Österreich

Gründer haben es schwer

Während die Gesamtzahl der Firmenpleiten zurückgeht, steigt sie bei Jungunternehmen. Experten sehen einen Zusammenhang: Mehr Gründungen heißt mehr Pleiten bei Jungfirmen.

Gründer haben es schwer SN/apa/epa
Neu gegründete Unternehmen sind besonders insolvenzgefährdet.

Geburtsvorgänge sind in der Regel etwas Positives, sie bergen zugleich aber auch ein erhöhtes Risiko des Scheiterns. Das ist in der Natur so, und die gleiche Tendenz ist auch bei Unternehmensgründungen zu beobachten. Das zeigen aktuelle Zahlen des Kreditschutzverbandes KSV1870. Demnach scheitert von drei neu gegründeten Unternehmen mindestens eines innerhalb der ersten drei Jahre.

Dabei ist die gesamte Insolvenzentwicklung nach Einschätzung des KSV durchaus positiv und insgesamt rückläufig. Bei den jungen Firmen steigt der Wert dagegen an. Machten im Jahr 2014 die Insolvenzen junger Firmen in Österreich noch 34 Prozent des gesamten Kuchens aus, vergrößerte sich dieser Anteil 2015 auf 36,2 Prozent. Die Gesamtzahl der Gründungen stieg 2015 im Vergleich zum Jahr davor um sechs Prozent. Um exakt den gleichen Prozentsatz stieg auch die Zahl der Pleiten von Jungfirmen an.

Das heißt, es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Neugründungen und mehr jung gescheiterten Firmen. Der KSV formuliert es so: "Je mehr gegründet wird, desto mehr junge Insolvenzen gibt es auch."

KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner bezeichnet das Kleinkindalter von Unternehmen als "Schicksalsjahre". Jede Gründung trage die Chance auf einen durchschlagenden Erfolg und zugleich auch das Risiko eines Scheiterns in sich. Diese "Feuertaufe" zeige auch, ob realistisch geplant, richtig finanziert und mit Tüchtigkeit und - nicht zuletzt auch - Glück gearbeitet worden sei.

Der statistische Gleichschritt zwischen Anzahl der Firmengründungen und junger Pleiten setzt sich auch in den Zahlen für die Bundesländer fort. Dabei gibt es eine auffällige Ausnahme: Niederösterreich weist mehr Neugründungen auf als die Bundeshauptstadt Wien, liegt mit einer Insolvenzquote von 30,2 Prozent bei Jungfirmen aber deutlich unter dem Wien-Wert (44 Prozent). Das sei untersuchenswert und könnte etwa an einer unterschiedlichen Beratungsqualität liegen, vermutet KSV-Experte Kantner. Die geringste Pleitenquote für Jungunternehmen hat Vorarlberg (28,1 Prozent), Salzburg liegt mit 31,1 Prozent auf dem 6. Platz.

Quelle: SN

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