Wirtschaft

Gewerkschaften bereiten sich auf harte Herbstlohnrunde vor

Die Gewerkschaften bereiten sich bereits auf eine harte Herbstlohnrunde vor. Im September wird es erstmals eine Konferenz aller Kollektivvertragsverhandler aller Gewerkschaften, also aller Betriebsräte aus ganz Österreich, geben, so ÖGB-Chef Wolfgang Katzian in einem Interview mit der Tageszeitung "Der Standard". Zugleich fordert er ein Anrecht auf eine Vier-Tage-Woche.

Katzian fordert auch das Recht auf eine Vier-Tage-Woche SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Katzian fordert auch das Recht auf eine Vier-Tage-Woche

Auch der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft PRO-GE und der sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG), Rainer Wimmer, geht in einem "Österreich"-Interview (Montagausgabe) von einer harten Herbstlohnrunde aus: "Für die Lohnrunde werden alle Gewerkschaften eine einheitliche Linie festlegen. Die Lohnrunde wird 'heavy' werden, das kann ich schon einmal versprechen", so Wimmer. Es werde dabei nicht nur um mehr Geld gehen. Man werde die Regierung und die Industrie beim Wort nehmen und die versprochenen langen Freizeitblöcke als Ausgleich zum Zwölf-Stunden-Tag verlangen. Ob auch mit Streiks zu rechnen sei, könne man noch nicht sagen.

"Wir wollen Spielregeln durchsetzen, zum Beispiel den immer wieder versprochenen Anspruch auf eine Vier-Tage-Woche als Ausgleich - im Gesetz steht kein Wort davon", so Katzian weiter. Das neue Arbeitszeitgesetz erlaube Unternehmern Zwölf-Stunden-Tage ohne Mitsprache der Belegschaften zu verhängen, Betriebsvereinbarungen seien nicht mehr nötig, jeder Arbeitgeber könne so tun, wie es gerade passe.

Das Gesetz garantiere den Arbeitnehmern zwar die freie Wahl, ob sie für Überstunden Geld oder Freizeit wollen. "Das heißt aber nicht, dass die Leute die Freizeit dann nehmen können, wann sie wollen: Von einem Selbstbestimmungsrecht ist im Gesetz keine Rede", so der ÖGB-Chef. Erst wenn es dieses gäbe, wäre das eine positive Flexibilisierung, die sich die Menschen wünschten.

"Im Sommer setzen wir Nadelstiche, als Vorgeschmack für den Herbst", so Katzian weiter. Auf der geplanten Konferenz aller Kollektivvertragsverhandler sollen dann weitere Schritte beschlossen werden.

Vor einem Ende der Sozialpartnerschaft fürchtet sich Katzian nicht: "Ich kann und werde die Sozialpartnerschaft nicht herbei weinen und werde auch damit leben, wenn es sie nicht mehr gibt." Ohne Gespräche mit den Gewerkschaften werde aber der Weg des Dialogs verlassen. "Damit sind wird dann beim Arbeitskampf und bei Protesten auf der Straße".

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