Wirtschaft

Gazprom-Rückzug aus Deutschland berührt Österreich nicht

Für die österreichische Gasversorgung sind durch die Trennung des russischen Staatskonzerns Gazprom von seiner deutschen Tochter Gazprom Germania mit ihren Gasspeichern in Deutschland und Österreich keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Grund: Die Mengen aus dem Salzburger Gasspeicher Haidach sind nur für den deutschen und nicht für den österreichischen Markt bestimmt. "Haidach ist ein großer deutscher Speicher", heißt es aus der Gasbranche.

Deutscher Gazprom-Rückzug für Österreich keine Gefahr SN/APA/AFP (Archivbild)/JOHN MACDOU
Deutscher Gazprom-Rückzug für Österreich keine Gefahr

Die Vermarktung des Erdgases aus dem Speicher Haidach für deutsche Kunden erfolgt vertragsgemäß schon bisher zu 100 Prozent durch die deutschen Gazprom-Ableger GSA und Astora. Mit 2,9 Mrd. m3 Erdgas ist Haidach der zweitgrößte Speicher Mitteleuropas, technischer Betreiber ist die österreichische RAG, die den Speicher auch geplant und errichtet hat. Attraktiv ist Haidach durch die besonders hohe Leistung: Die Einspeicherleistung beträgt 1,1 Mio. m3 pro Stunde, umgerechnet 11,9 Gigawatt (GW), die Ausspeicherleistung 1,2 Mio. m3 pro Stunde oder 13,1 GW. Die oberirdischen Anlagen in Haidach gehören zu je einem Drittel der österreichischen RAG, der russischen Gazprom export und der deutschen Gazprom-Tochter Wingas, die unterirdischen Teile der Republik Österreich.

Die RAG selbst ist mit einer technisch betriebenen Speicherkapazität von über 6 Mrd. m3 - gut 70 Prozent des heimischen Jahresverbrauchs - der viertgrößte Speicherbetreiber Europas. Mittlerweile hat die RAG rund die Hälfte ihrer in der 80-jährigen Firmengeschichte gefundenen Erdgaslagerstätten in Speicher umgewandelt. Neben Gazprom wird auch mit Uniper kooperiert. Der größte Gasspeicher des heimischen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV ist Schönkirchen in NÖ mit 20,7 TWh, samt Tallesbrunn sind es über 25 TWh (mehr als 2,2 Mrd. m3).

Zur Ankündigung von Gazprom, sich von seiner deutschen Tochter Germania zu trennen, herrschte auch am Montag bei Gas-Fachleuten Rätselraten. Bei der RAG erklärte man, es gebe weiterhin kein offizielles Statement seitens Gazprom, daher könne man sich dazu nicht äußern. Experten gehen davon aus, dass die Verträge weiter in Kraft sind. Im Energieministerium in Wien hatte es am Freitagnachmittag geheißen, man kenne die Ankündigung zu Gazprom Germania nur aus den Medien und prüfe gemeinsam mit E-Control und dem Marktgebietsmanager Austrian Gas Grid Management (AGGM) die Entwicklung.

Die AGGM erklärte in ihrem täglichen Lagebericht von Montagfrüh: "Die Gasflüsse in Richtung aller österreichischen Marktgebiete, auch die Importe über die Ukraine, laufen aktuell unterbrechungsfrei."

Laut Daten der AGSI (Aggregated Gas Storage Inventory) waren die heimischen Speicher mit Stand Samstag zu 13,14 Prozent gefüllt - die Menge betrug 12,55 Terawattstunden (TWh) von insgesamt 95,5 TWh Arbeitsvermögen.

Zum Vergleich: Der österreichische Erdgasverbrauch betrug voriges Jahr 96,3 TWh - umgerechnet rund 8,5 Mrd. m3.

Grund für die schon voriges Jahr sehr geringe Einspeichertätigkeit war eine Preisstruktur, die es unrentabel machte, Vorräte anzulegen. Vor allem hatte eine attraktive Differenz zwischen Sommer- und Winterpreisen gefehlt.

Die Bekanntgabe, Gazprom Germania abzustoßen, war am Freitag erfolgt, nachdem in den Tagen davor in Deutschland Spekulationen über eine mögliche Enteignung aufgekommen waren und es auch seitens der EU-Wettbewerbshüter Durchsuchungen gegeben hatte. Gasmarktexperte Fabian Huneke vom Consulter Energy Brainpool hatte am Freitag gemeint: "Die physischen Assets (Gasspeicher, Gasleitungen) die mit dem Abstoßen von Gazprom Germania aus russischer Sicht verloren gehen, können das Bauernopfer sein, um die Gaslieferverträge neu zu verhandeln." Denn Gazprom Germania halte über die Töchter Wingas und WIEH einen Großteil der Importverträge in der Hand. Die bestehenden Verträge bänden Gazprom Export aktuell noch an Währung, Preis und Menge. "Diese Vertragsbindung könnte nun aufgehoben werden, etwa über das Vehikel einer Insolvenz von Gazprom Germania und ihren mit dem Gashandel befassten Töchtern", so Huneke.

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