Wirtschaft

Gespendet wird gern, zunehmend auch online

Österreicher spenden mehr als 2017, liegen europaweit aber nur Mittelfeld. Am großzügigsten ist man in Salzburg, Tirol und Vorarlberg.

Vor allem in Großstädten wie Wien spenden Menschen für Obdachlose. In Westösterreich liegen Tiere und Katastrophenhilfe vorne.  SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Vor allem in Großstädten wie Wien spenden Menschen für Obdachlose. In Westösterreich liegen Tiere und Katastrophenhilfe vorne.

Herr und Frau Österreicher spenden gern. Sechs von zehn, also fast zwei Drittel, haben im sich zu Ende neigenden Jahr für einen guten Zweck gespendet. Das voraussichtliche Spendenaufkommen von 675 Mill. Euro bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 15 Mill. Euro oder zwei Prozent. Damit setzt sich der langjährige Aufwärtstrend weiter fort. Die durchschnittliche Höhe je Spende in Österreich lag im heurigen Jahr bei 113 Euro.

Damit hätten sich Befürchtungen bezüglich einer schwindenden Solidarität gegenüber Menschen in Not und uneigennützigen Anliegen nicht bestätigt, sagt Günter Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria (FVA), der Dachvereinigung der heimischen Spendenorganisationen.

Auf der einen Seite ist er zufrieden mit dieser Entwicklung. Zugleich sieht Lutschinger im internationalen Vergleich noch Luft nach oben: "Beim Spenden sind wir keine Weltmeister." Denn mit 75 Spenden-Euro pro Kopf der Bevölkerung liegt Österreich - eines der reichsten Länder der Welt - in Europa gerade einmal im Mittelfeld. Tiefer in die Tasche für den guten Zweck greifen die deutschen Nachbarn (91 Euro/Kopf), Schweden (115 Euro), die Niederlande (139), Die Schweizer (197) sowie die Briten, die europäischen Spitzenreiter mit 274 Euro pro Jahr und pro Kopf. Vergleichsweise gering ausgeprägt ist die Spendenbereitschaft in Tschechien (39) und Ungarn (30 Euro).

Das europaweite geografische Gefälle von Westen nach Osten ist auch in Österreich festzustellen. Nirgendwo sonst im Land spendeten so viele Menschen so viel Geld wie in Salzburg, Tirol und Vorarlberg, mehr als drei Viertel der Bevölkerung (77 Prozent) überwiesen hier durchschnittlich 139 Euro, um einen guten Zweck zu unterstützen. Am unteren Ende der Skala lagen mit einem Anteil von 50 Prozent die Oberösterreicher, bei der Spendenhöhe die Wiener mit 80 Euro.

Am lockersten sitzt die Geldbörse, wenn es um Kinder, Tiere oder Katastrophenhilfe im Inland geht, diese Themen können jeweils rund ein Fünftel der Bevölkerung mobilisieren. Zudem ortet Meinungsforscher Bernhard Hofer von Public Opinion einen langfristigen Trend zum Spenden für Obdachlose und Bettler, der sich vor allem in größeren Städten manifestiert. In Wien erhielt diese Gruppe die meisten Spenden, während im Westen Tiere, Katastrophenhilfe und Kirchen mehr Anklang fanden.

Die Digitalisierung lässt auch das Spendenwesen nicht unberührt. Der klassische Erlagschein ist zwar noch die mit Abstand beliebteste Form zu spenden, doch neue Online-Zahlungskanäle holen rasant auf. Die Anzahl der über Internet getätigten Spenden hat sich binnen weniger Jahre verzehnfacht, auf nunmehr bereits zehn Prozent des gesamten Aufkommens.

Steigender Beliebtheit erfreuen sich auch Spendenplattformen und die Möglichkeit, als Einzelperson auch mit kleinen Beträgen über so genanntes Crowdfunding zur Finanzierung größerer Projekte beitragen zu können.

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