Österreich

Geldpolitik wird von der Lösung zum Problem

Die Oberbank entwickelt sich im Umfeld niedriger Zinsen dennoch gut. Die Kreditnachfrage ist hoch, die nächste Kapitalerhöhung steht bevor.

Geldpolitik wird von der Lösung zum Problem SN/oberbank
Die Oberbank hat die Risiken im Kreditgeschäft gut im Griff. Der Anteil der notleidenden Kredite an den gesamten Ausleihungen liegt unter drei Prozent. Oberbank

Für Oberbank-Vorstandschef Franz Gasselsberger schießt die Europäische Zentralbank mit ihrer expansiven Geldpolitik längst übers Ziel hinaus, "der Saldo ist negativ". Die extrem niedrigen Zinsen brächten mittlerweile auch gesunde Banken, Pensionskassen und Versicherer in Bedrängnis, sagte Gasselsberger bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse der Oberbank. Er hält eine bessere Koordination von Politik und EZB für nötig, denn derzeit sei es so, dass "die EZB Gas gibt und die Regulatoren bremsen".

Die überbordende Regulierung ist Gasselsberger ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Eigenkapitalvorschriften in Basel III seien noch nicht einmal vollständig umgesetzt, "schon schaut Basel IV ums Eck". Das Nachfolge-Regelwerk sei eine "unterschätzte Gefahr" und werde die Lage noch einmal verschärfen. Erleichterungen bei der Kreditvergabe an Klein- und Mittelbetriebe sollen fallen, auch bei Wohnbau- und gewerblichen Immobilienkrediten zeichneten sich Verschärfungen ab. Das könnte das zarte Pflänzchen der Konjunkturerholung gefährden. Laut Gasselsberger sollte man zuerst evaluieren, was Basel III bringt, "aber der Zug fährt schnell".

Auch wenn er mit der Niedrigzinspolitik hadert, kommt die Oberbank damit ganz gut zurecht. Die Zinsspanne ist sogar leicht gestiegen. Wenn man über eine gute Kreditnachfrage verfüge, könne man auch an der Konditionenschraube drehen. Als Bank mit guter Bonität komme man auch günstig zu Einlagen. Im ersten Halbjahr legte das Kreditvolumen in der Oberbank gegenüber 2015 um 5,4 Prozent auf 13,4 Mrd. Euro zu. Bei Firmenkrediten gab es ein Plus von 4,8 Prozent, die Ausleihungen an Privatkunden legten von Jänner bis Juni um 7,6 Prozent zu. Gleichzeitig sei man im ersten Halbjahr mit nur 17,2 Mill. Euro neu zu bildenden Vorsorgen für Kreditrisiken ausgekommen, um 37 Prozent weniger als 2015. Per Juni weist die Bank 104,8 Mill. Euro Vorsteuergewinn aus.

Zur Finanzierung der Expansion - heuer wurden fünf Filialen eröffnet - plant die Oberbank die nächste Kapitalerhöhung. Wenn das Marktumfeld passe, erwäge man für das vierte Quartal eine Aufstockung des Grundkapitals um fünf bis sechs Mill. Euro, sagte Gasselsberger. Damit würde die Kernkapitalquote (Ende Juni: 14,0) auf 15 bis 15,5 Prozent steigen. Dass der Verwaltungsaufwand um 8,9 Prozent stieg, hat damit zu tun, dass rund 200 Mitarbeiter in eine Dienstleistungsgesellschaft transferiert wurden. Sie sollen nach und nach vom Kollektivvertrag für Banken in jenen für das Gewerbe wechseln. Langfristig soll das eine Mill. Euro einsparen. Es gebe aber keinen Druck durch Änderungskündigungen. Die reformierte Bankenabgabe werde einmalig 22 Mill. Euro kosten, sagte Gasselsberger, ab 2017 reduzieren sich die laufenden Kosten dann von 14,5 auf rund zwei bis drei Mill. Euro.

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