Wirtschaft

Handels-KV - GPA: Kein Abschluss unter Jahresinflation

Am kommenden Dienstag starten die Kollektivvertragsverhandlungen für die Handelsangestellten, dann will die Gewerkschaft GPA auch ihre prozentuelle Forderung für die Lohn- und Gehaltserhöhung bekannt geben. Klar ist für Chefverhandler Martin Müllauer dass es keinen Abschluss unter der Inflation der vergangenen zwölf Monate von 6,9 Prozent geben kann. Neben mehr Geld will die GPA einen Fixbetrag für Lehrlinge von 150 Euro und den leichteren Zugang zur 6. Urlaubswoche.

Besonders der Textilhandel litt unter den Corona-Lockdowns SN/APA/dpa/Daniel Karmann
Besonders der Textilhandel litt unter den Corona-Lockdowns

Eine Einrechnung der Anti-Teuerungs-Pakete der Bundesregierung lehnt die GPA ab. Diese Forderung haben die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie bei der laufenden Metaller-Lohnrunde aufgestellt, was auch dort von den Gewerkschaften abgelehnt wird. Schließlich verhandelten die Arbeitnehmer nicht mit der Regierung, sondern mit den Arbeitgebern, so das Argument der Belegschaftsvertreter.

Dass hohe Lohnabschlüsse die Teuerung weiter antreiben könnten - worüber sich auch Ökonomen nicht einig sind - verneint GPA-Kollegin Helga Fichtinger. Denn bekanntlich hätten die Preise schon kräftig angezogen bevor die Herbstlohnrunde überhaupt gestartet ist.

Dass die wirtschaftliche Lage im Handel - vom kleinen Textilgeschäft bis zu den großen Handelsketten - sehr unterschiedlich ist, räumen Fichtinger und Müllauer ein. Doch müsse auch berücksichtigt werden, dass ein niedriger Lohnabschluss Firmen, die ohnehin schon in schwerer finanzieller Schieflage sind, auch nicht retten könne, meinten sie Donnerstagabend im Gespräch mit Journalisten.

Ob ihre Lohnforderung ebenfalls bei den plus 10,6 Prozent liege, die die Metallergewerkschafter verlangen, wollten die Kollegen vom Handel noch nicht verraten. Sie stünden aber jedenfalls hinter den Forderungen. Letztendlich gehe es um Kaufkraft, diese komme auch der Wirtschaft wieder zugute. Erst recht im Handel, wo die Löhne eher im unteren Bereich angesiedelt seien. Zum Vergleich: Der Mindest-Bruttolohn im Handel liegt bei 1.800 Euro brutto, in der Metallindustrie bei 2.090 Euro.

Wenig begeistert zeigen sich die Gewerkschaftsvertreter von der Möglichkeit von Einmalzahlungen statt höherer prozentueller Lohnsteigerungen, wie sie gerne von den Arbeitgebern ins Spiel gebracht werden. Diese seien nicht nachhaltig und eben nur einmalig.

Die Chefverhandler der GPA gehen heuer von langen Verhandlungen aus, er habe sich im Dezember nicht freigenommen, meinte Müllauer. Im Gegensatz zu den Metallern wolle man die Lohn- und Gehaltsforderung kommenden Dienstag der Öffentlichkeit erst nach den Arbeitgebern präsentieren, und danach sofort mit den Verhandlungen starten. Einen Tag zuvor, am Montag, gehen die Metaller in die zweite KV-Runde. Sie haben bei einem Scheitern bereits Betriebsversammlungen angekündigt.

Im Handel sind laut dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger 549.000 Personen unselbstständig beschäftigt, fast jeder Dritte davon arbeitet im Lebensmittelhandel. Die Teilzeitquote beträgt laut Statistik Austria 37 Prozent, während sie über alle Branchen hinweg bei 28 Prozent liegt.

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