Wirtschaft

"Große Herausforderung": Agrana rüstet von Gas auf Öl um

Der Agrar- und Nahrungsmittelindustriekonzern Agrana ist eine energieintensive Firma. Die Umrüstung von Gas auf Öl wegen der Energiekrise ist in vollem Gange und hat bisher 10 Mio. Euro gekostet, sagte Generaldirektor Markus Mühleisen. Es handle sich um eine "große Herausforderung". Sofort sei klar gewesen, schnell handeln zu müssen, nachdem Russland die Ukraine überfiel - was im abgelaufenen Geschäftsjahr auch in Abschreibungen in der Höhe von 70 Mio. Euro mündete.

Agrana-Generaldirektor Markus Mühleisen SN/APA/OTS/ARLA FOODS
Agrana-Generaldirektor Markus Mühleisen

Der Gesamtenergiebedarf in Österreich liegt bei 2,75 Mio. Megawattstunden, wovon bisher gut die Hälfte mit Gas (1,5 Mio. MWh) und rund 16 Prozent mit Strom (440.000 MWh) gedeckt wurde. Nun hat man Kontrakte für 40.000 Tonnen Heizöl-Leicht.

Denn aufgrund des bisherigen Energiemixes gab es eine hohe Abhängigkeit von russischem Gas in den österreichischen und osteuropäischen Werken des weltweit tätigen Konzerns. Als Alternative zum Gas komme nur Heizöl-Leicht infrage.

"Überall wo möglich, rüsten wir um", sagte Mühleisen. "Das sind Sachen, mit denen will man sich eigentlich nicht beschäftigen - Stichwort Nachhaltigkeit." Die 10 Mio. Euro sind noch ohne angekündigter staatlicher Hilfe investiert worden, die Ausgestaltung des entsprechenden Fördergesetztes ist vorerst noch offen.

Die Umstellung ist an den österreichischen Standorten im Großen und Ganzen bis auf gewisse Anlagenteile möglich. "Es ist eine riesengroße Herausforderung", sagte Mühleisen. "Nicht alles ist im Trockenen." Man hat zwar die Kontrakte fürs Öl, aber es muss auch erst einmal herbeigeschafft werden. Auch die Menge dürfte noch etwas gesteigert werden - hierbei wartet man auf den Wiederbetrieb der beschädigten OMV-Anlage in Schwechat, so Mühleisen.

Allgemein seien jetzt auch staatliche Energiehilfen für Unternehmen angebracht, sagte Mühleisen auf Nachfrage. "Wir sind groß und können daher auch viel aus eigener Kraft schaffen." Heute brauche die Agrana keine Unterstützung. "Aber am Ende des Tages hängt es auch davon ab, wie lange eine Situation anhält."

Dass nicht jetzt endlich auf E10 gesetzt wird, kann der Agrana-Chef gar nicht verstehen. Aus Abfall werde Bioethanol hergestellt und exportiert, anstatt in Österreich den Beimischungsgrad von 5 auf 10 Prozent zu erhöhen. "Leider ist bei E10 nichts weitergegangen. Das ist für mich unerklärbar, weil es zumindest als Zwischenlösung angewendet werden sollte. Wir bleiben hier am Ball." Die Sache findet sich eigentlich auch im Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen. Auf eine Journalistenfrage wer hier bremst, sagte Mühleisen: "Die Grünen." Zur Herstellung sagte er: "Eigentlich ist das Werk in Pischelsdorf ein europäische Paradebeispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft. Alles was in die Fabrik reingeht, wird in irgendeiner Form verarbeitet." Durch den derzeit hohen Ethanolpreis habe man als Unternehmen auch Rückenwind.

Die Agrana hat auch Standorte in der Ukraine und in Russland. Nahe Moskau arbeiten 300 Menschen für den heimischen Konzern, der dort Fruchtzubereitungen erzeugt. Da man "Teil der Lebensmittelkette" sei und Grundnahrungsbestandteile erzeuge, bleibe man mit der Produktion an Ort und Stelle obwohl dies aus politischen Gründen keine leichte Entscheidung sei. Jedenfalls produziere man weder Luxus- noch Lifestyleprodukte oder gar Dinge für Armee oder Krieg. Das weitere Engagement werde laufend überprüft.

In der Ukraine sind rund 800 Menschen an zwei Standorten für die Agrana tätig. Derzeit läuft dort je nach aktueller Sicherheitslage eine eingeschränkte Produktion um Aufträge regionaler Kunden zu erfüllen. Für Luftalarme mussten wegen des russischen Angriffs Schutzräume eingerichtet werden.

Zur weiteren Konzernstrategie sagte der Generaldirektor, dass der Strategieprozess wegen der Pandemie und des russischen Krieges gebremst worden sei, aber laufe. Mitarbeiter aller Ebenen sind beteiligt. Es gehe darum, noch innovativer zu werden und auch neue Geschäftsfelder außerhalb der Nahrungsmittelindustrie zu erschließen. Eines von vielen Themen seien hochinnovative Lösungen mit Stärke - etwa für Klebstoffe, Biokunststoffe oder biologisch abbaubaren (Nicht-)Plastiksackerln bis hin zu Pharmaprodukten. "Es sollen Dinge identifiziert werden, bei denen wir mehr Gas geben und auch welche, die eher zurückgestellt werden", sagte Mühleisen vor Journalistinnen und Journalisten.

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