Wirtschaft

Haberzettl-Entlassung offenbar doch kein Selbstläufer

Die fristlose Entlassung des Ex-Eisenbahnergewerkschaftschefs Wilhelm Haberzettl als Vorstand der Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft (BWSG) scheint nicht so ein Selbstläufer zu sein, wie es die Eisenbahnergewerkschaft vida darstellt. Das schreibt "Der Standard" unter Berufung auf ein strittiges, teils fehlerhafte Kaufangebot, das der Zeitung vorliegt.

Haberzettl wehrt sich bereits juristisch gegen seine Entlassung SN/APA (Archiv)/ROBERT JAEGER
Haberzettl wehrt sich bereits juristisch gegen seine Entlassung

Haberzettl wehrt sich bereits juristisch gegen seine Entlassung als Vorstand der BWSG und ficht die Entlassung an. Der ehemalige Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter war Mitte Februar - wie auch das Vorstandsmitglied Andreas Hamerle - in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht einstimmig abberufen und fristlos entlassen worden. Mitte März brachte die BWSG gegen Haberzettl und fünf weitere Personen Anzeige wegen Untreue ein. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Es geht um den Verkauf zweier Liegenschaften in der Wiener Marxergasse und der Treustraße. Aus Sicht der Wohnbaugenossenschaft wurden sie nicht an den Höchstbieter, sondern zu billig verkauft, der mögliche Schaden wurde mit mindestens 2,5 Mio. Euro beziffert. Haberzettl hat diesen Vorwurf zurückgewiesen. Er argumentierte, dass man den Verkauf von Wohnungen, die dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz unterliegen, nicht nur rein monetär betrachten könne, sondern auch auf den künftigen Umgang mit den Mietern habe achten müssen.

Das höhere Kaufangebot wirke nicht bestechend seriös, schreibt nun "Der Standard": Es war rückdatiert und die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen und Garagen war höher, als tatsächlich zur Verwertung zur Verfügung stand. Was die Seriosität laut Zeitung nicht verstärkte: Das zeitlich befristete und rechtsverbindliche Kaufangebot sei in einem zentralen Punkt fehlerhaft gewesen. Der gebotene Preis von 14.962.500 Euro schmolz in Worten nämlich dramatisch zusammen. Für 81 Wohnungen und 82 Garagenstellplätze wurden "vierzehntausendneunhundertzweiundsechzigtausendfünfhundert Euro" geboten.

"Hätten Sie so ein dahingeschludertes Angebot ernst genommen?", fragt laut "Standard" ein Kapitalvertreter, der damals dem Aufsichtsrat der Verkäuferin angehörte. Im März 2018 standen nur noch 78 Wohnungen und 77 Stellplätze zum Verkauf. Denn zwischenzeitlich hatte die BWSG bzw. deren Tochter WBG - zum Leidwesen des späteren Käufers SWRT - einige Wohnungen veräußert und so die Ertragsmöglichkeiten des Erwerbers geschmälert, heißt es im Zeitungsbericht. Die vom Interessenten verlangte Garantie, wonach 81 Wohnungen und 82 Stellplätze verkauft werden, war damit bei Vertragsabschluss im Juni 2018 dahin. Im Bericht werden noch weitere "die Seriosität des Interessenten nicht verstärkende" Punkte aufgezählt.

Quelle: APA

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