Wirtschaft

Große Zeitarbeitsfirmen wollen Ausbildungstopf voll nutzen

Zeitarbeitsfirmen müssen in einen Fördertopf für die Ausbildung ihrer Mitarbeiter einzahlen. Dabei werden die großen Firmen stark zur Kasse gebeten, dürfen aber selber nur in beschränkten Ausmaß Unterstützung anfordern. Das sei ungerecht und müsse geändert werden, fordert Markus Archan, Präsident der Branchenvertretung Österreichs Personaldienstleister (OePDL).

Zeitarbeitsfirmen müssen 0,35 Prozent ihrer Lohnsumme in den Sozial- und Weiterbildungsfonds (SWF) einzahlen. Mit deutlichen Schwankungen sind das etwa 10 Mio. Euro pro Jahr. Dazu kommt eine Förderungen des Sozialministeriums, die im ersten Jahr 2015 vier Mio. Euro betrug und seit 2018 wie geplant bei 1,5 Mio. Euro liegt.

Da in den ersten Jahren die Einzahlungen wesentlich höher waren als die Leistungen, hatte der SWF Ende 2016 schon 28,5 Mio. Euro auf der hohen Kante, dieser Betrag ist aber bis Ende 2018 um rund 10 Mio. Euro abgeschmolzen.

Archan kritisiert am SWF eine Einschränkung, wonach ein einzelner Betrieb maximal mit 200.000 Euro in drei Jahren aus öffentlichen Geldern gefördert werden darf. Die drei beitragsstärksten Unternehmen haben pro Jahr zusammen rund 2 Mio. Euro eingezahlt, geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des NEOS-Abgeordneten Gerald Loacker durch das Sozialministerium Ende 2018 hervor. Sie bekommen aber nur ein paar hunderttausend Euro an Förderungen. Nach Rechnung Archans zahlen die zehn größten Zeitarbeitsfirmen über drei Jahre gerechnet jeweils etwa eine Mio. Euro in den Fonds ein, bekommen aber nur 200.000 Euro davon wieder als Förderung heraus.

Archan möchte diese "de-minimis" genannte Regel wegbringen. Die Bestimmung kommt aus dem EU-Recht, Archan bezweifelt aber im Gegensatz zum SWF, dass sie für den konkreten Fall anzuwenden ist. "Letztendlich muss das in Brüssel entschieden werden", sagte er im Gespräch mit der APA. Er will daher auch in Brüssel dagegen lobbyieren, eine Beschwerde an die EU-Kommission sei gerade in Ausarbeitung.

Obwohl Archan die Abgabe von 0,35 Prozent der Lohnsumme für den SWF als "in Europa einzigartige Zusatzbelastung" für Österreichs Zeitarbeitsfirmen bezeichnet, stellt er den Fördertopf nicht grundsätzlich in Frage. Denn Aus- und Weiterbildung sei in der Zeitarbeitsbranche das ein und alles. Das gehe vom Schweißen bis zu Deutschkursen.

Die Kunden, also Österreichs Firmen, die Zeitarbeiter brauchen, fragen immer mehr qualifiziertes Personal nach. Facharbeiterniveau sei zunehmend Voraussetzung, auch für Leiharbeiter. "Die Sicherstellung von genug ausgebildeten Menschen ist für uns im Moment ein sehr großes Thema. Reine Hilfstätigkeiten, wo man nur zwei Hände und zwei Füße braucht, die verschwinden", weiß Archan.

Quelle: APA

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