Wirtschaft

Handel fürchtet Corona und Ukraine-Krieg

Sorgen bereitet dem heimischen Handel neben der Corona-Pandemie auch die durch den Ukraine-Krieg zusätzlich befeuerte Inflation. Die starke Teuerung hemme den Konsum, 14 Prozent der Menschen würden laut einer neuen Erhebung nur noch Lebensnotwendiges kaufen, hieß es am Freitag in einer Pressekonferenz von Handelsverband und dem Berater Standort+Markt.

Handel besorgt wegen Corona und Ukraine-Krieg SN/APA/THEMENBILD/HANS PUNZ
Handel besorgt wegen Corona und Ukraine-Krieg

Laut einer Erhebung von Mindtake Research für den Handelsverband haben schon 79 Prozent aller Verbraucher das Gefühl, die Preise für Strom, Treibstoff, Wohnen und Produkte des täglichen Bedarfs seien in den letzten Monaten stark angestiegen. 53 Prozent der Österreicher hätten ihre Ausgaben in den letzten Wochen eingeschränkt, 14 Prozent würden sich auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken.

Für Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will werden deshalb "viele Geschäfte des nicht-lebensnotwendigen Handels auch im Sommer 2022 einen Überlebenskampf führen", selbst wenn die Corona-Zahlen deutlich sinken. Der Flächenschwund im Non-Food-Handel werde sich inflationsbedingt fortsetzen.

Die Einzelhandels-Verkaufsflächen in den Innenstädten sinken anhaltend und die Leerstände steigen weiter. Salzburg und St. Pölten seien unter den Verlierern, Krems, Eisenstadt und Mödling auf der Gewinnerseite, sagt eine neue Studie von Standort+Markt. Dornbirn, Linz und Amstetten würden zulegen, Steyr und Wiener Neustadt blieben "Sorgenkinder".

Die rückläufige Flächenentwicklung der letzten zehn Jahre sieht Will als "einen stillen Zeugen der veränderten Konsumgewohnheiten und der Auswirkungen der Corona-Pandemie". 2021 seien allein im Mode- und Schuhhandel die Verkaufsflächen um zwei Prozent eingebrochen. Speziell der Bekleidungssektor - mit noch immer der Hälfte der innerstädtischen Einzelhandelsflächen - habe in den beiden Corona-Jahren massiv an den Online-Handel verloren.

Allein die City-Retailer hätten voriges Jahr mehr als 54.000 m2 Verkaufsfläche verloren, obwohl damit 90 Prozent der Ortskerne und Peripherien in den ländlichen Regionen noch gar nicht berücksichtigt seien. Lag der Anteil der Retail-Shopflächen an den Gesamtflächen 2014 noch bei 73,5 Prozent, so dümpelt er nun bei 67,5 Prozent dahin, so S+M-Geschäftsführer Hannes Lindner. Ohne staatliche Covid-Hilfen wäre diese Strukturveränderung noch heftiger gewesen, sagte er.

Die größten Verkaufsflächen weisen die Wiener Mariahilfer Straße mit 215.000 m2 und die Wiener City mit 205.400 m2 auf, gefolgt von 167.600 m2 in Graz, 145.400 m2 in Linz und 115.500 m2 in Innsbruck. Die Leerstandsquote bleibe mit 7,4 Prozent zu hoch, so S+M-Gesellschafter Roman Schwarzenecker. In den Innenstädten stieg sie leicht 6,1 Prozent, in den Shopping-Centern etwas auf 4,4 Prozent zurückgegangen. Der jährliche "City-Retail Health Check" hat 24 Geschäftsbereiche und 16 ausgewählte Kleinstädte mit 13.231 Shops auf über 2 Mio. m2 Fläche analysiert.

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