Wirtschaft

Handels-KV-Einigung: Plus 2,5 Prozent, Lehrlinge plus acht Prozent

Die fünfte Verhandlungsrunde im Ringen um einen Kollektivvertragsabschluss für über 400.000 Beschäftigte im Handel war für dieses Mal auch die letzte: Kurz vor Mitternacht einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft am Montag auf eine Erhöhung von 2,5 Prozent, die unteren Gehaltsstufen werden im Schnitt um rund 3 Prozent erhöht, die Lehrlingsentschädigungen um 8 Prozent.

Nach der Rechnung der Gewerkschaft ergibt sich durch das Verhandlungsergebnis für die Einstiegsgehälter in der Branche eine Erhöhung von bis zu 3,2 Prozent, im Schnitt über alle Gehaltsstufen ein Plus von 2,83 Prozent.

Zusätzlich habe man für die Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf die 4-Tage-Woche und auf Altersteilzeit sowie auf eine von 10 auf 24 Monate erhöhte Anrechnung von Karenzzeiten auf dienstzeitenabhängige Ansprüche erreicht, hieß es gegenüber der APA. Ab kommenden Jahr könnten die Handelsangestellten außerdem am 24. Dezember eine Stunde früher "Feierabend" machen.

Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller erklärte nach den mehr als 12 Stunden langen Verhandlungen nüchtern, er habe "alles auf den Tisch gelegt, was ich hatte".

KV-Abschlüsse seit 2012 SN/APA
KV-Abschlüsse seit 2012

Rückblick: In der fünften Runde stand es Spitz auf Knopf

Seit elf Uhr vormittag saßen sich die Verhandlungsteams von Arbeitgebern und Arbeitnehmern am Montag gegenüber, um den jährlichen Kollektivvertrag (KV) für rund 450.000 Angestellte und 15.000 Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel auszuverhandeln, der ab 1. Jänner gelten soll. Alles sei offen, alles sei möglich, hieß es.

Vier Verhandlungsrunden hatten die Chefverhandler der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bereits absolviert - und in der fünften Runde stand es bis zum Montagabend Spitz auf Knopf. "Wir stecken in einer heißen Phase und es wird noch dauern", lautete eine aus Verhandlerkreisen übermittelte Kurznachricht am frühen Abend.

Knapp vor 18 Uhr lag dann ein konkretes Angebot vor, das die Gewerkschafter genauer prüfen wollten. Zuvor lag man noch auseinander. Die Gewerkschaft forderte ein Plus von 3,5 Prozent oder mindestens 60 Euro. Die Arbeitgeber boten 2,65 Prozent für die unteren Gehaltsstufen.

Beide Seiten hatten sich auf einen langen Tag eingestellt. Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller sagte vor Gesprächsbeginn, er sei "ausgeruht und gewappnet". Aus seiner Sicht freilich wären lange Gespräche gar nicht nötig, denn "wir haben ein tolles Angebot gelegt".

Anders sah das Anita Palkovich, die das Verhandlungsteam der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp leitet. "Wir stehen vor einem langen Tag", sagte sie zur APA. In dieser Runde sei "mit allem zu rechnen". Eine Einigung auf einen neuen KV galt als ebenso denkbar wie ein Scheitern - samt angedrohter Kampfmaßnahmen.

In vielen Fragen des Rahmenrechts - von der Anrechnung von Karenzzeiten bis zu Regelungen über Lehrlinge - gebe es Übereinstimmung. Eine Ausnahme war die von den Gewerkschaften geforderte leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.

Quelle: APA

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 24.11.2020 um 08:24 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/handels-kv-einigung-plus-2-5-prozent-lehrlinge-plus-acht-prozent-62702095

Kommentare

Schlagzeilen