Wirtschaft

Gemeinnützige stellten 2019 fast 17.000 Wohnungen fertig

Die 185 gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) in Österreich haben voriges Jahr 16.970 Wohnungen fertiggestellt, fast 10 Prozent mehr als im Jahr davor. Heuer gab es durch die Coronakrise nur einen kleinen Rückschlag von rund einem Monat, weil die Baustellen für zwei bis sechs Wochen stillgestanden seien, sagte GBV-Obmann Bernd Rießland im APA-Gespräch.

Die im Schnitt einmonatige Bauverzögerung sei "2020 nicht mehr aufholbar". Nach der Wiederaufnahme der Bautätigkeit hoffe man nun, dass ab Mai auch wieder die Einreise der so wichtigen Bauarbeiter aus Polen nach Österreich wieder möglich sein sollte. Etwas abgemildert werde der Rückstand dadurch, dass die Bautätigkeit auch der Gemeinnützigen vom warmen Winter 2019/20 profitiert habe. So hoffe man, heuer an das Bauvolumen von 2019 anknüpfen zu können, an sich wäre es 2020 höher gewesen, so Rießland.

Abgesehen von dem verlorenen Monat werde man heuer und 2021 als Konjunkturmotor tätig sein, Projekte gebe es genug. Auch die thermischen Sanierungen werde man fortsetzen, in zwei Jahren habe man den Großteil der 60er-, 70er-Bauten aber erledigt. "Zur Krisenbewältigung trägt das noch über 2021 drüber, dann ist es ökologischen gesehen abgeschlossen", so der GBV-Obmann. Er sieht als "das" nächste Thema die systematische Umstellung der Heizsysteme weg von Gas - "Öl gibt es in unseren Wohnungen eh nicht" - hin zu Photovoltaik und strombetriebenen Wärmepumpen, Fernwärme kommt in vielen Neubauten ohnedies automatisch.

Das GBV-Neubauvolumen von knapp 3 Mrd. Euro nebst 7.100 Sanierungen über 929 Mio. Euro allein voriges Jahr zeigen die Kraft als Konjunkturmotor, sagt auch Vizeverbandsobmann Herwig Pernsteiner, der im Sektor in Oberösterreich tätig ist.

Mit den vorjährigen knapp 17.000 Wohnungs-Fertigstellung lag man deutlich über dem 10-jährigen Schnitt. Fast ein Drittel der Wohnungen wurde von Bauvereinigungen mit Sitz in Wien errichtet. In Bau befindlich waren zu Jahresbeginn fast 33.000 Einheiten, auch hier rund ein Drittel davon in Wien. Dass jeder dritte Baufortschritt ebenfalls auf Wien entfalle, sei gut, denn hier sei der Bedarf am höchsten. Mit Wien, Ober- und Niederösterreich sowie Vorarlberg setzten mit den Fertigstellungen 2019 gleich vier Bundesländer einen neuen Meilenstein und übertrafen dabei den 20-jährigen Schnitt an leistbaren Wohnungen deutlich. Die anderen Bundesländer lagen im 10-Jahres-Schnitt oder aufgrund der üblichen 2-Jahres-Schwankungen leicht darunter.

Damit man auch künftig den Menschen leistbaren Wohnraum zur Verfügung stellen könne, seien die Grundstücksbereitstellungen das Wichtigste für den gemeinnützigen Sektor, betonte Rießland. Ausreichend Grundflächen für den Wohnbau zur Verfügung zu haben, stehe zwar immer in den Regierungsprogrammen drinnen, man müsse aber auf dem Thema "draufbleiben".

Pernsteiner wünscht sich raschere Bewilligungs- und Bauverfahren, "damit wir im zweiten Halbjahr wieder ins Bauen kommen können". Im Frühjahr seien viele baurechtliche Verfahren ins Stocken geraten, weil dafür auch Verwaltungseinheiten der Städte und Gemeinden (der Baubehörden erster Instanz) nötig seien. "Die sind oft aber noch nicht bereit, außer Haus zu Terminen zu gehen."

Für die Finanzierungen sieht Rießland auch in der Coronakrise grundsätzlich keine Probleme für die Gemeinnützigen, denn diese seien mit ihrer hohen Bonität und Null Ausfallsrisiko in den letzten 50 Jahren gute Partner für die Banken. Schwieriger werden könnte es für den GBV-Sektor nur, falls es von anderer Seite nun durch die Krise deutlich mehr Kreditnachfrage geben sollte.

Österreich sollte für den gemeinnützigen Wohnungssektor günstige Mittel der Europäischen Investitionsbank (EIB) heranziehen, auch wenn seinerzeit die dafür als Geld-Drehscheibe gedachte Wohnbauinvestitionsbank (WBIB) nicht zustande gekommen sei. "Die EIB hat Programmlinien dafür, braucht aber ein klares Ja des Staates bzw. der Politik", sagt Rießland, seit Jahrzehnten mit Immo-Finanzierungen befasst: "Wer sagt, das geht nicht, der will nicht." Die Garantien seien nicht maastrichtwirksam, abgesehen davon dass die Maastricht-Kriterien in der Krise wohl ohnedies aufgeweicht würden. "Das würde sehr gut dazupassen. Man braucht einen Investitionsmotor. Wir haben genug Projekte. Die EIB geht nur bis 50 Prozent Anteil - die Banken würden also drinnenbleiben mit ihrem Geschäft." Die Abwicklung von EIB-Geldern "würden wir sogar gratis als ein Mitgliederservice machen", sagt der GBV-Obmann, der darauf verweist, dass in der Schweiz dafür "ein Büro mit vier Personen" reicht.

Quelle: APA

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