Österreich

Hallein Papier - mit neuem Eigentümer zu alter Stärke

Der x-te Verkauf der einstigen Halleiner Papierfabrik verspricht eine Erfolgsgeschichte zu werden. Denn Textilzellstoff ist weltweit gefragt. Unter dem neuen Namen Austro Cell Hallein erfindet man sich neu und tüftelt auch an Bio-Treibstoffen.

Dermot Smurfit (l.) kommt als neuer Aufsichtsratschef und Minderheitseigentümer nach Hallein. Jörg Harbring bleibt als Chef und soll den Zellstoffhersteller weiterentwickeln.  SN/robert ratzer
Dermot Smurfit (l.) kommt als neuer Aufsichtsratschef und Minderheitseigentümer nach Hallein. Jörg Harbring bleibt als Chef und soll den Zellstoffhersteller weiterentwickeln.

Diesmal ist alles anders. Die mehrfachen Eigentümerwechsel in der ehemaligen Papierfabrik in Hallein, von der norwegischen Borregaard über die deutsche PWA, die schwedische SCA, die finnische Metsä-Serla bis zur österreichischen Schweighofer-Gruppe, standen immer in Verbindung mit Mitarbeiterabbau und Restrukturierung.

Seit Dienstag gehört der Halleiner Zellstoffhersteller, der zuletzt "Schweighofer Fiber" hieß, nun mehrheitlich dem US-amerikanisch-britischen Investor TowerBrook. Die Investmentgesellschaft verwaltet weltweit Vermögenswerte von rund sechs Milliarden Euro und will in Hallein groß investieren.

"Wir können nichts mehr restrukturieren, wir können nur wachsen", sagt Jörg Harbring, der als Geschäftsführer des nun in Austro Cell Hallein umbenannten Unternehmens an Bord bleiben wird.

Harbring hat den Deal eingefädelt und zwar über einen ganz Großen: Dermot Smurfit. Der Ire hat mit seinen Brüdern den Verpackungsriesen Smurfit Kappa mit heute 45.000 Mitarbeitern aufgebaut und wird in Hallein als Aufsichtsratschef und Minderheitseigentümer, kolportiert werden unter zehn Prozent, einziehen.

Smurfit ist in Österreich kein Unbekannter. 1995 stieg er mit seiner Gruppe bei der Nettingsdorfer Papierfabrik in Ansfelden ein, in der Wellpappe-Rohpapiere hergestellt werden. "Nettingsdorfer ist eines der Filetstücke der Gruppe", sagte Smurfit den SN.

Zum Engagement in Hallein meinte er, "die Menschen werden zunehmend reicher, sie wollen keine Kleidung aus Polyester mehr tragen, das ja nichts anderes als Plastik ist. Daher glauben wir, dass Viskose in Asien künftig noch stärker nachgefragt sein wird." Und für Viskose braucht man eben Zellstoff.

Über Smurfit kam es zum Kontakt zwischen Investor TowerBrook und der Schweighofer-Gruppe. Gerald Schweighofer sagt zu den Gründen für den Verkauf, dass dies eine strategische Entscheidung gewesen sei. "Wir konzentrieren uns verstärkt auf unser Kerngeschäft, die Holzverarbeitung, aber wir wissen Hallein in guten Händen." Schweighofer hat das Werk in Hallein mit einer 60-Millionen-Euro-Investition und der Umrüstung des Unternehmens von Papier- auf Textil-Zellstoff in die zukunftsfähige Richtung entwickelt. Der Zellstoffhersteller mit 240 Mitarbeitern und 143 Millionen Euro Umsatz gehört mit einer EBIT-Marge von mehr als 20 Prozent zur profitablen Spitze in der österreichischen Industrie.

Schaut man sich das Geschäftsfeld der Halleiner an, sieht man die Möglichkeiten. Der globale Verbrauch von Textilfasern hat sich in den vergangenen 15 Jahren von 45 Millionen Tonnen auf 100 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Dieses Potenzial hat auch der neue Eigentümer TowerBrook erkannt.

"Wir investieren nur in Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial", sagt Sprecher Felix Morlock. Man sei auf sehr spezifische Transaktionen spezialisiert. An Hallein hätten der interessante Markt, das Wachstumpotenzial im Bereich Viskose und das gute Management überzeugt.

Mit ihrer hochwertigen Zellulose aus Fichtenholz haben die Halleiner einen Marktvorteil. Denn nur aus Nadelholz, das typisch für Mitteleuropa und Nordamerika ist, entsteht Langfaser-Zellstoff.

Damit haben die Halleiner schon heute in China einen Marktanteil von 50 Prozent. Dieser Langfaser-Zellstoff wirkt sich leistungssteigernd auf die Verarbeitungsprozesse beim Kunden aus. Das Holz kommt großteils aus Österreich und Bayern.

Bereits heuer werden in Hallein rund 12 Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung gesteckt, nächstes Jahr kommt nochmals ein zweistelliger Millionenbetrag dazu. "Bis Ende 2019 wollen wir die Kapazität von 150.000 Tonnen auf 170.000 im Jahr erhöhen", sagt Harbring.

Aber das ist noch nicht alles. Derzeit tüfteln die Entwickler in Hallein daran, in die Bioethanolproduktion aus Holzzucker einzusteigen. Man könnte 30 Millionen Liter herstellen, das wäre ein Drittel jener Menge, die die EU bis 2030 für Biokraftstoffe der zweiten Generation verlangt. 2018 soll entschieden werden, ob Austro Cell Hallein in dieses Geschäftsfeld einsteigt.

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