Wirtschaft

Goldexperten rechnen mit Stagflation

Die Wirtschaft stehe vor einer längeren, jedenfalls einige Jahre in Wellen andauernden höheren Inflation bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum, sagte der Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle bei der Vorstellung des diesjährigen Berichts "In Gold We Trust". Der Ukraine-Krieg, der Rückgang der Globalisierung, hohe Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel, aber auch eine aus seiner Sicht beginnende Lohn-Preis-Spirale seien strukturelle Gründe für dauerhafte Inflation.

Stöfele und Mark Valek, Ko-Autor des heuer 420 Seiten dicken Berichts, empfehlen wenig überraschend wie jedes Jahr die Investition in Gold. Sie halten auch an ihrer Annahme fest, dass sich der Goldpreis bis 2030 auf 4.800 Dollar vom heutigen Niveau aus gesehen mehr als verdoppeln wird. Unter Berücksichtigung der Inflation hat Gold allerdings bisher noch nicht den realen Wert von 1980 wieder erreicht und auch das Jahr 2021 war aus Sicht von Gold-Investoren eher enttäuschend, wie Valek in der Pressekonferenz am Dienstag in Wien sagte. Auch heuer hat es zwar mit Beginn des Krieges in der Ukraine einen Anstieg gegeben, der sich aber schon wieder etwas abflacht.

Dass Gold 2021 nicht so gestiegen sei, wie viele erwartet hätten, liege einerseits an den sehr starken Anstiegen von 2019 und 2020, andererseits an der Konkurrenz durch Kryptowährungen, in die viele Veranlagungen geflossen sein. Besonders einflussreich sei aber das "Narrativ" der Zentralbanken gewesen, dass die Inflation nur temporär sei und bald wieder vorübergehe. "Das hat der Goldmarkt geglaubt", so Stöfele, der wie auch Valek überzeugt ist, dass die Inflation nun ein dauerhaftes Phänomen ist und es wie in den 1970er-Jahren zu einer Stagflation kommen wird - also einer Stagnation der Wirtschaft bei gleichzeitiger Inflation. Wobei die beiden das mit weniger als 1 Prozent Wachstum bei gleichzeitig über 3 Prozent Teuerung über zwei Quartale definieren.

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