Wirtschaft

Geschäfte und Friseure im Osten wieder offen

Nach über einem Monat hartem Lockdown ist auch in Wien wieder etwas Normalität eingekehrt. Neben dem Handel haben am Montag Friseure, Kosmetikerinnen, Fußpfleger und andere "körpernahe Dienstleister" geöffnet. Die Dienstleister melden "volle Terminkalender", im Handel sei die Frequenz ganz gut, die Kunden seien allerdings noch zaghaft, räumte Margarete Gumprecht, Handelsobfrau der Wirtschaftskammer Wien, ein. Wermutstropfen bleiben geschlossene Cafés und fehlende Touristen.

Offene Geschäfte nach über einem Monat hartem Lockdown in Wien SN/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
Offene Geschäfte nach über einem Monat hartem Lockdown in Wien

Sowohl in Wien als auch in Niederösterreich melden die Shoppingcenter-Betreiber heute laut Handelsverband einen guten Betrieb, überdurchschnittliche Umsatzzahlen und zahlreiche Schnäppchenjäger. Deutlich weniger Andrang verzeichneten die Geschäfte in den B- und C-Lagen, also abseits der großen Einkaufsstraßen. "Bei den Umsätzen sehen die meisten noch viel Luft nach oben. In Einkaufszentren und Einkaufsstraßen kam es immer wieder zu größeren Schlangenbildungen, ein großer Ansturm wie nach dem ersten Lockdown blieb aber aus", zog Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will Bilanz.

Eine starke Kundennachfrage verzeichneten insbesondere Bau- und Gartencenter, aber auch zahlreiche Bekleidungsgeschäfte. Vielerorts sei der Umsatz deutlich höher ausgefallen als an einem "normalen" Einkaufsmontag. Zahlreiche Händler lockten zudem mit Angeboten, um nach dem vierten Lockdown ihre Frühlingswaren zu verkaufen. "Bald stehen die Urlaubsgelder an, daher zählt jetzt besonders im Lockdown-gebeutelten Osten jeder Tag", so Will.

Die staatlich verordneten Schließungen aufgrund der Coronapandemie sorgten bisher für große Umsatzverluste. Gumprecht schätzt die Umsatzeinbußen im Wiener Non-Food-Handel auf 15 bis 20 Prozent. Einholen ließe sich das nicht mehr, sagte die Branchensprecherin im APA-Gespräch. Sobald staatliche Hilfen nachließen bzw. Rückzahlungen fällig seien, könnte im Handel eine Pleitewelle anrollen. "Nach einem Jahr Pandemie und 116 Schließtagen sind die Reserven aufgebraucht. Diese Keule wird kommen", erwartet Gumprecht.

Der lange Verzicht verändere Konsumgewohnheiten. "Die Illusion, dass alles wird wie zuvor, soll man sich abschminken. Der Mensch gewöhnt sich an Verhalten, das ihm während der Lockdowns auferzwungen wurden. [...] Ein Teil der Kunden des Onlinehandels wurde zu Stammkunden. Und vielen wurde bewusst, dass sie nicht für alles und jedes neue Schuhe brauchen", sagte Handelsverbandspräsident Stephan Mayer-Heinisch im "Standard" (Montagausgabe).

Alle bisherigen Lockdowns zusammen führten im Wiener Handel zu in Summe 116 Schließtagen. Auch in Niederösterreich, wo der harte Lockdown ebenfalls heute endete, waren es 116 Tage. Das Burgenland kommt auf 104 Tage, die restlichen Bundesländer auf 90. Der Handelsverband schätzt die Umsatzverluste der betroffenen Händler im Osten auf 1,95 Mrd. Euro, davon entfällt rund 1 Mrd. Euro allein auf den Wiener Handel.

Dass der Handel nun österreichweit wieder offen hat, lasse die Branche aufatmen. "Den nötigen Umsatz-Turbo werden aber die Touristen bringen, die wir durch die angekündigten Öffnungen am 19. Mai in der Gastronomie und Hotellerie wieder bei uns begrüßen dürfen", sagte Rainer Trefelik, Obmann der Bundesparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Montag. Gastronomie und Touristen sind für den Handel wichtige Frequenz- und Umsatzbringer. Laut einer RegioData-Studie haben Touristen aus dem Ausland im Vorkrisenjahr 2019 4,2 Mrd. Euro im österreichischen Handel ausgegeben.

Wie bisher gelten Maskenpflicht, Abstandsregeln und eine Mindestfläche von 20 Quadratmetern pro Person. Bei den Dienstleistern wird eine Terminvereinbarung empfohlen. Voraussetzung für das Eintreten ist ein negativer Antigentest (nicht älter als 48 Stunden) oder ein negativer PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden). Eine in den vergangenen sechs Monaten durchgemachte Corona-Infektion mit schriftlichem Nachweis ermöglicht den Besuch von körpernahen Dienstleistern ohne Test.

"Seit Bekanntgabe der Öffnung können Kunden Termine buchen. Dieses Angebot wurde erfolgreich angenommen, vor allem für die Haarfärbung besteht eine hohe Nachfrage. Die Freude der Unternehmer ist groß, wieder arbeiten zu können", sagte Marcus Eisinger, Innungsmeister der Wiener Friseure, am Montag laut einer Aussendung.

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