Wirtschaft

Gewerkschaft droht mit Streik bei Lauda

Die irische Mutter drückt beim Wachstum ihrer Tochter auf die Tube. Den Betriebsrat will Ryanair-Chef O'Leary einfach ignorieren.

Die neuen Uniformen sind laut Dienstvertrag von den Mitarbeitern selbst zu bezahlen.  SN/apa
Die neuen Uniformen sind laut Dienstvertrag von den Mitarbeitern selbst zu bezahlen.

Michael O'Leary hat es schon wieder getan. Bei seinem jüngsten Besuch in Wien am Mittwoch präsentierte der Chef der Billigfluggesellschaft Ryanair neue ambitionierte Wachstumspläne für die Österreich-Tochter Laudamotion (kurz Lauda) und schmähte die Mitbewerber im Kampf um Marktanteile in Österreich. Kritik an umstrittenen Arbeitsbedingungen wischte er beiseite, es handle sich um "Missverständnisse".

Diesmal aber hatte der RyanairChef auch eine schlechte Nachricht im Gepäck: Der Verlust der von Niki Lauda aus der Konkursmasse von Niki gegründeten Airline dürfte im Geschäftsjahr 2019/20 mit voraussichtlich 70 bis 75 Millionen Euro höher ausfallen als erwartet. Erst im September hatte O'Leary den Verlust mit 50 Mill. Euro beziffert nach 150 Mill. Euro Verlust im ersten Jahr. Er hält aber unverändert am Ziel eines ausgeglichenen Ergebnis im dritten Jahr fest.

Jetzt beschleunigt Lauda das Wachstumstempo. Nach dem Ausfall von Thomas Cook und Adria Airways stockt man die Flotte um drei gebrauchte Airbus A320 auf, im Sommer 2020 will man mit 19 Flugzeugen 81 Strecken von und nach Wien bedienen und zehn Millionen Passagiere befördern.

Kritik von Gewerkschaftsseite an den umstrittenen Arbeitsbedingungen der Lauda-Mitarbeiter wischte O'Leary beiseite. "Je lauter die Kritik, umso mehr Tickets verkaufen wir", erklärte er vollmundig.

Mitarbeiter kritisieren "modernen Sklavenbetrieb"

Die Dienstleistungsgewerkschaft Vida läuft Sturm gegen die Praxis von Laudamotion, neue Mitarbeiter über die irische Leiharbeitsfirma Crewlink anzustellen. Diese Verträge seien in vielen Punkten "nicht nur moralisch verwerflich, sondern in mehreren Klauseln rechtlich unzulässig und sittenwidrig", sagt Daniel Liebhart, Vorsitzender des Vida-Fachbereichs Luftfahrt. So würden die Verträge ein All-in-Gehalt von 1130,63 Euro brutto vorsehen, netto 995 Euro - samt Überstunden sowie Sonn- und Feiertagszuschläge. Das liege "klar unter der Armutsgefährdungsschwelle", warnt Liebhart. Er rät dringend davon ab, die Verträge zu unterschreiben, die Gewerkschaft prüfe rechtliche Schritte gegen diese Versuche, den Lauda-Kollektivvertrag zu umgehen. Kampfmaßnahmen wie Streik seien denkbar.

Kritisiert wird auch die mögliche Verlegung von Mitarbeitern an andere Lauda-Basen oder dass Mitarbeiter ihre - soeben neu präsentierte - Dienstkleidung selbst bezahlen müssten, ebenso die Kosten für das Übersetzen deutschsprachiger Arbeitsunterlagen ins Englische.

Laudamotion-Mitarbeiter kritisieren auch mangelnde Wertschätzung, die sich auch dadurch ausdrücke, dass Ryanair-Chef O'Leary den neu gewählten Lauda-Betriebsrat ignorieren will. Grund sei die Kündigung der Vorsitzenden - was nach österreichischem Recht gar nicht möglich ist.

Entsprechend schlecht ist die Stimmung. Von einem "modernen Sklavenbetrieb" und unzumutbaren Standards ist die Rede. "Die meisten älteren Kollegen schauen sich um, denen ist die Freude am Fliegen vergangen", heißt es. Die Jungen seien zwar motiviert, weigerten sich aber, die befristeten Verträge zu unterschreiben.

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