nach der formalen Ausbildung, dann müssten Frauen bereits mehr verdienen als Männer", schreibt die Statistik Austria am Donnerstag laut einer Aussendung. 2010 verfügten 16,2 Prozent der erwerbstätigen Frauen über einen Hochschulabschluss und 14,1 Prozent der Männer. 2020 waren es bereits 24,1 Prozent der Frauen und 18,9 Prozent der Männer.

Im Zuge der Coronapandemie sei die Veränderung der im Durchschnitt höheren Einkommen der Männer etwas stärker hinter jener der Frauen zurückgeblieben, so die Statistik Austria. Der Gender Pay Gap verringerte sich damit um 1 Prozentpunkt von 19,9 Prozent im Jahr 2019 auf 18,9 Prozent im Jahr 2020. Das war mehr als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 mit 0,8 Prozentpunkten und doppelt so stark wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mit 0,5 Prozentpunkten pro Jahr.

Die Ursachen dafür liegen gemäß Statistik Austria in der unterschiedlichen Arbeitsmarktstruktur. Am stärksten von der Coronakrise betroffen war die weiblich dominierte Branche Beherbergung und Gastronomie. Hier seien aufgrund des niedrigen Lohnniveaus vor allem gering entlohnte Arbeitsplätze verloren gegangen, dadurch seien verhältnismäßig mehr Frauen mit besseren Verdiensten auf dem Arbeitsmarkt verblieben. Gleichzeitig seien in der Krise in Summe weniger Überstunden geleistet worden, was Männer stärker betroffen habe als Frauen. Zudem habe Kurzarbeit vorübergehend zu Lohneinbußen in den betroffenen Branchen geführt, heißt es.

Die Erwerbstätigkeit ist im ersten Coronajahr 2020 sowohl bei Frauen als auch bei Männern gesunken, die Arbeitslosigkeit wiederum ist gestiegen. Bezogen auf alle Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren ist die Erwerbstätigenquote der Frauen von 2019 auf 2020 um 0,8 Prozentpunkte auf 68,3 Prozent gesunken, jene der Männer dagegen um 1,5 Prozentpunkte auf 76,5 Prozent. Nach nationaler Definition waren im Jahr 2020 9,7 Prozent der Frauen (+2,6 Prozentpunkte) und 10,1 Prozent der Männer (+2,5 Prozentpunkte) arbeitslos. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei den Frauen (+37,9 Prozent) stärker gestiegen als bei den Männern (+34,4 Prozent).

Teilzeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen ausgeübt. Die Teilzeitquote der Frauen lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 47,3 Prozent und nahm im Vergleich zum Jahr davor nur geringfügig um 0,4 Prozentpunkte ab. Bei Männern betrug die Teilzeitquote 2020 nur 10,7 Prozent und blieb gegenüber dem Niveau vor der Krise unverändert.

"Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit, um Betreuungsaufgaben und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren", so die Statistik Austria. Die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren lag im Jahr 2020 bei 72,8 Prozent. Die Teilzeitquote der Männer mit Kindern unter 15 Jahren war dagegen mit 6,9 Prozent niedriger als der Durchschnitt aller Männer in Teilzeit.

Die Unterschiede am Arbeitsmarkt spiegeln sich auch in der Höhe der Pensionen wider. Die monatlichen Alterspensionen der Frauen waren im Durchschnitt um 42,1 Prozent niedriger als jene der Männer. Bezogen auf die Daten des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger betrug die durchschnittliche Alterspension bei den Frauen im Jahr 2020 1.219 Euro und bei den Männern 2.104 Euro brutto pro Monat.

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