Wirtschaft

Handelsmitarbeiter holen 2,55 Prozent Lohnplus, mehr Mindestlohn

Mindestgehälter steigen auf 1800 Euro brutto. Verhandler einigten sich in der vierten Runde und sprechen von einem "Signal an Frauen". Über das tatsächliche Gehaltsplus sind sie sich aber uneinig.

 SN/APA/ROLAND SCHLAGER

Zunächst hart, aber zum Schluss dann doch einigermaßen herzlich verliefen die Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die rund 415.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel. Nach einer nur kurzen vierten Verhandlungsrunde einigten sich die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bereits am frühen Dienstagnachmittag auf ein durchschnittliches Gehaltsplus in einer Größenordnung von 2,8 Prozent, zumindest nach Berechnungen der Arbeitnehmerseite.

Das Gesamtpaket setzt sich aus unterschiedlichen Teilen zusammen. Das Einstiegsgehalt steigt von bisher 1740 auf 1800 Euro brutto, ein Plus von 3,45 Prozent. Für alle anderen gibt es um 2,55 Prozent mehr Gehalt. Daraus ergebe sich im gewichteten Durchschnitt ein Plus von 2,8 Prozent, sagt die Chefverhandlerin der Gewerkschaft GPA-djp, Anita Palkovich.

Rainer Trefelik, der Chefverhandler auf Arbeitgeberseite, hat eine andere Sichtweise. Er spricht von einem Gehaltsplus von 2,55 Prozent, zusätzlich habe man das Einstiegsgehalt auf 1800 Euro brutto angehoben. Aber "wichtig ist das Gesamtpaket, dazu gehören auch rahmenrechtliche Bestimmungen", sagt er - also Regelungen in Bezug auf Arbeitszeiten und sonstige Vereinbarungen.

Lehrlingseinkommen wurden um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöht, zudem gibt es einen Digitalisierungsbonus von 100 Euro für die Anschaffung von Hard- und Software bei heimischen Händlern. Bei entsprechenden innerbetrieblichen Vereinbarungen können Beschäftigte ihre Teilzeit aufstocken. Samstagskräfte können auch an anderen Tagen zum Einsatz kommen. Der neue KV tritt mit 1. Jänner 2022 in Kraft.

Ausgangspunkt für die diesjährigen Lohnverhandlungen im Handel war eine Inflation von 2,1 Prozent im Mittelwert der vorangegangenen zwölf Monate (bis inklusive September 2021). Zuletzt zog die Inflation im Jahresabstand deutlich an, im Oktober betrug sie 3,7 Prozent. Allerdings liegt KV-Abschlüssen traditionell die Inflation der vergangenen zwölf Monate zugrunde.

Der Abschluss bringe "für ein Drittel der Beschäftigten eine wirklich kräftige Gehaltserhöhung, die deutlich über der durchschnittlichen Inflationsrate des letzten Jahres liegt", sagt Palkovich. Es sei eine Mischung aus einem Krisen- und einem Zukunftsdeal. Der Nachtzuschlag von 50 Prozent (für Arbeiten bis fünf Uhr früh) und andere Verbesserungen seien ein "positives Signal für Frauen", vor allem in Bereichen, die in der Pandemie besonderem Arbeitsdruck ausgesetzt seien.

Arbeitgebervertreter Rainer Trefelik sieht in dem Abschluss nicht nur ein wichtiges Signal an Frauen, sondern auch dafür, dass sich die duale Ausbildung - praktische Ausbildung im Betrieb plus geblockter fachtheoretischer Unterricht in der Berufsschule - auszahle. Zudem stärke man damit die Attraktivität des Handels als Arbeitgeber.

Im Vorjahr hatten sich die Sozialpartner wegen der Coronakrise bereits in der ersten Verhandlungsrunde auf ein Gehaltsplus von 1,5 Prozent geeinigt, das deckte genau die mittlere Inflationsrate der zwölf Monate davor ab. Heuer war die Gewerkschaft mit einer Lohnforderung von 3,5 Prozent in die Verhandlungen gegangen. Nach drei ergebnislosen Gesprächsrunden erhöhte die GPA den Druck mit Betriebsversammlungen.

Mit dem Lohnabschluss der Metallindustrie, die ein Plus von 3,55 Prozent erreicht hatte, könne sich der Handel nicht vergleichen, sagt Palkovich. "Es ist uns klar, dass es Erwartungen an uns gibt, die wir nicht erfüllen können". In diesem Jahr habe es eine besondere Herausforderung durch die völlig unterschiedliche Entwicklung in einzelnen Bereichen des Handels gegeben. Noch nie seien die Unterschiede so groß gewesen. Während manche Sparten unter den wiederholten Lockdowns litten, gab es etwa im Lebensmittelhandel kräftige Zuwächse.

Für den Handelsverband (HV) ist die Gehaltserhöhung die "absolute Oberkante". Bedauerlich sei, dass es nicht zu einer Entrümpelung des Zuschlagswesens gekommen sei.

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