Wirtschaft

Geld, Golf und versenkte Milliarden: Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner gestorben

Aus bescheidenen Verhältnissen kommend arbeitete sich Helmut Elsner in die Top-Liga der Banken hoch. Um dann umso tiefer zu fallen. In Salzburg verbindet man ihn vor allem mit der Pleite der Skifirma Atomic.

Wenige Bankerkarrieren weisen derart viele Höhen und Tiefen auf wie jene von Helmut Elsner. Um seine Laufbahn zu beschreiben, drängt sich das Wort schillernd geradezu auf. Im Zeitraffer: Aus bescheidenen Verhältnissen kommend, arbeitet er sich in die heimische Bankenelite hoch, Penthouse in der Wiener City und Villa in Südfrankreich inklusive. Nach Berichten über milliardenschwere Spekulationsverluste in so genannten Karibikgeschäften beginnt Elsners Stern zu sinken. 2008 wird er im Bawag-Prozess wegen Untreue zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach vorzeitiger Entlassung wegen Haftunfähigkeit verbringt er den Lebensabend mit seiner Frau Ruth in Bad Reichenhall. Dort ist er am 18. Jänner im Alter von 86 Jahren gestorben.

Sein späterer luxuriöser Lebensstil wurde Elsner nicht in die Wiege gelegt. Seine Mutter arbeitete als Angestellte beim Kaufhaus Kastner & Öhler in Graz, der Vater war im Krieg gefallen. Nach dem Besuch der Handelsakademie trat der am 12. Mai 1935 in Wiener Neustadt geborene Elsner in die damalige Arbeiterbank ein - und arbeite sich in den nächsten elf Jahren zum Filialleiter der mittlerweile in Bawag - Bank für Arbeit und Wirtschaft - umbenannten Bank hoch.

Zielstrebigkeit und Ehrgeiz kennzeichnen auch Elsners weiteren Lebensweg. 1978 wurde er von Bawag-Chef Walter Flöttl in die Wiener Zentrale bestellt, wo er bald als "Flöttls Mann fürs Grobe" galt und das kommerzielle Großkundengeschäft leitete. In diese Zeit fallen die Pleite des Handelskonzerns Konsum (an dem die Bawag 30 Prozent hielt) und die Insolvenz der Skifirma Atomic. Die Bawag hatte beide Unternehmen lange Zeit mit Krediten unterstützt, sie dann überraschend fallengelassen und in die Insolvenz geschickt.

Diese Vorgangsweise brachte Elsner mitunter heftige Kritik ein - zumal sie gerade von einer Bank kam, die das Wort Gewerkschaft im Namen führte. Auch bei den eigenen Mitarbeitern erwarb sich Elsner den Ruf eines autoritären Umgangstons mit Mitarbeitern und Untergebenen. Manche sagten ihm einen "aufbrausenden, egozentrischen und unnahbaren Führungsstil" nach, der keinen Widerspruch duldete. Bei eleganten Auftritten mit Zigarre und dem ihm 2001 (von Bundespräsident Thomas Klestil) verliehenen Großen Goldenen Ehrenzeichen, schönen Autos und der Leidenschaft Golf verkörpert er das Paradebeispiel des erfolgreichen Bankers, besonders nach der Übernahme der Postsparkasse PSK im Jahr 2000.

Aber das Blatt wendet sich. 2005 fliegt eine Reihe von Karibikgeschäften auf, bei denen die Bawag insgesamt 1,6 Mrd. Euro in den Sand setzte und das in den Bilanzen verschleierte. Der mittlerweile pensionierte Elsner entzieht sich in der Folge konsequent den Aufforderungen zur Einvernahme - bis er im September 2006 in seiner Villa in Südfrankreich gefasst und nach Wien überstellt wird.

Im Bawag-Prozess weist Elsner konsequent jede Schuld von sich und legt sich stattdessen mit Richterin Claudia Bandion-Ortner an. Bei der Verhandlung kommt ans Licht, dass der Gewerkschaftsbund ÖGB mit seinem kompletten Streikfonds für das Bankvermögen haftete. Was letztlich mit dem Geld geschah, bleibt offen - verspekuliert, sagt der mitangeklagte Wolfgang Flöttl. Von diesem zur Seite geräumt, behauptet Elsner.

Helmut Elsner und die Atomic-Pleite

In Salzburg ist der Name Elsner untrennbar mit dem Schicksal der Skimarke Atomic verbunden. Deren Fortbestand stand im Jahr 1994 auf der Kippe. Atomic war massiv in die Überschuldung geraten, die Schulden waren auf fast zwei Milliarden Schilling - 145 Mill. Euro - geklettert und überstiegen den Jahresumsatz. Als Hausbank kam der damaligen Gewerkschaftsbank Bawag eine Schlüsselrolle zu. Ihr wichtigster Akteur war als Leiter des kommerziellen Großkundengeschäfts Helmut Elsner, der im Jahr darauf zum Bawag-Generaldirektor befördert wurde.


"Konkurs von Atomic besiegelt" titelte diese Zeitung am 16. September 1994. Am Tag zuvor hatte die Bawag den Konkurs über die Skifabrik und ihren Gründer Alois Rohrmoser beantragt. Dieser stand damit vor den Trümmern seines Lebenswerks. 1955 hatte Rohrmoser die Skimarke mit Werken in Wagrain und Altenmarkt gegründet und dank erfolgreicher Rennläufer wie Annemarie Moser-Pröll an die Weltspitze geführt.

Ein erbitterter Streit entbrannte zwischen Elsner und Rohrmoser, der selbst in die Privatinsolvenz schlitterte. Elsner lehnte sein Verkaufsangebot ebenso ab wie eine österreichische Lösung mit Head. Atomic ging an die finnische Amer-Gruppe. Nach Auftritten Elsners im Atomic-Werk zeigten sich Mitarbeiter hin- und hergerissen zwischen "Ablehnung wegen seiner Großmannssucht und Bewunderung wegen rascher Entscheidungen".

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