Wirtschaft

Handels-KV: Lange Verhandlungen erwartet

Die Verhandlungen zum Kollektivvertrag für 420.000 Handelsmitarbeiter brachten in der ersten Runde kein Ergebnis. Die Arbeitgeber halten die Forderungen der Gewerkschaft für überzogen, die Gewerkschaft fühlt sich verhöhnt.

Die Kollektivertragsverhandlungen für die rund 413.000 Angestellten im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel sind am Dienstag mit der traditionellen Forderungsübergabe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Wien gestartet. Die Stimmung war dabei alles andere als gut. Der Start wurde durch die im Vorfeld geäußerte gewerkschaftliche Forderung nach einem Gehaltsplus von 4,4 Prozent bestimmt. Die Verhandler erwarten nun langwierige Gespräche.

Eine Einigung wurde am Dienstag erzielt, wenn auch eine sehr kleine: Beide Seiten gehen nun von der Inflationsrate von 1,7 Prozent als Basis aus. Ansonsten liegt man mit den Vorstellungen jedoch sehr weit auseinander. "Anstatt sich ernsthaft mit den wohl überlegten Forderungen nach mehr Geld und Freizeit auseinander zu setzen und auf Augenhöhe zu verhandeln, verhöhnten die Arbeitgeber-Verhandler die Beschäftigten im Handel, indem sie in Abrede stellten, dass Teilzeitbeschäftigte im Handel unter Stress zu leiden hätten", erklärt die KV-Verhandlerin der GPA-djp, Anita Palkovich, am frühen Abend.

Arbeitgeber wollen über 4,4 Prozent gar nicht erst verhandeln

"Die Gewerkschaft hält an ihren Forderungen fest. Diese sind aber weit überzogen, unrealistisch und realitätsfremd", kritisierte hingegen WKÖ-Handelsobmann Peter Buchmüller nach der ersten Verhandlungsrunde. Auf dieser Ebene sei man nicht bereit, überhaupt zu verhandeln. Nach der ersten KV-Runde am Dienstag sind weitere Termine für den 29. Oktober und 12. November angesetzt. "Die Gewerkschaft hat also Zeit zum Nachdenken. Wir werden sehen, ob wir zusammenkommen. Es wird jedenfalls schwierig."
Schon vergangene Woche hat die Gewerkschaft ihre Forderungen präsentiert: Sie will eine Gehaltserhöhung von 100 Euro pro Monat für alle Angestellten auf Vollzeitbasis. Das bedeutet ein durchschnittliches Plus von 4,4 Prozent - und liegt nur knapp unter der Forderung der Metaller, die ein Plus von 4,5 Prozent einfordern. Das Gehaltsplus würde von 6,1 Prozent für niedrige Einkommen bis 2,1 Prozent für hohe Gehälter reichen. Darüber hinaus wollen die Gewerkschafter drei zusätzliche freie Tage für die vor allem weiblichen Angestellten. "Der Handel braucht motiviertes und vor allem gesundes Personal", sagte Martin Müllauer, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA-djp. Da ein Großteil des Einkommens der Handelsbeschäftigten in den Konsum fließe, würde eine Erhöhung auch der eigenen Branche zugutekommen. Hohe Mieten und gestiegene Lebenserhaltungskosten würden die Forderungen rechtfertigen.

AK-Branchenreport: Fairer Anteil für Beschäftigte gefordert

Schützenhilfe bekommt die Gewerkschaft - wenig überraschend - von der Arbeiterkammer. Der zum Start der KV-Verhandlungen präsentierte Branchenreport zeige ein solides Bild der Handelsunternehmen, so das Fazit. Untersucht wurden 210 Handelsunternehmen mit knapp 125.000 - vor allem weiblichen - Mitarbeitern. 2018 erwirtschafteten diese einen Umsatz von 44,4 Milliarden Euro, was einem Umsatzplus von 2,8 Prozent entspreche. Beim Jahresüberschuss betrug das Plus 6,8 Prozent auf insgesamt fast 832 Millionen Euro. 565 Millionen Euro seien an Aktionäre ausgeschüttet worden - ein Plus von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. AK-Präsidentin Renate Anderl forderte angesichts der Zahlen, "dass die wertvolle Arbeit der Beschäftigten im Handel auch mit einem fairen Lohnabschluss belohnt wird".

Metaller-KV: Betriebsversammlungen beschlossen

Während der Handel am Dienstag in die Kollektivvertragsverhandlungen startete, sind die Metaller schon mittendrin: Die vierte Runde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Metallindustrie war vergangene Woche allerdings ergebnislos abgebrochen worden. Die fünfte Runde ist für den 28. Oktober angesetzt. Am Montag erhöhte die Gewerkschaft allerdings den Druck und beschloss, Betriebsversammlungen abzuhalten, sollte es bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag keine Einigung geben. Im Vorjahr hatte man sich auf ein Lohn- und Gehaltsplus von 3,5 Prozent geeinigt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.11.2019 um 01:29 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/handels-kv-lange-verhandlungen-erwartet-78071749

Kommentare

Schlagzeilen