Wirtschaft

Georg Knill wird neuer Präsident der Industriellenvereinigung

Die Kampfabstimmung um den Vorsitz in der Industriellenvereinigung gewann der steirische Kandidat klar. Nach der geschlagenen Wahl erhebt er erste Forderungen.

Georg Knill setzte sich durch. SN/iv
Georg Knill setzte sich durch.

Ex-Voestalpine-Chef Wolfgang Eder flog als erster aus dem Rennen, wenn auch nur knapp. Die Frage, wer zum neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung gewählt wird, war am Donnerstag erstmals völlig offen: Eine Kampfabstimmung unter drei Kandidaten hatte es zuvor nie gegeben. In der Stichwahl war die Sache dann klar: Der Steirer Georg Knill versammelte eine deutliche Mehrheit der 134 Mitglieder des Bundesvorstands hinter sich und setzte sich gegen Konkurrenten Martin Ohneberg, Chef der Vorarlberger Industrie, durch. Seine Stellvertreter für die vierjährige Funktionsperiode werden Infineon-Chefin Sabine Herlitschka und Philipp von Lattorff, Geschäftsführer bei Boehringer Ingelheim.

Der 47-jährige folgt auf den Wiener Unternehmer Georg Kapsch, der den IV-Vorsitz nach acht Jahren abgeben musste. Kapsch hatte sich zuletzt in einem Brief an die Vorstandsmitglieder für Knill als seinen Nachfolger ausgesprochen. Dieser ist seit 20 Jahren in der Industriellenvereinigung aktiv und seit 2016 Präsident der steirischen Landesorganisation.

Unternehmenseigentümer setzt sich durch

Im Dreikampf hat sich somit ein - relativ junger - Unternehmenseigner durchgesetzt - und kein Manager wie Eder. Knill startete seine Laufbahn nach dem HTL-Abschluss 1993 im Familienbetrieb, der Knill-Gruppe in Weiz. Gemeinsam mit seinem Bruder führt er heute den Industriekonzern. Dieser ist ebenfalls gut vernetzt. Christian Knill führt für den Fachverband der Metallindustrie als Chefverhandler der Arbeitgeber die Kollektivvertragsverhandlungen. Die Knill-Gruppe beschäftigt weltweit 2200 Mitarbeiter und produziert in zwei Gesellschaften Komponenten der Energieinfrastruktur sowie der Kabel- und Glasfaserindustrie. Der Konzern geht auf die vor über 300 Jahren gegründete Klingenschmiede Mosdorfer zurück. Damals wurden Säbel, Sicheln und Klingen gefertigt, auch für die kaiserliche Armee.

Das Säbelrasseln bei der Industriellenvereinigung ist nun jedenfalls zu Ende. Der Kampfabstimmung vom Donnerstag waren wochenlanger Streit und Grabenkämpfe rivalisierender Gruppen vorangegangen. Zu tun gibt es für Knill, der sein Amt mitten in einer Wirtschaftskrise historischen Ausmaßes antritt, genug. Nach seiner Wahl erhob Knill - verheiratet und Vater zweier Töchter - auch schon erste Forderungen. Es brauche ein starkes, entschlossenes Krisenmanagement, um den Standort Österreich wieder stark aufzustellen, sagte er in einer ersten Reaktion am Donnerstag und forderte etwa die Vorziehung sinnvoller öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur und die Senkung der Lohnnebenkosten. "Auch bei der Körperschaftsteuer müssen wir etwas tun." Österreich habe zudem Aufholbedarf, etwa bei Innovation, Technologie und Digitalisierung. "Österreich ist hier nur im Mittelfeld - wir müssen aber ins Spitzenfeld kommen. Dafür brauchen wir Menschen mit den richtigen Qualifikationen", sagt Knill. Das gelte generell auch für Europa, den "Green Deal" der EU sieht er positiv.

Gratulationen trudelten bei Knill am Donnerstag zahlreich ein - von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck oder WKÖ-Präsident Harald Mahrer, aber auch von den Oppositionsparteien FPÖ und Neos.

Die Industriellenvereinigung ist die freiwillige Interessensvertretung der Industrie mit rund 4200 Mitgliedern. Sie ist zwar kein offizieller Sozialpartner, hat aber erheblichen politischen Einfluss und zieht oft im Hintergrund die Fäden.

Quelle: SN

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