Österreich

Ganslessen zu Martini: Weidegans und Billigimport

Die Ganslsaison steht vor der Tür und damit auch die Entscheidung zwischen einem heimischen Tier und einem Billigimport.

Ganslessen zu Martini: Weidegans und Billigimport SN/Floydine - Fotolia
Die Gans auf dem Teller der Österreicher ist noch selten eine Weidegans. Noch immer überwiegt der Billigimport.

Österreichs Bauern freuen sich, denn Konsumenten verlangen verstärkt nach Gänsen, die in Österreich gezüchtet wurden. Mittlerweile stammen von jenen 110.000 in Österreich produzierten Gänsen 40.000 von der Gemeinschaft "Österreichische Weidegans", erklärte Obfrau Heide Hebesberger Montag in Linz.

Landwirtschaftskammerpräsident Franz Reisecker sieht aber noch "Luft nach oben". Denn Billigimporte vor allem aus Ungarn und Polen bestimmen den Markt. Knapp 500.000 Tiere aus Osteuropa werden im Durchschnitt zur Saison in Österreich verkauft, der gesamte Inlandsanteil mache zwischen 15 und 25 Prozent aus.

Dennoch sprach Hebesberger von einer "Erfolgsgeschichte" ihrer Vereinigung. Vor 20 Jahren startete die Initiative im Mühlviertel mit zehn Bauern. Inzwischen sind es 244 bundesweit. Im Gegensatz zu anderen heimischen Anbietern würden die Gänse nicht nur auf Grünlandwiesen gehalten, auch die Küken stammen ausschließlich aus dem Inland, während andere Produzenten im Ausland zukaufen würden. Der Anteil der Biobetriebe betrage 40 Prozent. Ein Kilo Fleisch koste 11 Euro bzw. 12,50 Euro für Bio.

"Kampfpreise" aus dem Osten

Auch wenn man mit "den Kampfpreisen aus dem Osten" nicht konkurrieren könne, sehen sich die Weidegans-Bauern dennoch im Aufwind. Die Nachfrage nach Qualitätsprodukten steige kontinuierlich mit jedem Jahr. Doch nicht nur das Fleisch wird vermarktet: "Die Daune ist unsere Leidenschaft", so die Obfrau. Die Unterfeder der rund 28 Wochen alten Tiere sei besonders hochwertig. Mit der Firma Kaufmann in Vorarlberg, die sie verarbeitet, wurden die Dauen auch auf dem japanischen Markt platziert. Trotz dieser guten Entwicklung des Absatzes betonte die Obfrau, sei die Haltung dieses saisonalen Geflügels aber nur ein Nebenerwerb.

Üppiges Essen

Martinigänse fallen mit 343 Kilokalorien pro 100 Gramm nicht gerade unter die Kategorie "light". Und so landen sie rund um den 11. November nicht nur auf unseren Tellern, sondern gemeinsam mit Rotkraut und Erdäpfelknödel auf unseren Rippen. Rund 1.300 Kalorien kommen pro Portion zusammen - spätestens am nächsten Tag wäre man den fetten Vogel gerne wieder los. Über das ganze Jahr gesehen, verspeist jeder Österreicher 0,2 Kilogramm und lässt sich dazu 0,5 bis 0,6 Kilogramm Rotkraut schmecken.

Martinigans

Die Martinigans hat übrigens eine jahrhundertelange Tradition. Bereits 1171 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Damals hatte sie allerdings einen anderen Zweck, als einen weiteren Höhepunkt im kulinarischen Jahreskreis zu bieten. Am 11. November endete früher das bäuerliche Arbeitsjahr. Die Knechte erhielten ihren Lohn und als Draufgabe eine Gans. Vor der kargen Winterzeit musste die Geflügelschar stark dezimiert werden. Der Brauch knüpft an die heidnischen Schlachtfeste der Erntezeit an und wurde vom Christentum übernommen. Neben der bekannten Martinigans gehören Martinsfeuer, Martinsgestampfe gegen böse Geister und der Martinstrunk vom neuen Wein zum Brauchtum, was besonders in Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich noch praktiziert wird.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.09.2018 um 07:29 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/ganslessen-zu-martini-weidegans-und-billigimport-942460

Schlagzeilen